Killer Kindheit
Die Kleinen
Dean war ein lieber Junge. seine Eltern konnten es miteinander nicht aushalten, aber auch nicht ohne einander. Sie heirateten zwei Mal, ehe die Mutter sich einen neuen Mann aussuchte. Dean war mittelmäßig in der Schule und spielte für das Schulorchester die Posaune.
Weder Mutter noch die jeweiligen Ehemänner quälten den Jungen.
Er tat immer, was seine Mutter von ihm wollte und später sollte er der hilfsbereiteste junge Mann der Nachbarschaft werden. Lange führte er mit seiner Mutter einen kleinen Süßwarenladen, der selbstgemachte Bonbons und Pekanüsse in Zucker oder Schokolade anbot. Die Mutter heiratete ein drittes Mal. Dean versuchte es bei der Army, wurde aber vorzeitig entlassen.
1973 erschuss ihn sein 18 jähriger Liebhaber. Dean hatte über 30 Kinder gefoltert, zerstückelt und ermordet.
Honora Kelley hatte es unter ihrem Vater nicht leicht. Ende des 19. Jahrhunderts starb ihre Mutter und der Vater, ein Alkoholiker und Geisteskranker, quälte Nora und ihre Schwester Nellie solange, bis beide in ein Heim für weibliche Waisenkinder kamen. Es war kein schlechtes Heim, eines der ersten seiner Art und als Nora etwa 7 Jahre alt war, wurde sie bei einer netten Pfelgefamilie namens Toppan aufgenommen. Die Mutter änderte den Vornamen des Kindes in Jane.
Obwohl Nora nie richtig adoptiert wurde, ging es ihr nie schlecht und sie konnte mit einem kleinen (damals stattlichen) Sümmchen Geld ein eigenverantwortliches Leben als gelernte Krankenschwester beginnen. Ihre Pflegeeltern und vor allem ihre Pflegeschwester behandelten die kleine mit Liebe und Respekt. Nora, nunmehr Jane Toppan wurde „Amerikas Lukrezia Borgia“. Mit einer nekrophilen Vorliebe zu Menschen, die sie selbst vergiftete, um sich an ihren Agonien zu ergötzen wurde sie zum berühmtesten weiblichen Serienkiller aller Zeiten. sie tötete mindestens 31 Menschen, wohl aber eher 100. Sie lebte über dreißig Jahre lang ein schreckliches, von den Geistern ihrer Toten gejagtes Leben in der Irrenanstalt.
Der kleine Albert hatte einen Onkel, der an einer religiösen Psychose litt und schließlich in einer Anstalt für Geisteskranke verstarb. Einer seiner Brüder war „schwachsinnig“ und starb früh an einem Wasserkopf. Seine Schwester war „geistig anfällig“ und ein Bruder wurde bereits in frühem Jugendalter alkoholkrank. Seine Mutter war eigenartig: sie hörte und sah „Dinge“, wenn sie nur lange genug still da saß und an die Wand starrte und lauschte.
Albert lag in dem streng katholischen Heim auf seiner kalten Pritsche. Um sich herum die vergiftete, dunkle, religiös beherrschten Atmosphäre eines katholischen Kinderheims. Er konnte die Peitschen auf Kinderhaut knallen hören. Er hörte all das Geschrei und Gewimmere seiner Mitinsassen. Er verspürte die Qual an seinem eigenen Körper. Die Notzucht, aber auch die sexuelle Lust seiner Fürsorger. Nach und nach köchelte sein Leben im Lichte Gottes zu einem sadistischen Eintopf aus religiösem Wahn, Selbstfolterung und Mord. und er ersann sich scheinbare Bibelsprüche wie: „Gesegnet ist jener, der die Köpfe kleiner Kinder an den Felsen zerschmettert. Er wurde zum manischen Verfasser zahlreicher obszöner Briefe und gab an Stelle von Albert oft den Vornamen eines berühmten Nordstaaten-Mannes an: Hamilton. Hamilton Fish.
1936 starb Fish auf dem elektrischen Stuhl. Seine Verbrechen an Kindern sind die wohl grausamsten seit denen des perversen französichen Edelmannes Gilles de Rais. In seiner Anklageschrift fanden sich 15 Punkte sexueller Abartigkeit. Mindestens 15 Kinder (wenn nicht doppelt so viele) hatte er gequält, getötet und teilweise aufgegessen. Das alles unter Rezitierem der heiligen Schrift oder seiner eigenen, pervertierten Verse.
