Dean Corll
28 ++ Opfer

The Candyman

„Das Reich der grenzenlosen Möglichkeiten wird von jedem herbeigesehnt, aber nur von wenigen in die Tat umgesetzt und als Normalität akzeptiert, während der Rest nur davon träumen kann.“ Dean Corll beim Militär

Ian Brady, schottischer Kinderfolterer und Serienkiller über den Fall Dean Corll.

Es ist kein Zufall, dass sich der schottische Kinderkiller Ian Brady (er tötete, vergewaltigte und folterete in den 60ern gemeinam mit seiner mittlerweile verstorbenen Freundin Myra Hindley mehere Kinder) dem Serienmörder Corll einen so großen Abschnitt in seinen Publikationen widmet. Ein Dämon erkennt den anderen an dessen Lust.

Corll, obwohl heutzutage kaum noch bekannt, starb wahrscheinlich zu früh um den Bekanntheitsgrad anderer Serienmörder zu erreichen. Und in der Tat: seine Geschichte beginnt mit seinem Tod. Und Corll hatte niemals die Gelegenheit einem Psychiater oder Polizisten oder auch nur seinem Henker, die ganze Geschichte zu erzählen, wieso er das tat, was er getan hatte.
Wahrscheinlich hätte er es genauso wenig erklären gekonnt wie John Wayne Gacy, welcher, laut Brady, von dem Fall Corll in den 70ern inspiriert wurde.

Alles beginnt damit, dass der 18jährige Elmer Wayne Henley in der Nacht vom 8. August 1973 das Polizeirevier Pasadena in Houston, Texas anrief. Er erzählte etwas von einem Mord, von etwas ganz Entsetzlichem. Man solle so schnell wie möglich auftauchen, mit allem was man hat! Für Henley sollte dieser Anruf das Ende seines Lebens als freier Mann bedeuten.

Henley und sein 17 jähriger Freund Tim Kerley waren zu einer Leim-Schnüffel Party eingeladen, die der 43 jährige Elektriker und Ex-Süßigkeiten Verkäufer Dean Corll regelmäßig für sich und viele seiner – meist noch minderjährigen – Freunde schmiss.

Diese Nacht war etwas Besonderes. Der Vater der 15 jährigen Rhonda Williams war betrunken und sie saß verzweifelt in ihrem Zimmer, dem tobenden Kerl seit dem Tode ihrer Mutter schutzlos ausgeliefert. Aber da klopfte es, weit nach Mitternacht, an ihr Fenster. Draußen standen ihr Bekannter Elmer Henley mit einem Freund und luden sie auf eine „Bier-Leim-und-Pot-Party“ ein.
Sie schlich sich aus dem Fenster und verschwand mit den Jungs.

Gegen 3 Uhr morgends trafen die drei Jugendlichen bei dem bereits vollgekifften Corll ein. Etwas stimmte nicht. Corll wurde wütend, nahm Henley beiseite und rastete wegen des Mädchens aus. Dean Corlls Haus in Houston

Corll mochte nur Jungen.

Henley konnte ihn schließlich davon überzeugen, dass man schließlich auch mit dem Mädchen seinen Spaß haben könnte.
Aber Corlls Augen blieben Schlitze.

Man trank Bier, rauchte Dope und schnüffelte Leim. Die Kinder waren schnell bewusstlos.

Als Henley aufwachte, konnte er sich nicht bewegen. Er hatte mörderische Kopfschmerzen und sah sich stöhnend um. Oh, er kannte das Zimmer, in dem er sich befand. Es war Corlls Schlafzimmer, das mit Plastikplanen an den Wänden und auf dem Boden bereits vorbereitet worden war. Irgenwas war schief gelaufen. Mächtig schief. Es war vielleicht Eifersucht? Sein Kumpel, der 18 jährige David Brooks, war seit seinem 14. Lebensjahr Deans Lover. Vielleicht hatte David Dean überreden können, ihn umzubringen …

Henley wusste, dass er auf dem zwei Quadratmeter großen, mit dem Blut seiner vielen Vorgänger verkrusteten Holzbrett an Händen und Füßen gefesselt war. Am Boden lagen seine Freunde: gefesselt und verschnürt.

Und vor ihm stand der nackte, besoffene Corll, sein Liebhaber, sein FREUND, verdammte Scheiße, und grinste. Henley wusste, was ihn erwartete. Er kannte den riesigen Dildo, die Messer, die Prügelstöcke. Er kannte den Mann, der einst zusammen mit seiner Mutter einen kleinen Candystore betrieben hatte. Den Mann, der schon immer so generös seine selbsgemachten Bonbons an Jungs verteilt hatte, den „Candyman“.
„Ich bringe dich um, aber zuerst werd ich meinen Spaß mit dir haben“, brüllte Corll. In der Tat war David Brooks am Schicksal Henleys keineswegs schuld, denn Dean war mittlerweile WIRKLICH verrückt nach dem kleinen Henley. Nicht, dass David es nicht trotzdem versucht hätte … aber Dean war nie auf den Vorschlag angesprungen. Nur jetzt … Henley kannte das Gesicht Deans, wie es in diesen, seinen intimsten Augenblicken aussah. Wild, gierig – anders. Würde Dean ihm jetzt bei lebendigem Leib die Eier abschneiden? Wie den anderen????

