Edward Gein
2 (?) Opfer

The Wisconsin Ghoul

Die meisten von uns kennen Ed Gein. Ed Gein (Althoug the spelling of Gein would lead one to believe that the name rhymes with „fine“ it is actually pronounced with a long e, as in fiend [Dämon] Harold Schechter) ist der (Psycho)-Pate von vielen bekannten Krimis oder Splatter Movies. Ohne Gein kein „Texas Chainsaw Massacre“ oder „Psycho“ (Der Autor Robert Bloch wohnte damals -1945- nicht unweit von Plainfield.) Gein stand auch Pate für den transsexuellen Frauenkiller „Buffalo Bill“, den Jody Foster in „Das Schweigen der Lämmer“ jagte. Etlich Horror-Comics und B-pictures bezogen ihre Inspiration aus den unglaublichen und perversen Geschehnissen, die damals ans Licht der Weltpresse traten.

Und auch für die USA, die sich nach dem Krieg ihren „Way of Life“ zurecht träumten, waren die Ereignisse um Gein eine Art Schock, den die meisten bis heute nicht überwunden haben. (Und in der Tat wird Gein die Psychen der Menschen, der Künstler, Maler, Schriftsteller und Filmemacher auch weiterhin beeinflussen.)

Alles begann, als die Familie Gein, Vater, Mutter und zwei Söhne, deren jüngster klein-Eddie war, aus dem für die religiös fanatische Mutter Sündenpfuhl La Grosse in das ländliche Örtchen Plainfield zog. Aber für die religiös bereits psychotische Mutter war sogar das kleine, bäuerliche Örtchen nicht sündenfrei genug und so beschloss sie, mit ihrer Familie auf eine kleine Farm, eine Meile außerhalb des Ortes zu ziehen.
Augusta Gein war nun die Matriarchin der Familie und alle anderen Mitglieder traten einen langen und harten Kampf als Farmer an, den sie sukzessive verloren.

Eddie war fasziniert von seiner Mutter. Der Junge fand in ihr und ihren biblischen Geschichten eine Art seelischen Heimathafens. Und nicht nur ihre bestimmende Art machte ihn von ihr abhängig, sondern auch die Tatsache, dass sie eine Frau war.

Eddie wollte einmal so werden wie seine Mutter.

Im Jahre 1944 starben Eddies Vater und Bruder. Bis heute wird spekuliert, ob Eddie den größeren Bruder bei einem Feldbrand hinterrücks erschlagen hatte, um der alleinige Liebling von Mama Gein zu werden. Es ist nicht beweisbar.

Armut und Elend war über die kleine Farm, mit dem Schuppen hereingebrochen. Bis zu ihrer Zerstörung sollte die Farm weder an das Kanalisationssystem noch an die Elektrizität angeschlossen sein. Mama und Söhnchen lebten ein kleines, bescheidens, zurückgezogenes Leben. Eddie arbeitete als Handwerker und Gelegenheitsarbeiter. Und obwohl er ein freundlicher, netter, wenn auch wortkarger Mann war, brachte er nie ein Mädchen mit nach Hause. Er blieb Junggeselle und sein Wesen veränderte sich mit dem Tode der abgöttisch geliebten (und gefürchteten) Mutter im Jahre 1945. Eddie war bei ihrem Tode gerade 39 jahre alt.

Er verschloss das Zimmer seiner Mutter und hegte es fortan wie eine Art religiöser Schrein.

Der Rest des Hauses verwandelte sich mit den Jahren jedoch in ein chaotisches Gewühl aus Abfall, Schmutz und – Schlimmerem.

„Viele von uns kennen junge Männer, die gemeinsam mit ihrer Mutter ein klein wenig außerhalb des Ortes wohnen, ein zurückgezogenes Leben führen und zuweilen in ihrem Verhalten etwas kauzig sind“ (Harold Schechter).

Gein war kauzig. Die Einwohner von Plainfield fanden den kleinen, sehnigen Mann zwar ein wenig „aus der Spur“, mochten ihn aber dennoch gerne, so gerne, dass sie ihn sogar zuweilen als Babysitter engagierten. Und er erledigte jeden Job zur vollkommenen Zufriedenheit. Einige Familien luden den einsamen Junggesellen an Feiertagen zum Essen ein und niemand hatte auch nur den geringsten Grund, in ihm den womöglich anscheulichsten, sicher aber nachhaltigsten Verbrecher des 20. Jahrhunderts zu sehen.

Die Kinder aus Plainfield schlichen manchmal, in hellen Vollmonnächten zur Farm Geins. Sie dachten, dort spuke es, das Haus werde vom Geist von Geins Mutter heimgesucht. Sie konnten Eddie zum Glück niemals dabei beobachten, wie er nachts hinter dem Haus dem vollen Mond seine Arme entgegenstreckte. Das Gesicht bedeckt mit dem getrockneten Fleisch eines Frauengesichts, das er sich vorher aus dem Friedhof besorgt hatte, seine Weste, ein zusammengenähtes Gewand aus Frauenhäuten, um seine Taille eine, aus einer Leiche herausgeschnittene Vagina und einen Gürtel aus einer Unzahl miteinander vernähter weiblichen Brustwarzen, die er bei seinen vielen nächtlichen Besuchen dreier Friedhöfe erbeutet hatte.