Klein Eddie lebte bei seinem zwei Jahre älteren Bruder, seiner starken, vom protestantisch-puritanischen Eifer durchsetzten, dominanten Mutter und einem eher etwas schwächlichen Vater, der sich nie so recht gegen die Mutter durchsetzen konnte. Eddie liebte seine Mutter Augusta Gein so sehr, wie er keine Frau, außer ihr lieben durfte. Augusta duldete keine andere Frau neben sich. Eddie und seine Familie lebten als hart arbeitende Farmer in den 40er und 50er Jahren im bäuerlichen Wisconsin. Eddie lernte, dass alle Frauen böse waren. Den Hinterkopf seines Bruder starrte er eines Tages lange an, zu lange. Mit einen schweren Knüppel in der Hand, mit Hilfe dessen der Halbwüchsige die Flammen ausschlagen wollte. Als das Feuer das verdorrte Feld mit Viefutter vernichtete. Später fand man Eddies Bruder tot am Rande der Flammen.
Ein großer Teil Eddies verstarb mit der Mutter, an der er so stark hing, die er bis in ihren Tod liebevoll pflegte.
Eddie wollte ANDERS sein, so wie seine Mutter. Genau so. Solch eine starke, kräftige Frau.
Earle Leonards Eltern starben 1898 beide an der Syphilis, als Earle noch ein Kleinkind war und von seiner Tante aufgenommen wurde. Einen Teil seiner Erziehung übernhm die strenge Großmutter. Earle war immer anders. Er konnte nicht essen. Er starrte in die Wolken, als sähe er in ihnen bewegte Bilder. Manchmal lauschte er stundenlang in die Stille, lächelte von Zeit zu Zeit, nickte oder schüttelte mit böser Miene den Kopf.
Earle lernte Lesen und Schreiben, aber er wurde von seinen Mitschülern nie als einer der ihren akzeptiert. Er war intelligent und sollte später die heilige Schrift studieren und wörtlich zitieren können. Aber ein Merkmal an ihm war das wohl Absonderlichste und keine ERziehung vermochte es, ihm dies aus zu treiben. Seine Essgewohnheiten. Er benutzte niemals Messer oder Gabel. Auch als er ls erwachener Mann durch die Staaten und Kanada zog, aß er so seine Mahlzeiten: alles kleingeschnitten in eine Schüssel gefüllt, aufgegossen mit Öl. Earle senkte seinen Kopf in die Schüssel und fraß daraus wie ein Schwein.
Noch als Junge erwischte ihn eine Straßenbahn und Earle wurde schwer am Kopf verletzt. Er war rastlos, getrieben. Und lauschte stets den Stimmen … saß mit aufgerissenen Augen stundenlang im Regen und betrachtete sich die Bilder, die Gott dort für ihn abspielte. Er ermordete als „The Gorilla Murderer“ auf bestialische Weise 27 alleinstehende Frauen und wurde Amerikas erster „mobiler“ Serienkiller. Er wurde 1928 gehängt. Seine letzten Worte waren: „Ich vergebe allen, die mir Unrecht angetan haben.“
Jesse war abenfalls anders als die anderen Jungen in seiner Klasse. Er kam aus ärmlichen Verhältnissen. 1859 wurde er als Sohn eines brutalen Säufers, der ihn und seine Geschwister oft ge- und missbrauchte. und später sollten sich seinetwegen die Gelehrten, die „Alienists“, die psychiater ihre Mäuler zerreißen. War etwas dran am platonischen „Bösen“, das in einem hässlichen Menschen wohnte??
Jesses Kopf war zu groß für seinen Körper (der überdies auch noch größer als der seiner Altersgenossen war). Sein Mund war übermäßig breit und sein linkes Auge von einem abschreckenden, weißlichen Schimmer eines weit fortgeschrittenen grauen Stars verhüllt.
Jesse jagte allen Angst ein. Den Kindern, wie den Eltern.
Niemals konnten sich die Pomeroys kleine Haustiere leisten. Nicht wegen des Geldes, sondern weil jedem Tier, kaum dass es in der Wohnung war etwas Furchtbares zustieß. Jesses Mutter wusste, dass ihr Sohn etwas damit zu tun hatte. Ihr kleiner Jesse, den sie später mit der Kraft einer Löwenmutter verteidigen sollte, quälte jede Kreatur, die ihm zwischen die Hände kam. Und schnell wurde er der Tiere überdrüssig …
Jesse Pomeroy widmete Krafft Ebing in seinem psychiatrichen Standardwerk der Jahrhundertwende „Psychopathia Sexualis“ ein kleines Kapitel. (Ebensi wie wir hier demnächst.)
Hermans Kindheit war eine gute, ehrliche Erziehung in den protestantischen Städtchen von New England. Der kleine Herman war wie alle. Ein liebes Kind. Eines Tages schnappten ihn sich einige größere Jungs aus der Nachbarschaft und erlaubten sich einen kleinen, aber vielleicht nie wieder gut zu machenden Scherz mit ihm
Sie stülpten ihm einen dunklen Sack über den Kopf und sagte, dass sie ihn in die Hölle bringen würde. Der kleine Herman Mudgett kämpfte und strampelete, aber es half nichts. Die Jungs brachten ihn heimlich in das Sprechzimmer des Dorfarztes, der gerade unterwegs war. Sie schlossen die Läden und Vorhänge dass nur noch wenig Licht in das Zimmer fiel und eilten davon, den kleinen Herman alleine lassend.
