From: „Myjhna Mullen“
To: „Helmut Halfmann“
Sent: 30.06.03
Subject:HH Holmes the film

Helmut,

ich bin wieder zuhaus in good old A. Es hat hier bloss 15 Grad Das würde dir gefallen, du HitzeMuffel 🙂 —–+

Man könnte meinen, hier sei der Sommer bereits wieder vorüber und das Land holt bald sein Winterkleid auf dem Schrank. Lenny (mein Liebling) hat sich als schwul geoutet und stellt den anderen Katern nach. Die Katzen hingegen ignoriert er. Eine von ihnen hat mir eben einen erlegten kleinen Vogel als Willkommensgeschenk vor die Füsse gelegt. Es ist so schön, wieder hier zu sein! Mein Garten ist dermaßen verwildert, fast wie ein Märchenwald. Wenn es dunkel geworden ist, gehe ich mal ein paar Stellen mit der großen Sense durch. RITSCH RATSH!!!! Beim letzten mal hat mein Nachbar einen spitzen Schrei ausgestoßen, er hielt mich für „Den Sensenmann“ 😀 Typisch für ihn, alter Zausel.

Helmut, hey, ich habe die Samen wiedergefunden, die du mir damals in K. geschenkt hast, sie waren jahrelang zwischen zwei Büchern eingeklemmt und sind noch immer in der Kaffeefiltertüte! Meinst du ich sollte sie jetzt aussäen oder ist es schon zu spät im Jahr?

Du hast auf den Filter geschrieben, sie blühen so schön.

Ich stelle mir vor: Dann werde ich Gwen hierher einladen und sie kann die Blüten malen, auch wenn sie meist Gesichter malt und keine Blumen oder so. Sie hat gesagt, sie hat letztens einen Baum gemalt, wollte ihn mir aber nicht zeigen. Oda war wieder so dominant. Du hast recht: O ist ziemlich aggressiv und ihr künstlerischer Stil brutal, bis morbide. Ihre vielen persönlichen (und sexuellen) Anspielungen gehen mir auf die Nerven, und Gwen ist es manchmal sichtlich peinlich.

Oda und Creole wären ein spitze Paar, ja genau! Wundert mich übrigens, dass der Typ noch keine sexistischen Sprüche über sie veröffentlicht hat. Wenn der Kerl sich ihre Arbeiten ansieht, müsste es in seinem Kopf abgehn wie eine Rakete. Sogar ihre Bilder von Pflanzen sind aggressiv und die Titel sprechen für sich.

Ich bin sehr froh, dass du und ich uns für Gwen entschieden haben als Grafikerin.

Sie versteht die Gefühlswelt und Doppelbödigkeit unseres Romans. Die Bilder zum Honigmeer (die Drucke) sind wirklich GENAU DAS. Denn das Honigmeer ist nicht nur brutal, es gibt so viele Zwischentöne, und die sind in den illustrationen von gwen in jeder Grafik zu finden. Mein Lieblingsbild ist das mit der schottischen Landschaft, dem weiten Himmel, den zwei Glocks und dahin die märchenhaft-schöne Josephine. Gwen hat es mir ausgedruckt auf einem sehr guten Photopapier, und gerahmt. Es hängt jetzt über meinem Schreibtisch.

Erst war ich ja enttäuscht, dass Gwen dagegen ist, die (speziellen Honigmeer-)Illustrationen online zu stellen. Aber ich verstehe es jetzt.

Man kann in die Bilder HINEINKRIECHEN.
Es ist etwas besonderes, so wie unser Buch.
Dieses kleine bild hat Gwen erlaubt, als „kleinen Einblick“ zu zeigen. Es ist nur ein Ausschnitt, und zeigt Lilli im Schlaf. Sie träumt und die Raben, die sie besuchen sind EINS, ein/ihr BRUDER. Lilli sieht aus wie gwen und zugleich wie ich. Eigenartig….

xxx Myjh. PS: Bitte sag John (Borowski), wie SEHR es auch mich freut, dass wir bzgl H.H.Holmes zusammenarbeiten. Dazu später mehr, denn jetzt ist Raubtierfütterung :-ooooooooo HUNGRY MOUTHS TO FEED PPS: Ich habe diesmal in Deutschland immer wieder Greifvögel herumfliegen sehen, das ist phantastisch. Einer wäre mir fast ins Auto geflogen, aber nur fast. Es kam nicht zum Zusammenprall. Ich glaube, es war ein kleiner Falke.