Während unserer Recherche zum Thema H.H. Holmes, sind wir auf den amerikanischen Filmemacher John Borowski gestoßen, der einen Film über Amerikas ersten Serienkiller gedreht hat. Hier könnt ihr euch einige Bilder ansehen, sowie Trailer und Teaser downloaden. Sobald unsere Verhandlungen abgeschlossen sind, hoffen wir „HH Holmes – The Film“ auf DVD anbieten zu können. Bleibt also auf dem Laufenden und schaut immer wieder bei wildweb-tabloid rein!
„I was born with the devil inside of me“
Das Betongrab
Als Dr. H.H. Holmes, geboren als Herman Webster Mudgett im Mai 1896 gehängt wurde, starb er als wohlhabender Mann, der durchaus seine eigene Beerdigung bis ins Kleinste planen und zahlen konnte.
Wenige Wochen zuvor hatte er sein „Geständnis“ (er gestand nur 27 Morde, einige davon konnte er gar nicht begangen haben) an den Zeitungsbaron William Randolph Hearst verkauft.
Das Grab auf dem Holy Cross Cemetary in Pennsylvania (siehe Foto unten rechts), sollte außergewöhnlich tief und breit sein. Der Sarg, in dem Holmes Leiche lag, wurde mit Beton ausgegossen. Dreizehn Mann waren nötig, um ihn zu tragen. Dennoch entglitt er ihnen und stürzte verkehrt herum in die Grube. Holmes hatte in seiner Todesstunde nur eines: Angst vor Leuten wie er selbst. Leute, die seine Leiche rauben wollten, um damit Geld zu verdienen.
Und in der Tat, war das Amerika im Fall Holmes aufgerüttelt wie selten zuvor. Er war der „Folterdoktor“, der „Archfiend“, der Erzdämon. Die Menschen konnten gar nicht genug von Holmes‘ Schreckenstaten bekommen. Zahlreiche „Museen“ wurden in Chicago und Philadelphia eröffnet, aber das absurdeste war sein eigenes, selbstgeplantes und erbautes „Schloss“, in dem noch während die polizeilichen Ermittlungen anhielten, Touristen durch die versteckten Schleichwege, verborgene Stiegen, Gaskammern, labyrinthische Folterkammern geführt wurden.
Das Schloss
Holmes kam aus Neu England und ließ sich im Sommer 1886 in Englewood, einem Stadtteil von Chicago nieder. Er begann dort in einem Drugstore Medizin zu verkaufen. Aber dies war kein gewöhnlicher Doktor, dessen Charme alle Damen einnahm (und mit vielen von ihnen war er parallel verheiratet). Sein ganzes Wesen, jede Faser in diesem Menschen war von Übel. Er ist der Prototyp des „Natural Born Killers“, einer, der nicht gemacht wurde sondern als solcher zur Welt gekommen war.
Müsste ich die Lebensgeschichte von HH Holmes verfilmen, so würde ich definitiv die Komödie wählen, denn sein ganzes Leben war eine einzige große, grandiose, bombastische wenn auch tödliche Verwechslungskomödie, in der nichts so ist, wie es scheint.
Nachdem die Besitzerin der Drogerie, in der Holmes Schlangenöl verkaufte „unbekannt verzogen“ war, machte sich Holmes an seine eigentlichen Geschäfte: Schwindel und Mord.
Vielleicht war der Schwindel nur die Geldbeschaffungsmaßnahme für den Mörders. Er war ein kultivierter Verführer, ein Ladykiller im übertragenen, wie auch im wörtlichen Sinne. Nachdem er die Besitzerin des Drugstore getötet hatte, heiratete Holmes die junge Myrta Belnap, die jedoch schnell die Nase von seinen Romanzen und Liebeleien voll hatte. Holmes (obwohl zu dieser Zeit bereits verheiratet und vermutlich auch schon Mörder seines ersten Sohnes) schickte Myrta zu seinen Eltern nach New Hampshire.
An dieser Stelle sei eine seltsame Tatsache erwähnt: egal wie pathologisch Holmes Geisteszustand auch immer war und mit wem er auch immer liiert bzw. verheiratet war: er sorgte stets dafür, dass Myrta ihren finanziellen Unterhalt erhielt.
Es liest sich, wie ein Spukroman des vor-vorigen Jahrhunderts. Wie eine kranke, schreckliche Horrorgeschichte aus der Feder eines Poe, Lovecraft oder Arthur Machen und dennoch ist es die reine Wahrheit.
