Peter Stubbe

16 (oder mehr) Opfer

Der Werwolf von Köln

Eine faszinierende und nur allzu selten besprochene Folge der (meist mänlichen) Serienmörder (wir sprechen hier auch von – in der Regel männlichen – Spree-Killern, Amokläufern und sexuellen Sadisten und Psychopathen im Allgemeinen) ist der ungeheuerliche Aufwand, welchen die überlebende Gesellschaft nach und während ihres Terrorregimes hat.

Allein die perversen Untaten des englischen Ehepaars (und somit hauptsächlich die, des devianten Frederick) West kosteten die Grafschaft Glocesershire an die sechs Millionen Pfund.

Rationale Gegner der Todesstrafe fordern, diese (in aller Regel) viel teurere Maßnahme in eine (billigere) Lebensstrafe umzuwandeln.
Andere sind bereit den hohen Preis von mehreren Millionen Dollar (In China läuft so was unter öffentlichen Massenhinrichtungen, deren Rechnung die Familien der Delinquenten übernehmen müssen) zu zahlen, nur um den schrecklichen Dämon vom Angesicht dieses Planeten zu tilgen.

Im Falle des notorischen Mörders, Folterers, Vergewaltigers, Zerstückelers und Kannibalen Peter Stubbe (und seines französischen Spiegelbildes Gilles Garnier), bemühten weltliche wie geistliche Gerichtsbarkeiten den Mythos des Werwolfs, denn eine menschliche Ursache eines solch widerwärtigen Treibens war damals völlig ausgeschlossen.

Wenn wir das aus dem Englischen übersetzten Pamphlet unten lesen, fühlen wir uns ins düstere Reich von Grimms oder Bechsteins Menschenfressermärchen zurückversetzt.

Die Welt erkannte damals noch nicht den bis ins extrem pervertierten Sex-Maniac, der z.B. Seine eigene Schwester schwängerte und den gemeinsamen, missgebildeten Sohn mit beiden Händen zu zerreißen und aufzufressen (Nachdem er den Schädel des Kindes zerbrochen hatte aß Stubbe dessen Gehirn: „Es war die köstlichste aller Mahlzeiten“), sondern erkannte in ihm einen Abgesandten des Teufels persönlich.

Heute ordnen wir Stubbe in dieselbe Klasse geistesgestörter Krimineller ein, wie Fritz Haarmann, Andreji Tschikatilo oder Gilles de Rais. Sie folterten, vergewaltigten, töteten, zerstückelten, und aßen ihre Opfer aus einem einzigen Grund: Sexuelle Befriedigung.
Die Zerstückelung geht einher mit dem Wunsch, die Persönlichkeit des Opfers möglichst zur Gänze auszuradieren bzw. in die eigene einzuverleiben.


Deutsche Übertragung eines englischen Flugblattes des 16. Jahrhunderts (In Besitz seiner Gnade des Erzbischofs zu Canterbury). Autor: Helmut Halfmann.
(So frei wie nötig, so direkt wie möglich)

Eine wahrheitsgemäße Abhandlung, die das verdammenswerte Leben und den Tod eines gewissen Peter Stubbe (Peeter Stubbe, Peter Stumpp), eines höchst seltsamen Zauberers beschreibt, der in der Person eines Wolfes mehrere Morde beging und dies über fünfundzwanzig Jahre fortsetzte, indem er Männer, Frauen und Kinder tötete und verschlang. Ebenjener der unter Arrest genommen und hingerichtet wurde in der Stadt Bedbur [Bedburg] nahe der Stadt Köln in Deutschland.

[Truly translated out of the high Dutch, according to the copy printed in Collin, brought over into England by George Bores ordinary post, the 11th day of this present month of June 1590, who did both see and hear the same. AT LONDON Printed for Edward Venge, and are to be sold in Fleet Street at the sign of the Vine. A most true discourse, declaring the life and death of one Stubbe Peeter, being a most wicker [sic] sorcerer.]