Dean Corll Henly redete um sein Leben. Er flehte Corll an, das ihn niemand, NIEMAND, in Zukunft mehr so gut mit Frischfleisch versorgen könnte, wenn er jetzt sterben müsste. Verdammt, Dean, wir beide bringen die zwei Kids um, du vergewaltigst den Jungen, während ich mich an die Braut ran mache.

Vielleicht waren es Henleys Überredungskünste, vielleicht das Dope, vielleicht auch die Drohung mit dem Frischfleisch – wer wird es je wissen, warum Corll den Jungen von dem Folterbett befreite und statt dessen seinem Freund Tim mit einem Meser die Kleidung vom Leib schnitt und ihn auf das Brett band.

Während Corll den langsam in einen Alptraum erwachenden Tim brutal vergewaltigte, schnitt Henley seiner Freundin Rhonda, die Kleider vom Leib. Aber er war nicht ganz bei der Sache. Wie würde sich Corll in Zukunft verhalten? Er wollte schließlich sogar ihn, seinen FREUND, umbringen, wie all die anderen zuvor! Er war unberechenbar! Er musste eine Lösung finden. Schnell!

Und dann sah Henley Corlls geladene 22er auf dem Nachttisch. Er wartete nicht lange.
„Hey Dean!“
Corll ließ wütend von dem jungen Tim ab, sah die Pistole in Henleys Hand und rannte auf ihn zu.
Der erste Schuss, direkt in die Stirn, stoppte ihn. Der Rest des Magazins pumpte Henley direkt in Corlls zuckenden Körper.

Die Party war vorbei.

Bald nach dem Anruf tönten die ersten Polizeisirenen.

„Die Leiche liegt da drin“, sagte Henley, der vor dem Haus auf die Cops wartete.

Und die Cops betraten das Alptraumzimmer. Drei Opfer Sie fanden die Folterwerkzeuge, das viele, eingetrocknete Blut, die Leiche Corlls. Mitten in einer ruhigen, gewöhnlichen Mittelklasse-Siedlung stand das Alptraumhaus. Niemand der Nachbarn hatte auch nur das Geringste bemerkt. Aber der Alptraum sollte für sie und die Stadt Houston erst beginnen.

Henley redete und redete. Er saß auf der Wache und erleichterte sein Gewissen. Und während er dies tat, wussten die Cops ziemlich schnell, dass Henley weit mehr als nur ein potentielles Opfer gewesen war. Gemeinsam mit seinem Kumpel David Brooks, Corlls ehemaligem Liebhaber, versorgte er den Sadisten bereits seit vier Jahren mit Jungs. Für ein paar hundert Dollar.

Henley hatte an all dem Spaß gefunden: an den Plastikplanen, an dem Quälen, an der Panik, an den Vergewaltigungen, an den Verstümmelungen bei lebendigem Leib, an den Morden.

Brady sagt dazu, er nenne es die gheimnisvolle „Mechanik einer folie à deux“ und schreibt dazu: „Manche sagen, dass in der Art, die Hitler ein ganzes Volk in seinen Bann hatte schlagen können eine extreme Form dieses ‚Wahnsinns zu zweit‘ hätte sein können. Brady muss es wissen. Er hat es mit seiner Freundin Myra lange genug „ausgekostet“.

Die Polizei grub in ihren Akten und fand so viele ungelöste Fälle von verschwunden Jungs aus ganz Houston. Dean Corll entpuppte sich zu dem schrecklichsten Psychokiller und Sadisten, von dem diese Cops je gehört hatten. Und er hatte die ganze Zeit über mitten unter ihnen gelebt!
Die Befragungen begangen:

All my friends knew him, and my friends’ folks knew him, and they never thought anything [bad] about him They always thought Dean was a good dude. He’d help me; he’d help them, anything.

sagte ein Kollege Corlls.
Es existiert ein Bild von dem erwachsenen Corll: er liegt zusammengekuschelt auf einem Sofa und hält einen Kinder-Teddy, den ihm seine Mum damals geschenkt hatte, liebevoll im Arm. Der Mann auf dem Bild lächelt so süß, als wäre er selbst noch ein Kind, noch jung, so jung wie seine Opfer. Und eine Freundin meinte:

Dean was one of the kindest men I ever knew. If he had something and someone needed it, he’d give it to them. So far as I know, he didn’t have any special hobby, unless it was helping other people

Das alles passte nich zu Corlls Auto, dem Van mit den blutverkrusteten Teppich im Heck und den angeschweißten Handschellen. Und vor allem nicht zu der Aussage Henleys, er und Corll hätten unter einem alten Bootsschuppen, der Corlls Familie gehörte, die Leichen von sehr vielen Kindern begraben. Ausgrabungen am Strand

Mittlerweile wurde ganz Amerika von dem Flächenbrand „Foltermord an unschuldigen Kindern“ erfasst. Und die Presse stürmte Houston.