Die Kinder dachten, er sei ein Sammler von unheimlichen Dingen, die Piraten in der Karibik erbeutet hatten. Unter anderem zeigte Eddie ihnen einige zusammengeschrumpfte Frauenköpfe, „echte Schrumpfköpfe aus der Karibik!“.

Ed Gein lebte nach dem Tode seiner Mutter das morbide, wahnerfüllte, gehetzte Leben eines transsexuellen, von Schmutz besessenen Nekrophilen. Er war jenseits jeglicher Vernunftsgrenze, besessen von allerlei Nazi-Literatur (vor allem der Lebenslauf von Ilse Koch, in Amerika „The Bitch of Buchenwald“ genannt, hatte es ihm angetan: sie hatte Möbel mit menschlicher Haut bespannt und aus ebensolcher Lampenschirme hergestellt). Geschichten über wahre Verbrechen faszinierten ihn (wie die meisten perversen Soziopathen und Serienkiller) und „Erlebnisberichte“ über Kannibalismus in der Südsee, aber auch Berichte über den Fortschritt in Sachen chirurgischer Geschlechtsumwandlung, denn Eddie wollte eine Frau sein.

1954 erschoss Gein die etwas über 60 Jahre alte Mary Hogan, eine Wirtin, die viel für den kleinen Junggesellen übrig hatte und deren wuchtiges Äußeres an seine Mutter erinnerte. Die Untersuchung nach dem Mord führte ins Nichts. Nicht einmal eine Leiche wurde gefunden. Bereits im Jahre 1952 wurden zwei Jäger, die in Plainfield einen Zwischenstopp machten, vermisst. Niemand sah sie jemals wieder. Ihr Verschwinden konnte nie mit Ed Gein zusammengebracht werden.

Blut, Knochen, Gedärme und Tod – das alles war für das ländliche Plainfield nichts neues. Jedes Jahr im Herbst wurde die Jagdsaison eröffnet, und fast alle männlichen Einwohner des Ortes erlegten, was ihnen vor die Flinten kam. Abends rollte dann eine Karawane aus Buicks und Trucks in das Städtchen, vollbepackt mit erlegtem, blutigem Wild. Als Junge schon, hielt Eddie nicht viel vom Jagen. Es sei ihm zu blutig und die Tiere täten ihm leid, hatte er einmal gesagt.

Im Winter 1957 besuchte Gein das Eisenwaren- und Waffengeschäft von Bernice Worden. Kaum ein Mann war an diesem verschneiten Tag im Dorf. Alle auf der Jagd in den Wäldern. Eddie besah sich ein Jagdgewehr, Kaliber 22.
Er lud eine Patrone, ohne dass Bernice nervös wurde. Eddie hätte noch so viele von denen zu Hause und er wollte nur mal sehen, ob sie auch passten.

Dann drückte er ab und schoss Bernice Worden mitten in die Stirn. Er schleifte die tote Frau zu seinem Wagen, legte sie hinein und fuhr damit zu seinem kleinen Gehöft.

Am selben Tag wurde Bernice in ihrem Laden vermisst. Eine Blutspur führte die Polizei zum Hintereingang, wo sie Spuren eines Wagens vorfanden. Sie folgten dem Wagen durch den Schnee, bis sie schließlich bei Ed Geins Haus ankamen. In der Scheune bot sich den Beamten ein schreckliches Bild. Bernice Wordens Leiche hing nackt and den Füßen aufgehängt an den Deckenbalken. Sie hing da, wie man in der Region allgemein ein Reh oder einen Hirschen zum Schlachten aufhängt. Der Kopf war abgeschnitten und die Organe entnommen. Durch die Ohren des Kopfes waren Nägel geschlagen worden, die an einer Holzleiste angebracht war, genau so, wie man Tierschädel nach der Jagd für Trophäen vorbereitet.

Im Haus selbst entdeckten die Polizisten im Schein einer Kerosinlampe eine verrottende Halde an menschlichen Überresten. Ohne zu übertreiben: Ed Gein war ein menschlicher Ghoul, ein Wort das aus dem arabischen kommt und Geist oder Leichenfresser bedeutet.

Das ganze Haus war voller Müll, Kartons, leeren Konservenbüchsen und anderem Unrat. Überall fanden sich Zeitungen, Crime-Magazine (sog. Tabloids oder Pulps), Lumpen und Lebensmittelüberreste. Es sah so aus, als wäre Gein wöchentlich einmal auf die Müllhalde gefahren, aber nicht, um seinen Müll dort abzuliefern, sondern um sich neuen für zuhause zu beschaffen.
Es war unmöglich, sich vorzustellen, dass ein Mensch in diesem Drecksloch wohnen,essen und schlafen konnte.

Im krassen Gegenteil dazu fanden sie das Zimmer von Eddies Mutter: es war sauber und aufgeräumt, gerade so, wie sie es hinterlassen hatte!