Diejenige, denen es der HErr gestattet, den Vorstellungskräften ihrer eigenen Herzen zu folgen, indem sie eine dargereichte Gnade ausschlagen, gehen am Ende durch ihrer Herzen Härte den Pfad des Verderbens und der Zerstörung von Körper und Seele für immer:

Wie in dieser vorliegenden Geschichte in vollkommener Art und Weise zu sehen [ist], mögen die Absonderlichkeiten zusammen mit den begangenen Grausamkeiten und hinsichtlich des langen Zeitraums, durch den all dies begangen wurde, viele in Zweifel führen, ob das Gelesene die Wahrheit sei oder nicht.

Auch darin liegt der Grund all dies anzuzweifeln, was in vielen verschiedenen falschen Aussagen, erfunden, erdacht und gedruckt worden war und somit viel und viele Zweifel in den Herzen aller Menschen hervorgerufen hat.

Dem Leser dieses Texte bitte ich um Vourteilslosigkeit sowie viel Geduld all das aufzunehmen, denn es wurde deshalb veröffentlich, damit es ein Exempel sei und schließlich alles, was man aus Bequemheit der Vernunft oder Klugheit denkt, in Anbetracht der Schlauheit, die Satan aufbringt um diese, seine Seelen zu verderben. Ebenso die großen Unbilden [darzustellen], welche das Praktizieren der Zauberei hervorbringt, deren Früchte Tod und Zerstörung für immer [mit sich bringt].

Aber von allen, die je gelebt haben, war niemand vergleichbar mit ebendiesem Höllenhund, dessen Tyrannei und Grausamkeit bescheinigt, dass sein Vater der Teufel [selbst] gewesen war.

Er war ein Mörder von Anfang an, und von seinem Leben und Sterben, sowie seinen blutrünstigen Taten will diese Abhandlung berichten.

In den Orten Eperadt [Epprath] und Bedbur [Bedburg] nahe Collin [Köln] wurde ein gewisser Stubbe Peeter aufgezogen und genährt, der von seiner Jugend an, sich dem Bösen und dem Praktizieren der Schwarzen Kunst verschrieben hatte.

Daselbst, vom Alter von zwölf Jahren bis ins zwanzigste Lebensjahr und weiter, bis zu seinem Sterbetag [1589, Stubbe war dann um die 40 Jahre alt] sich bis zum Überdrusse vergangen habe, in der verdammenswerten Begier nach Magie, Nekromantie, und Zauberei, und sich dabei der Begleitschaft vieler teuflischer Geister [spirits] und Dämone [fiends] bedient hat.

Indem er den Gott, der ihn geschaffen hat, vergessen hatte und ebenso den Erlöser, der sein Blut und sein Fleisch zu Erlösung der Menschen gegeben hat.

Am Ende, uneingedenk der zu erwartenden Erlösung, gab er [Stubbe] dem Teufel Körper und Seele für ewig dahin, angesichts kleiner sinnlicher Befriedigungen. Nur damit er berühmt und in aller Munde sei, obgleich er dadurch den Himmel verloren hatte.

Der Teufel, der jederzeit ein Ohr hat, die geilen Wünsche der verfluchten Menschen zu erhören, versprach ihm [Stubbe] zu geben, was immer sein Herz während seines sterblichen Lebens verlangte.

Dafür will dieser wilde und abartige Wicht [wretch] weder Reichtümer noch andere weltliche Güter. [Einzig und allein] sein tyrannisches Herz und sein aufs höchst grausamer Sinn [mind] verlangte, dass er seine bösartigen Vergnügen an Männern, Frauen und Kindern in Gestalt einer wilden Bestie [ausleben] konnte.

Außerdem wollte er ohne Furcht, Sorgen noch Gefahr leben, und seine blutigen Taten, unerkannt zu begehen.

Der Teufel der in ihm [Stubbe] ein willfähriges Instrument seiner dämonischen Unheiltaten sah, freute sich auf den Wunsch auf Böses und Zerstörung und gab ihm einen Gürtel, welcher, getragen, ihn [Stubbe] auf der Stelle in einen gierigen, alles verschlingenden Wolf, stark und mächtig, verwandeln würde.

Jener hätte große, weite Augen, die in der Dunkelheit funkelten wie ein Funkenstieben, und einen Mund, groß und weit mit allerhöchst scharfen und grausamen Fängen. [Desweiteren] einen großen Leib mit mächtigen Pranken.

