Gilles de Rais
140 ++ (400) Opfer


„Item, dass ungefähr zur selben Zeit [Als Gilles sich in der Diözese Nantes befand] der [..]genannte André Buchet aus Vannes im Hause eines gewissen Jean Lemoine in der Nähe des Bischofspalais‘ zu Vannes au0erhalb und in der Nähe der Stadtmauern dem Gilles einen ungefähr zehn Jahre alen Knaben, den Sohn von Jean Lavary, vom Markt in Vannes zuführte; mit welchem besagter Angeklagter [Gilles de Rais] die Sünde der Sodomie beging, bevor er ihn tötete und während er ihn sterben sah; und er missbrauchte diesen Jungen in schändlicher und unanständiger Weise und tötete ihn anschließend grausam im Hause eines Nachbarn namens Boetden, und nachdem er ihm den Kopf abgeschnitten und behalten hatte, ließ er den Leichnam dieses also massakrierten Jungen in die Latrinen des Hauses des besagten Boetdens werfen.“

Als Gilles de Rais im Jahre 1431 seine letzte Schlacht als Ritter der französischen Krone gegen die Engländer schlug, starb seine Mitstreiterin und Vorgesetzte „Jeanne d’Arc“ bereits auf dem Scheiterhaufen auf dem Marktplatz von Rouen.

Obwohl Jeanne die Franzosen geschlossen hinter Karl gebracht und die englische Hoffnung auf die Vorherrschaft in Frankreich zunichte gemacht hatte, war Karl gegen eine Fortsetzung des Krieges mit England. Jeanne ging daher 1430 ohne königlichen Beistand bei Compiègne gegen die Engländer vor. Sie wurde von burgundischen Soldaten gefangen genommen, die sie an ihre englischen Verbündeten verkauften; die Engländer wiederum lieferten Jeanne an Rouen aus, wo sie wegen Ketzerei und Hexerei vor ein geistliches Gericht gestellt wurde. Der französische Hof unternahm nichts zu ihrer Rettung.
Nach 14 Monaten peinlicher Befragung überführte man sie der „Sünde“, Männerkleidung getragen zu haben; als ketzerisch wurde ihr Glaube eingestuft, sie sei nur Gott allein und nicht der Kirche gegenüber verantwortlich. Das Gericht verurteilte sie zum Tod, doch Jeanne gestand und die Strafe wurde in lebenslängliche Haft umgewandelt. Dann aber widerrief sie ihr Geständnis, wurde an ein weltliches Gericht ausgeliefert und am 30. Mai 1431 als rückfällige Ketzerin auf dem Marktplatz von Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Gilles, zum kämpfenden Ritter erzogen, sah sich nach den Kriegswirren im Alter von 27 Jahren von Frankreichs Karl VI. mit der höchsten militärischen Ehrung Frankreichs konfrontiert: Er wurde zum „Marshall von Frankreich“ benannt. Aber es gab eine Konfrontation, die den jungen und mental völlig derangierten Edelmann weit mehr herausforderte, als Geld und Ehre (in der Tat galt der Sire de Rais damals als reichster Mann Europas): den Verlust des Tötens.

Bevor der Herzog der Bretagne unter dem Kopfnicken des Bischofs von Nantes dem Adligen den Garaus machen konnte, kam es zu einem kirchlichen Prozess aus deren Akten wir untenstehende Ausschnitte veröffentlichen. Das Protokoll vom 13. Oktober 1440 schildert in gnadenloser Detailtreue die widerwärtigen Taten des Gilles.

Nachdem Gilles 2 Tage nach Prozesseröffnung vor dem Bruder des Großinquisitors alles gestand und versprach, sich zu läutern und zu diesem Zweck eine Pilgerfahrt nach Jerusalem ans Heilige Grab zu unternehmen, wurde ihm schriftlich Ablass und Vergebung gewährt

Gilles de Rais, der Blaubart des ausgehenden Mittelalters, der Werwolf, Teufelsbeschwörer, der ausschweifende, wilde unzähmbare Wüterich, der nur mit Jeanne d’Arc geritten war, weil sie so aussah wie ein 13jähriger Knabe, war wieder frei.

Frei, um weiterhin zusammen mit seinen Mitverschworenen Gilles de Sillés, Roger de Briqueville, Henriette Griart, Etienne Corrilaut (genannt Poitou), Andre Bouchet, Jean Rossignol, Robin Romulart, „einem gewissen Spadine“ das zu tun, was ihnen wirklich Spaß und sexuelle Erleichterung verschaffte: Das Vergewaltigen, Foltern, Morden und Zerstückeln von kleinen Kindern, vornämlich Knaben.

Wäre Gilles de Rais nicht so dermaßen arrogant gewesen und hätte nicht das komplette Vermögen seiner Familie im Spiel und ausschweifenden Saturnalien durchgebracht, wäre es bei dem Ablass geblieben, denn der Tod von (manche reden von bis zu 400) Bauernkindern, war an sich noch kein Grund, den Marshall von Frankreich zu schassen.