Und dann gab es noch die Dinge, die eine ganz klare Sprache des Wahnsinns und der mentalen Degeneration sprachen: Eine Kaffeebüchse vollgestopft mit alten, zerkauten Kaugummis oder das Waschbecken in der Küche, angefüllt mit Sand. Aber es kam schlimmer:

Da gab es eine merkwürdig aussehende Suppenschüssel, haarig, wie eine halbe Kokosnuss. Bei näherem Betrachten stellte sie sich als menschlicher Schädel heraus (aus dem Eddie die ganze Zeit über seine Büchsensuppen gegessen hatte). Es lagen noch weitere solcher „Suppenschüsseln“ herum, wie auch etliche Totenschädel von denen zwei Stück die Bettpfosten in Geins Schlafzimmer schmückten. Ein geflochtener Stuhl erregte Aufsehen. Nach näherer Betrachtung sah man, dass die Sitzfläche mit Menschenhaut geflochten war, an deren Unterseite noch Lappen von gelbem Fett klebten. Man fand vier solcher Stühle.

Geins derangiertes Wohnhaus war nicht nur ein Schlachthaus, sondern auch die Werkstatt eines kranken, aber geschickten Geistesgestörten. Die Beamten arbeiteten sich durch den Müll des Hauses und fanden Lampen, mit menschlicher Haut bespannt, Halsketten aus Frauennasen, eine Weste aus Frauenhaut, Brüste in verschiedenem Stadium der Trocknung bzw. Verwesung. Später fanden sie noch einen Gürtel der aus weiblichen Brustwarzen gefertigt worden war , sowie eine Jalousie, die Gein mit Frauenlippen geschmückt hatte.

Auf die Frage, woher er das alles hätte, sagte Gein schlicht:“ Vom Friedhof!“

Der Höhepunkt aber war wohl der Schuhkarton, angefüllt mit Unmengen getrockneter oder mit Silberbronze bemalter weiblicher Genitalien. Einige von ihnen waren mit Pökelsalz bestreut.. Sie fanden Büchsen mit abgeschnittenen Nasen oder Skalps. So absurd es sich anhört: vieles von dem, was gefunden wurde, war dazu bestimmt, Edward Gein als Kleidung zu dienen, so auch die „Leggins“ aus der Haut von vier paar Frauenbeinen. Es war seine eigene Form der Geschlechtsumwndlung.

In Eddies Schlafzimmer fanden sie die abscheuliche Sammlung von neun Frauengesichtern, die an der Zimmerwand hingen. Hier mochte sich Eddie, in seinem mit Menschenschädel dekoriertem Bett in den Schlaf gewiegt haben. Einige der abgezogenen Gesichter waren mumifiziert, andere wieder sehr sorgfältig mit Öl behandelt. Eine große Papiertüte, die die Polizisten fanden, war vollgestopft mit Menschenhaaren, an denen noch Teile der Kopfhaut klebten. Einer der Polizisten holte aus einer Tüte ein vertrocknetes Bündel und hielt es entsetzt ins Licht einer Taschenlampe. Sein Partner schrie aus: „Mein Gott! Das ist ja Mary Hogan!“

Es begann natürlich eine Jagd nach weiteren Trophäen auf Geins Grundstüc, wo auch eine Abfallgrube voll mit menschlichen Überresten gefunden wurde.

Journalisten und Gesetzeshüter überfluteten das Grundstück, das schnell zu einer landesweiten Attraktion wurde (noch heute werden Teile des Hauses im Internet zum Verkauf angeboten). Psychologen stürzten sich auf Eddie Gein, den kleinen, unscheinbaren Mustergefangenen, der schuldunfähig gesprochen wurde, und den Rest seines Lebens in einer Geistesanstalt verbrachte. Er war freundlich und hilfsbereit und sehr geschickt im Basteln und Nähen.

Gein der nette, freundliche und bescheidene Superstar starb 1986 in einer Geistesanstalt.

Zuerst öffnete man auf den drei in Frage kommenden Friedhöfen einige Gräbder, um die Fundstücke aus Geins Haus in Beziehungen zu den Bestatteteningen bringen zu können, aber bald war klar, dass man, um endgültige Klarheit zu schaffen, fast alle Gräber hätte öffnen müssen, worauf die Gemeinden schließlich verzichteten.

Nachdem sich die Nation vom Schock erholt hatte -Amerikas „schöne neue Welt“ hatte eine hässliche Beule bekommen, die bis heute noch nicht überwunden ist – tat man das, was manchmal den schieren Horror ein wenig vertreibt: Man macht Witze über das Unaussprechliche. In Geins Fall gab es unzählige Verse und Witze, sogenannte „Geiners“:

Warum musste Ed Gein immer die Heizung voll aufdrehen?
Damit seine Möbel keine Gänsehaut bekamen.

Warum wollte niemand mit Eddie Karten spielen?
Na, weil er eine „gute Hand“ haben könnte“

„There once was a man named Ed, who wouldn’t take women to bed.
When he wanted to diddle, he cut out the middle and hung the rest in the shed“.