Und, sobald er den Gürtel ablegen würde, sollte er sofort die Gestalt eines Menschen annehmen, als hätte er sich nie zuvor verwandelt. Stubbe Peeter war damit aufs Äußerste zufrieden und die Form des Gürtels passte zu seinem Leib, wie zu seiner Natur, welche da war blutrünstig und grausam.

Zufrieden mit diesem abartigen und teuflischen Geschenk, denn es war klein genug um mit sich getragen oder versteckt zu werden, marschierte er, seine schlimmsten und grausigsten Verbrechen zu begehen.

Denn wenn ihm eine Person Ärger machen sollte, sollte er großen Rachedurst äußern und jedem beliebigen dieser Leute in der Gestalt eines Wolfes auf den Feldern oder in der Stadt begegnen und nicht ruhen, bis er ihre Kehlen heraus- [plugged-out] und ihre Glieder auseinandergerissen hatte

Und nachdem er Blut daran geleckt hatte, bereitete es ihm so viel Vergnügen und Frohlocken, dass er von jetzt an Tag und Nacht die Gegend durchwanderte, um seine extrem grausamen Taten zu vollbringen.
Und manches Mal ging er durch die Straßen von Collin, Eperadt und Bedbur, als gewöhnlicher Mensch und sehr bürgerlich, wie jeder andere auch und wurde oft von denen gegrüßt, deren Freunde und Kinder er abgeschlachtet hatte, ohne dass ihn jemand damit verdächtigen sollte.

Ich sage, dass er bei diesen Plätzen auf und ab ging und dass er dabei irgend eine Magd, eine Hausfrau oder ein Kind ausspähen konnte, nach dem oder der es ihn gelüstete.
Danach sollte er darauf warten, bis sie aus der Stadt traten oder er sie sonstwo alleine zu fassen bekam, um sie zu schänden [ravish] und danach in seiner wölfischen Art durch grausamen Mord zu töten.

Ja, oft geschah es dass sein Herz höher schlug, wenn er bei den Feldern entlang lief und darauf wartete, dass er einige Mägde spielen oder das Vieh melken sah.
Dann stürzte er in seiner wölfischen Art mitten unter sie und schnappte sich eine von ihnen, während der Rest flüchten konnte.
Und nachdem er seiner verderbten Lust gefrönt hatte, sollte er [die Magd] auf der Stelle ermorden.

[…]

Durch diese teuflischen und verdammenswerten Taten, hatte er im Lauf der Zeit dreizehn Kinder ermordet, und zwei junge Frauen, die ein Kind trugen. Er riss ihnen die Kinder auf die wildeste blutigste Art aus dem Leib und nachdem er ihre noch heißen, schlagenden Herzen roh verspeist hatte sagte, dies sei für ihn das köstlichste Mahl, das seinem Appetit am wohlfeilsten war.

Überdies nutzte er seine Zeit stets, um Lämmer, Zicklein und anderes Vieh auf dieselbe außergewöhnlich grausame Art zu reißen und zu fressen.

Schließlich fürchteten alle Leute nichts mehr als diese seine teuflische Hexerei.

In jener Zeit hatte er ein hübsches junges Mädchen zur Tochter, die er ebenso widernatürlich und grausam begehrte, indem er sehr oft sehr gottlosen Inzest mit ihr beging, eine in höchstem Maße ekelhafte und schändliche Sünde – weit schlimmer noch als Ehebruch und Vergewaltigung; wenngleich jede der drei [Sünden] die Seele todsicher in das Höllenfeuer führt – es sei denn, er würde von Herzen bereuen denn Gott ist barmherzig.

Er bekam diese Tochter mit Namen Stubbe Beell, als er noch nicht so schändlich von Sinnen war. Und sie war so wunderschön und ihre wundervolle Anmut war beliebt bei allen, die sie kannten.

Er war ihr gegenüber so voller verderbter Lust und Sehnsucht, dass er ihr ein Kind machte, als er sie Tag für Tag als seine Konkubine nutzte.
Aber als eine verderbte, kranke Bestie, die dem Bösen diente, wohnte er ebenso mit Gier seiner eigenen Schwester bei genau so, wie die Niederträchtigkeit seines Herzens ihn führte.