Das „Schloss“ beherbergte im Erdgeschoss Holmes neue feudale Drogerie (wo er als einer der ersten Seife aus Glycerin herstellte und vertrieb) ein Restaurant, Schmuckläden und einen Friseurladen.
Im dritten Stock ließ Holmes einige Zimmer und kleiner Suiten erbauen, die er vermieten konnte. Das Geheimnis des Schlosses jedoch fand man 3 Jahre später: der gesamte erste Stock, sowie große Teile des Kellers waren ein einziges Horrorkabinett mit Folterkammern, begehbaren Safes, luftdichten, schalldichten Zimmern, Gaskammern, Sektionsräumen, Säurebädern, Löschkalkgruben. Überall führten versteckte Schleichwege zu verborgenen Beobachtungsposten, Treppen und Rutschen, die bis in den Keller führten, wo Holmes ein eigens konstruiertes Krematorium betrieb.
Insgesamt verschliss der Bau mehr als 500 Handwerker, denn Holmes ließ jeden nur wenige Tage lang arbeiten, damit niemand den wahren Sinn des „Schlosses“ durchschauen konnte. Danach entließ er ihn, natürlich ohne Bezahlung.
Als die „White City“ ihre Pforten öffnete, war Holmes soweit: er konnte die Zimmer an zahlreiche weibliche Messebesucher vermieten.
Zu dieser Zeit waren Holmes und seine beiden Gehilfen Ben Pitezel und Pat Quinlan gemeinsam bereits sehr dick im Mordgeschäft. Holmes verführte eine Frau nach der anderen, tötete sie, und ließ sie nach seinen diversen Sektionen, Häutungen und anderen „Forschungen“ von seinem Gehilfen Charles Chappell skelettieren. Die Skelette verkaufte Holmes für 200$ an Medizinschulen.
Holmes heiratete während seiner düsteren Karriere im „Hotelgeschäft“ ein weiteres Mal. Seine Methoden wurden krasser. Einerseits verschaffte er sich mit Versicherungsbetrug immer neues Geld, das auf der anderen Seite seinem maßlosen Appetit nie genügte.
Gemeinsam mit Benjamin Pitezel heckte Holmes nun einen Versicherungsbetrug aus, der am Ende drei von vier Kindern Pitezels das Leben kosten sollte.
Pitezel schloss bei der Fidelity Mutual Life, Philadelphia eine Lebensversicherung über 10 000 $ ab und verschwand daraufhin unter falschem Namen in der Stadt. Seine Frau Carrie und eine vier Kinder waren immer noch in Chicago, wo sie im „Schloss“ lebten. Der Plan: Holmes würde einen Leichnam finden, der Pitezel ähnelte, worauf die Versicherung zahlen würde und die beiden Männer sich die Summe teilen könnten.
Aber Holmes hatte nichts dergleichen in Planung. Er wollte Pitezel vom ersten Tag an für den Betrug opfern. Das ganze niederträchtige Spiel mit Bens Familie, all die monatelangen Reisen quer durch Amerika, die Kinder von der Mutter getrennt, manchmal in Begleitung seiner neuen Frau (die von allem nichts ahnen durfte) mag zwar ein Musterbeispiel für findige Logistik gewesen sein, entsprang aber letzten Endes nur dem manipulativen, kranken Gehirn eines sexuellen Psychopathen.
Doch ich greife vor.
The Handsome Bandit
Holmes wurde der Druck, den seine Gläubiger auf ihn ausübten immer unangenehmer. Er musste Chicago so schnell es ging verlassen. Er tat dies und stahl gemeinsam mit einem Freund einige Pferde in Texas. Dort wurde er auch prompt ertappt und in Fort Worth ins Gefängnis geworfen.
Hier traf Holmes den skrupellosen „Handsome Bandit“ Marion Hedgepeth, zwischen dem und seiner Berühmtheit (wie sie Billy the Kidd, Jesse James etc. erlangten) wohl nur der seltsame Namen stand.
Hedgepeth war ein wahrhafter Höllenhund: Bankräuber, Mörder, Bandenführer. Im Gefängnis trafen sich die beiden Männer und Holmes tat das, was viele vor ihm getan hatten: er unterschätzte die Boshaftigkeit des Banditen.
Holmes erzählte Hedgepeth von dem geplanten Versicherungsbetrug und wollte von dem Ganoven den Namen eines Anwaltes, der auf solch zwielichtige Aktionen spezialisiert war. Hedgepeth versicherte sich eines Teils der Prämie (500$) und nannte Holmes den Namen Iephta Howe.