Aber Gilles trieb es zu weit. Er hatte eines seiner Schlösser an die Kirche verkauft, und wollte er es im Handstreich wieder für lau zurückerobern. Dabei folterte er den neuen Portier, bei dem es sich um einen Kleriker handelte. Zu einem weiteren Akt der Ungnade kam es als
„XLII. Item, besagter Gilles de Rais vor zwei Jahren in gottloser Weise und trotz der Furcht vor Gott mit mehreren seiner Komplizen gewagt hat, bewaffnet und auf wilde, tollkühne Art in besagte Gemeindekirche Saint-Ètienne-de-Mermorte in der Diözese Nantes einzudringen; dass er in wahnwitziger Weise Gewaltmaßnahmen gegen einen gewissen Jean le Ferron, Geistlichen aus Nantes, ergriffen hat; er legte Hand an ihn und veranlasste solches von anderen; er ließ den besagten Geistlichen gewaltsam von einem gewissen Lenano, Marquis de Ceva, Lombarden, und von anderen seiner Gefährten jagen und vertreiben; dann ließ er ihn tage- und monatelang sowohl in besagtem Schloss Saint-Ètienne-de-Mermorte wie auch in Schloss Tiffauges, wo er gefangen gehalten wurde, an Händen und Füßen gefesselt, einkerkern; und dass besagter Angeklagter Gilles, als er die Immunität der Kirche verletzte, sich dem Urteil der Exkommunikation aussetzte.“

Das war zuviel. Man ließ Gilles abermals verhaften und er wurde (trotz seiner vorherigen Wideraufnahme in den Schoß der Kirche) am 26. Oktober 1440 zugleich verbrannt und erhängt.

Was aber war der Motor, der den Marshall so ticken ließ? Manche sagen, er wäre so geworden, nachdem der Krieg zu Ende gegangen war und er seine perversen Gelüste nicht mehr durch das Morden von Engländern befriedigen konnte. Aber vielleicht war er nur die Frucht der berühmten bösen Saat, gelangweilt, dekadent und reich.

Als solcher tötete er nicht nur Hunderte von Kinder, die er in einem Turm seines Schlosses Machecoul verrotten und teilweise verbrennen ließ. Man warf ihm vor,

…dass diese Kinder von ihnen auf unmenschliche Weise gewürgt, getötet, dann zerstückelt und verbrannt und im übrigen auf schändliche Weise gequält worden seien; dass besagter Angeklagter Gilles de Rais die Leichen dieser Kinder in verdammenswerter Weise bösen Geistern geopfert habe, und dass Gilles mit besagten Kindern, Knaben wie Mädchen, einmal während sie noch lebten, ein andermal nach ihrem Tode und zuweilen während sie starben, in grässlicher und niedriger Weise die Sünde der widernatürlichen Unzucht getrieben habe, wobei er bei den Mädchen die natürliche Leibesöffnung verschmähte…“

[…]

Item, dass in Anbetracht besagter Verbrechen, Ausschreitungen und Delikte, die er böswillig begangen hat, besagter Gilles de Rais von oben genannten Autoritäten die Stafe der Exkommunikation und die anderen bekannten Strafen herausgefordert hat, die für dergleichen vermessene Menschen vorgesehen sind, wie es die Wahrsager, die Hexenmeister, die Beschwörer böser Geister, […]die ihre Zuflucht zu unerlaubten und widergesetzlichen Künsten nehmen […], dass er außerdem der Ketzerei verfallen, rückfällig geworden ist …

Unter den vielen Gräueltaten, darunter das Beschwören eines Teufels „mit dem Namen Barron“ , unter Zuhilfenahme „des Herzes, einer Hand und den Augen eines Knaben“ mochte Gilles es auch, sich an ausgeweideten Schwangeren bzw. deren Föten zu vergehen und dürfte daher als Extrem-Päderast in die Geschichte der menschlichen Monster eingehen.

Nachweisen konnte man ihm „140 oder mehr Kinder, Knaben wie auch Mädchen [die er]auf meuchlerische, grausame, und unmenschliche Weise tötete, wobei er sich Unmenschliches und Grauenhaftes zuschulden kommen ließ,[…] umso mehr, dss besagter Gilles de Rais, die Glieder der Unschuldigen den bösen Geister opferte,; mit ihnen vor und nach ihrem Tode und auch während sie im Sterben lagen,[..] beging er die abscheuliche Sünde der Sodomie, die den Himmel besudelt, und er missbrauchte sie auf eine der Natur entgegengesetzte Weise zur Befriedigung seiner unerlaubten und verdammenswerten Fleischeslust; und dann verbrannte er die Leichen dieser unschuldigen Knaben und Mädchen an denselben Orten, oder er ließ sie verbrennen von besagtem Gilles de Sillé, Henriet Griart, und Poitou, und ließ ihre Asche in die Gruben und Gräben besagter Schlösser und in die Kloaken des Hauses La Suze, in dem er residierte, werfen.

Man war sich sicher, dass (aufgrund der Entvölkerung der Region) mindestens 400 Kinder von ihm und seinen Spießgesellen getötet worden sind.

Heute noch finden sich unter den Adepten Aleister Crowleys und ähnlicher Freaks jede Menge Leute, die meinen, Gilles wäre ein großer Mystiker und Magier gewesen, dem man die Verbrechen von kirchlicher Seite zu Unrecht in die Samtschuhe geschoben hätte!

Den beeindruckendsten Bericht dieses Lebens jenseits der Menschlichkeit lieferte Joris K. Huysmans in „Tief unten“.