[…]

Er war auch so gewandt und von süßer Lebensart, dass er so eine Frau gewann, die für ihn ihr Haus verließ. Nicht lange und er wohnte auch ihr bei. Sie musste ihm immer willig sein.
Diese Frau nannte sich Katherine Trompin, eine Frau von hochgewachsener und gefälliger Statur, mit ausgesprochen gutem Geschmack, und die beliebt und geschätzt war unter ihren Nachbarn.

Aber seine geile und unersättliche Lust ließ es nicht genügen, dass er seine Zeit mit vielen Konkubinen verbrachte, noch begnügte sich seine verderbte Phantasie mit der Schönheit irgend einer einzigen Frau.
Schließlich schickte ihm der Satan einen [schändlichen] lüsternen Geist in Gestalt und Erscheinung einer Frau. [Dieses Wesen] war so schön von Angesicht und von attraktiver Persönlichkeit, dass man in ihr die himmlische Helena selbst erkennen konnte.
Er verlebte sieben Jahre mit ihr, aber am Ende war sie nichts weiter, als ein weiblicher Teufel [she-devil].

Nichts widerstand seiner räuberischen Geilheit, nichts besänftigte sein sündhaftes und blutrünstiges Wesen; er verbrachte seine gesamte Zeit als unersättlicher Blutsauger. Und er sagte, dass die Freude, die er daraus gewönne so groß wäre, dass jeder Tag ohne Blutvergießen kein Tag gewesen sei. Und auch kam es nicht darauf an, wen er ermordete, als wie er sie ermordete und zerstörte.

[…]

Sein Sohn aber war die erste Frucht seines Leibes, in die er eine solch große Freude legte, dass er ihn gewöhnlich sein „Herzeglück“ nannte.
Aber seine Lust nach Mord war größer als die Freude über den Sohn, dass er diesen, nach seinem Blute lechzend, eines Tages auf die Felder lockte und von dort in einen Wald in der Nähe, woselbst er mit der Ausrede rastete, die Schönheit der Natur zu genießen, während der Junge unverzagt weiterlaufen sollte.

In der Gestalt des Wolfes näherte er [Stubbe] sich unaufhaltsam dem eigenen Sohne. Und es war dort, dass er ihn aufs grausamste erschlug und in Stücke riss. Danach aß er das Gehirn des Jungen aus dessen Schädel.
Als das „höchst köstlichste und leckerste Mahl“, seinen gierigen Appetit zu stillen: Dies ist der bei weitestem bestialische Akt von dem die Menschheit je gehört hatte, denn niemals ist ihr von einem solchen Wicht [Schelm, Wretch] bewusst geworden, der derart degeneriert [degenerate] war.

Lange Zeit führte er sein wildes und schändliches Leben so fort, manchmal in der Gestalt eines Wolfes, manchmal als Mann, manchmal in der Stadt und manchmal in den Wäldern und deren Dickichten, wie es uns das deutsche Dokument berichtet.

Er traf daselbst zwei Männer und eine Frau, die er beide so sehr zu ermorden begehrte. […]Um nicht entdeckt zu werden hielt er sich von ihnen fern und außerhalb ihres Gesichtskreises, zumal er einen von ihnen mit Namen kannte.
Als die Gruppe sich seinem Versteck näherten hörten sie ihn ein oder zwei Male den Namen eines der Männer rufen, dachten es wäre womöglich ein Freund, der sich einen Spaß aus seinem Versteck erlaubte und einer der Männer ging zu dem Platz von wo die Stimme herkam.

Sofort war er mitten in der Gefahr, die von diesem verwandelten Mann ausging, und sofort wurde er an dieser Stelle ermordet Die übrigen seiner Gruppe blieben seinetwegen stehen und warteten auf seine Rückkehr und meinten, dass er zu lange ausbliebe.

Der andere Mann befand, dass sein Freund zu lange weg blieb und folgte ihm zu dem Platz, um nach ihm zu sehen. Dabei geschah es ihm, dass er selbst ebenso ermordet wurde.