Die Polizei hatte Schwierigkeiten, die Meute von dem umstellten Bootsschuppen fernzuhalten, als einige vertrauenswürdige Gefängnisinsassen mit dem Ausheben des Bodens begonnen hatten.

Henley und die Cops am Strand Am 13. August, in der glühenden Mittagshitze, stießen sie auf die erste Leiche. Der Gestank war überwältigend. Er reichte bis hinaus zur Pressemeute, er überschwemmte die ganzen USA.

Gasmasken wurden an die Pathologen und die Medical Examiner verteilt, die die Arbeit aber hier übernahmen.

Alles in allem gruben sie die Leichen von 26 Jungen aus. Jede Leiche, so die Gerichtsmedizin, wies Spuren extremer Folter und Verstümmelung auf.Die unterste Leiche war bereits zu einem Skelett verrottet. Aber Henley war noch nicht am Ende seines Geständnisses.

Henley vor seinem Urteilsspruch Er zeigte der Polizei zwei weitere Gräber ganz in der Nähe, am Strand. Und er sagte, dass Corll bereits mitten in seiner Karriere als Kindermörder gewesen war, als sie beide sich kennengelernt hatten. Niemand wird je erfahren, wie viele Kinder Dean Corll vergewaltigt, gefoltert und getötet hatte.
schließlich brach Henley zusammen:

„It’s my fault“, heulte er die Detectives an. „I can’t help but feel guilty, like I done killed those boys myself. I caused them to be dead. I led them straight to Dean.“

Jetzt war Henley am Ende. Das Gericht verurteilte ihn zu 99 lebenslangen Haftstrafen. Die Eltern einiger von ihm getöteter Jungen sind bei jeder Begnadigungsjury anwesend. Er wird nie wieder einen Fuß in die Freiheit setzen.

Beide, Henley und Brooks (zu dem Corll vier Jahre lang eine sexuelle Freundschaft pflegte) wurden im Gefängnis mehere Male missbraucht und vergewaltigt. Beide haben mittlerweile beantragt aus dem Haupttrakt in Einzelhaft verlegt zu werden.

Im Gefängnis malt er seitdem Blumen, Wiesen, Wolken und … Strände. Gemälde von Henley

Was hat Corll zu dem gemacht, was er wurde? Ian Brady meint, eine Hormonstörung in Corlls Kindheit könnte seine perverse Persönlichkeit geformt haben, aber, vielleicht hat er „nur das ausgelebt, was viele von uns wollen“. Wie gesagt, das schreibt ein verurteilter Kindermörder, nicht wir.
Sein Vater hat die Familie früh verlassen, aber Dean wuchs nicht in einem Alptraum auf, wie so viele andere. Nein: er war der „Junge im Zuckerwarengeschäft!“, im wahrsten Sinne des Wortes. Vielleicht konnte er seine Kindheitsträume früher ausleben als wir alle? Lebte Corll seinen Traum der Omnipotenz?
Vielleicht ist er ein Psychopath gewesen, einer, den den Thrill immer wieder und immer heftiger braucht, ein geistegestörter Killer, Opfer seiner Hormone, seiner Neurotransmitter und seiner persönlichen Psychologie. Oder aber er war ein Soziopath, geformt von einer Umwelt. Ein vom Militär geschasster Homosexueller, ausgegrenzt, der sich uf seine eigene Blutreise begeben hatte ….

Brady schrieb dazu: „Corll war kein Psychopath, aber ein Psychokiller“. Er begründete dies damit, dass Dean vier Jahre lang in einer wirklichen Liebesbeziehung zu dem jungen Brooks gelebt hatte. Aber es bleibt offen, wie herzlich diese Beziehung gewesen war oder ob sie nur von Dominanz, Manipulation und Kontrolle geprägt war.

Im Haus Corlls fand die Polizei pornographisches Material , das sie zu einem Kinderschänderring in Dallas führte, der „Odyssey Foundation“, die 1974 mit 40 000 Mitgliedern hochgenommen wurde.

Man schätzt, das jedes Jahr 70 000 Kinder in den Staaten aus sexuellen/sadistischen Motiven heraus getötet werden.