Das erste was Hermann zu sehen bekam, nachdem er sich den Sack vom Kopf gezogen hatte, war das bleiche Skelett, dass der Arzt zu Anschauungszwecken in seiner Praxis stehen hatte. Herman war sich sicher: er war in der Hölle.
Ob dies der Grund war, dass er später seinen Namen in Holmes umänderte und ein exquisites Interesse an der Medizin, vor allem aber an Skeletten entwickelte, weiß niemand. Dr H.H. Holmes und sein „Castle of Horrors“ gehört seitdem zum finstersten Kapitel mörderischer Raubtiere.
Myra wurde 1942 im industriellen Manchester geboren. Das kleine Mädchen hatte eine angenehme Kindheit, umsorgt von seinen Eltern und der liebevollen Großmutter. Anfangs als recht „reif und sensibel“ eingeschätzt, wurde Myras schulische Beurteilung immer schlechter. Ein Grund war sicherlich die grenzenlose Nachsichtigkeit der Großmutter, dem Kind bei jeder Kleinigkeit zu erlauben, der Schule fern bleiben zu dürfen.
Dennoch wurde die junge Mira Hindley ein erwachsenes, ernstes und viel gelobtes Mädchen, das in der Nachbarschaft als Baby Sitter einen guten Ruf hatte. Im
Alter von 15 Jahren ertrank ihr 13 Jahre alter Freund bei einem Badeunfall. Sie liebte den Jungen wie einen kleineren Bruder und war überzeugt, dass diese fürsorgliche Liebe ihr Leben lang anhalten würde
Von da an legten sich die Schatten von Deppression und Melancholie über ihre Seele. Nach und nach fühlte sie, dass sie kaum in eine bürgerliche Rolle als Ehefrau und Mutter passen würde. Nach Amerika wollte sie gehen. Als Kindermädchen
Im Januar 1961 traf sie den jungen Ian.
Der junge Ian hatte eine weit weniger behütete Kindheit. Er wurde 1931 in dem wüstesten Slum von Glasgow geboren. Sein Vater starb noch vor seiner Geburt und seine Mutter schaffte es nicht, ihn alleine zu versorgen und gab ihn schließlich an Pflegeeltern, den Sloanes, ab. Immer wieder kam sie zu Besuch, heiratete aber Patrick Brady und zog mit ihrem neuen Mann, nach Manchester. Ihr Sohn hatte seitdem den Namen Ian Brady.
So sehr sich die Sloanes auch mühten, der junge Ian fühlte sich nicht dazu gehörig und oft erwischten sie ihn, wie er in Verzweiflung mit dem Kopf auf den Fußboden schlug. Ian war intelligent, aber nicht besonders sportlich oder mutig. Seine Schulkameraden riefen ihn „Sissy!“.
Eines Tages, nachdem er mit seinen Brüdern im Wald stromern war, bestand er drauf, alleine nch Hause zu gehen. Das kennzeichnete eine Wende. „Sissy“ schaffte es! Mehr noch: seitdem fühlte er sich stark und mächtig. Er nannte sich „Herr“ oder „König.“
Ian wurde merkwürdiger. Während des 2. Weltkriegs liebte er es, die Role des DEUTSCHEN in den Spielen der Kinder zu übernehmen. Er begann früh zu rauchen und zu rebellieren. Recht früh las er Dostojewski, Nietzsche und – „Mein Kampf“. Er wurde besessen vom Ideengut des Nihilismus und der Nazis.
Der Rebell wurde kriminell, beging Raubüberfälle, Diebstähle, Körperverletzungen und wanderte von einer Besserungsanstalt zur anderen und schließlich ins Gefängnis.
Dann traf er Myra. Seine verchlossene, mürrische Art wirkte auf sie „geheimnisvoll“ und anziehend. Je mehr sie sich in ihn verguckte, um so weniger Interesse zeigte er.
Dennoch: Brady wurde der erste Mann in ihrem Leben. Und ihr einziger.
Heute lebt Ian Brady seit 40 Jahren in einem englischen Gefängnishospital und wird zwangsernährt, weil er sich zu Tode hungern wollte. Er wurde, gemeinsam mit der (2000 im Gefängnis gestorbenen) Myra Hindley zu Englands widerwärtigsten Killerpaar. Die Kinderquäler und -mörder „The Moors Murerers“. Er wird niemals wieder einen Fuß in die Freiheit setzen. Myras und Ians Verbrechen waren so grauenhaft, dass wir ihnen hier bald ein Kapitel widmen werden.
… wird fortgesetzt