[…]

als die Frau keinen der Männer zurückkommen sah, spürte in ihrem Herz, dass etwas Böses geschehen war und trachtete danach mit aller Kraft, sich selbst zu retten, indem sie flüchtete.
Aber schnell holte sie der geschwinde Wolf ein, der sie zunächst vergewaltigte und danach grausam tötete. Die Männer wurden später zerfleischt [mangled] im Walde gefunden, aber die Leiche der Frau wurde seither nicht gesehen, denn der Unhold hatte sie verschlungen und ihr Fleisch als wohlschmeckend und köstlich befunden.

[Dem Autor erscheint es an dieser Stelle sinnvoll, auf das Verhalten des „Werwolfs“ hinzuweisen. Offensichtlich wirkte der Gürtel denn doch nicht so verwandlerisch auf dessen Aussehen, dass er sich gezwungen sah, zu dieser Schliche zu greifen. Hier mischt sich in die mittelalterliche Logik des teuflischen, übernatürlichen Wolfsmenschen ein Funken historischer Wahrheit. Stubbe war nur ein Mann.]

Dieses verdammungswürdige Leben führte Stubbe Peeter fünfundzwanzig Jahre lang unverdächtig.

[…]

In all dieser Zeit fühlten sich die Einwohner von Collin, Bedbur und Eperadt von dem gierigen Wolf so sehr belästigt und heimgesucht und verunsichert, dass nur wenige und bald gar keiner mehr an diese Orte zu reisen wagte, ohne Geleitschutz.

[…]

Oft fanden die Einwohner der Region auf den Feldern Arme und Beine der toten Männer, Frauen oder Kinder, die da zerstreut lagen über das Land.

Und es muss hier eine besondere, seltsame Begebenheit berichtet werden, denn sie beweist wieder einmal mehr die große Vorsehung und Gnade Gottes, um ein christlich Herz zu besänftigen.
Vor nicht langer Zeit gab es einige Kinder, die auf einer Wiese, nicht weit entfernt von der Stadt, spielten.

Auch weidete dortselbst eine Herde Rindvieh, mit einigen Kälbern, die bei ihren Müttern säugten.
Plötzlich stürzte ein Wolf inmitten der Kinder und schnappte ein hübsches, feines junges Mädchen am Kragen, um ihm die Kehle herauszureißen.

Aber es war dies der Wille Gottest, dass der Wolf den Kragen des Mäntelchens nicht durchstechen konnte, welcher hochgeschlossen und sehr gesteift um den Hals des Kindes lag.
Durch das Geschrei der Kinder aufgescheucht, trampelte das Rindvieh los, aus Furcht, dass ihm die Jungen hätten geraubt werden können und rannte direkt in die Richtung des Wolfes, der sich gezwungen sah, sein Opfer freizulassen und wegzulaufen. Durch die Hörner wurde das Kind vor dem sicheren Tode gerettet.

Und dieser Vorfall ist die Wahrheit. Meister Tice Artine, ein Bierbrauer bei Puddlewharf zu London, wurde in Deutschland geboren und ist einer von gutem Rufe und Leumund. Dieser ist in der Lage zu bezeugen, denn er ist mit besagtem Kinde verwandt und erhielt bereits zwei Briefe von ihm.
Über den ersten Brief war er derart verwundert, dass er Misstrauen bekundete. Kurz nachdem er um Nachricht gebeten hatte [Einzelheiten angefordert hatte], wurde ihm noch ein Brief geschickt. Der klärte ihn über alles auf. Schließlich haben noch verschiedene andere durchaus glaubwürdige Leute in London über den selben Vorfall Briefe erhalten mit der selben Darstellung. Es wurde in den deutschen Städten ein „ewiges Gebet“ angeordnet, dass es Gott gefallen möge sie alle aus der Gefahr des schrecklichen Wolfes zu befreien.

Sie selbst waren dazu nicht in der Lage trotz täglicher versuche, ihm eine Falle zu stellen. Deshalb hielten sie sich große Bulldogen [Mastiffs] und andere, starke Jagdhunde, um damit die Bestie zu hetzen.
Als sie folglich bereit waren, ihn zu suchen, gefiel es Gott, dass sie ihn in seiner wölfischen Gestalt auffinden konnten und die Hunde auf ihn losließen. Diese waren so stark, dass es kein Entkommen für ihn mehr gab.