Aber Holmes dachte nie daran, seinen Verbündeten auszubezahlen. Nach seiner Entlassung, ließ er Pitezels Familie nach Philadelphia kommen, wo er sie mit „ihrem Mann und Vater“ wieder vereinen wollte.
Er besuchte den abgetauchten Pitezel, der mittlerweile wieder an schwerer Alkoholsucht litt und tötete ihn in seiner Wohnung direkt gegenüber der städtischen Leichenhalle. (Auch hier sieht man wieder die Perfidie des Planes) Holmes flößte seinem Partner Chloroform ein, verursachte eine kleine Explosion im Gesicht des Getöteten und arrangierte seine Leiche dergestalt in der sonne, dass sie möglichst bald verwesen sollte, um die Gerichtsmedizin hinters Licht zu führen. Der zu erwartende Gestank würde von dem, der von der Leichenhalle in jenem hochsommerlichen Wetter ausging, überdeckt werden.
Aber Homes‘ Rechnung ging nicht auf. Der Leichenbeschauer merkte, dass Mord im Spiel war. Holmes dirigierte mittlerweile Die Familie Pitezel in zwei Gruppen durch den Nordosten Amerikas und Kanadas, immer wieder eine baldige Wiedervereinigung mit dem bereits toten Mann versprechend.
Warum Holmes diesen Kraftakt an Manipulation und Verlogenheit auf sich nahm, kann nur durch die Pathologie seines morbiden Geistes erklärt werden. Er ging sogar so weit und ließ die 14jährige Tochter den exhumierten Leichnam des eigenen Vaters identifizieren.
Mittlerweile bekam die Fidelity Mutual Life Wind von dem Betrug. Hedgepeth beschrieb Holmes genaue Pläne dem Vorstand der Versicherung. Die berühmte Detektei Pinkerton wurde eingeschaltet und gemeinsam mit dem Polizeibeamten Frank Geyer, einem echten Schrot und Korn Cop-Veteranen, gelang es ihnen Holmes binnen weniger Tage einzukassieren.
„And when the jury returned it’s verdict, justice cried: amen!“
Der Prozess gegen Holmes würde ein ganzes Buch an Theatralik und Dramatik füllen. Der Fall wurde zum größten Medienereignis seiner Zeit. Holmes zerschliss mehrere Verteidiger und übernahm diesen Job schließlich selbst. Manchmal gestand er, manchmal widerrief er.
Es ist dem zähen, unermüdlichen Suchen des Detective Geyer zu verdanken, dass die drei getöteten Pitezel Kinder zu guter Letzt noch gefunden werden konnten: erstickt, zerstückelt, teilweise verbrannt, in eigens angemieteten Häusern.
Während Holmes auf der Verhörflamme der Polizei schmorte, durchsuchten Beamte das „Schloss“ in Chicago. Der Aufschrei des Entsetzen war groß, als man dort die scheußlichsten Beweise für das dunkle Treiben seines Erbauers fand.
Ein Brand -vermutlich gelegt von einem von Holmes‘ Gläubigern- vernichtete das schließlich ohnehin baufällige Gebäudemonstrum. (Und in der Tat: das „Schloss“ war, wie Holmes selbst, eine einzige große, dilettantische Lüge: schlechtes Rohmaterial, schlampig zusammengezimmert, mehr Schein als Sein.
Holmes wurde am 6.Mai 1896 in Philadelphia gehängt. Die Presse, die in ihm den modernen Blaubart, den „Archfiend“ selbst sah titelte: „He died as a man“.
LINKS ZU BÜCHERN UND WEBSITES
HH Holmes America’s First serial Killer“ ein Film über den „fiend of 63rd street“ von John Borowski. Näheres siehe Hier
American Gothic, der amerikanische Thrillerschriftsteller ROBERT BLOCH (Psycho) hatte den Fall Holmes in seinem Roman zum Vorbild.
DepravedHarold Schechters einzigartig detailliert recherchierte Lebensgeschichte von „Amerikas erstem Serienkiller“. Unbedingt empfehlenswert.
The Devils Rood diverse Autoren.“The Devil’s Rood is not a story for the faint and prurient of heart, but an interesting tale for people who hold a fascination with such subjects. Here is a man who makes Charles Manson look like Gandhi, and the fact that this person actually lived is a horror in itself.“
The Devil in the White City“-Erik Larsons neuester Roman. Ausführliche Website mit Interview und Hintergrundmaterial. „“I was born with the devil in me. I could not help the fact that I was a murderer, no more than the poet can help the inspiration to sing.“
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