Und so, wie Gott der Herr den Goliath in die Hände Davids fallen ließ, so wurde der Wolf in die Hände dieser Männer gegeben. Und dieser [Stubbe] hatte keine Möglichkeit zu entkommen, schlüpfte aus seinem Gürtel und legte ihn ab, worauf er sich in der natürlichen Gestalt eines Menschen zeigen musste, der in der Hand einen Stab trug, wie einer der zur Stadt wanderte.

[Auch hier verliert die Geschichte an Glaubwürdigkeit: Die Jagdgesellschaft hatte wohl den berüchtigten Wolf gejagt, aber den – bereits verdächtigen – Stubbe gestellt.]

Aber die Jäger, deren Augen stark und unbeirrbar waren, kamen über die Bestie und entdeckten diese an besagter Stelle verwandelt [metamorphosed], ion einen Mann, entgegen ihren Erwartungen.
Es war eine wundervolle Pläsier für ihren Geist, denn sie erkannten augenblicklich den Mann nicht wieder, den sie soeben gefangen hatten. Sie hatten tatsächlich den selben ergriffen, der ein Teufel in Menschengestalt gewesen war.

Und bald erkannten sie als ein alteingesessener Einwohner der Stadt [Bedburg] und sie gingen zu ihm und sprachen ihn an und brachten ihn zu seinem eigenen Hause und entdeckten, dass er tatsächlich der Gesuchte war und keine Illusion oder falsche Regung ihres Geistes.
Und so brachten sie ihn unverzüglich vor den Magistrat, damit dieser alles untersuche.

Nach seiner Verhaftung wurde er kurzerhand in die Folterkammer der Stadt Bedbur gebracht. Aber er fürchtete sich vor der Folter und gestand freiwillig die Schandtaten, die er in den letzten fünfundzwanzig Jahren an diesem Platz begangen hatte.

[Stubbe erzählt allen von dem Gürtel und dem Bund mit dem Teufel, der ihn zum Wolf gemacht hatte. Er sagte aus, dass er den Gürtel bei seiner Arretierung hinter einen Busch geworfen hatte. Und dort habe er ihn liegen lassen. Eine Suche danach blieb jedoch erfolglos, weil „Der Teufel sich den Gürtel bereits wiedergeholt hatte.“]

Nach einiger Zeit der Haft und des Verhörs beschloss der Magistrat, dass, infolge seiner Untersuchungen, auch seine Tochter Stubbe Beell und seine Liebschaft Katherine Trompin für mitschuldig am Morde befunden werden mussten, da sie beide für ihre Geilheit im Leben bestraft werden sollten.

So wurde Stubbe Peeter am 28 des Oktobers 1589 folgend verurteilt:

Stubbe Peeter, als eigentlicher Übeltäter [Malefactor], wurde dazu verurteilt, dass sein Körper auf das Rad gelegt werden solle, wonach ihm mit rotglühenden Eisenzangen aus zehn verschiedenen Stellen am Leibe das Fleisch von den Knochen zu ziehen sei.
Nach all diesem sollten ihm die Beine und Arme mit einer Holzaxt oder einem Hackbeil gebrochen werden [In der Regel benutzte man dazu ein weiteres Rad]

Anschließend solle ihm der Kopf vom Leibe getrennt, und sein Gerippe zu Asche verbrannt werden.

Genauso wurden seine Tochter und seine Liebschaft [Trompin] am selben Tage zur selben Zeit angesichts der Urteilsvollstreckung an Stubbe Peeter, verurteilt, schnell zu Asche verbrannt zu werden.

Und am 31. desselben Monats erlitten sie den Tod zu Bedbur im beisein vieler Herzöge und anderer Adelige aus Deutschland.

Und rund um das Rad wurden sechzehn Holzlatten von je einem Yard gehängt, welche die sechzehn Personen repräsentierten, die von ihm gemordet wurden.

Dies alles – so wurde angeordnet – sollte dort stehenbleiben als ständiges Mahnmal für alle folgenden Zeiten. Es sollte zeigen, wie die Morde des Stubbe Peeter bestraft wurden, im Auftrag seiner Richter

Zeugnis dass das alles wahr ist

Tyse Artyne.
William Brewar.
Adolf Staedt.
George Bores.

Zur Erbauung empfehlen die Autoren die Sage Der Werwolf von den Gebrüdern Grimm