From: „Manfred Edelbrecht“
To: „al“
Sent: 05.09.03
Subject: Honigmeer

Offener Brief an die Autoren des Honigmeer

Mit Erstaunen habe ich zur Kenntnis genommen, dass Ihr eure Romanankündigung (oder evtl. besser gesagt: eure Werbung für das Buch) mit ein paar Eigentümlichkeiten spickt. Besonders seltsam finde ich, dass ihr Abbildungen (eure sogenannten Grafiken) von den Akteuren im Buch macht, bzw.ins Internet stellt. Werden diese Abbildungen auch im Buch selbst zu finden sein?

Meiner Ansicht nach sind bunte Bildchen etwas für KINDERBÜCHER. Was haben die in einem Roman zu suchen? In einem Roman ausdrücklich für Erwachsene. Zugegeben: Sind ja ganz nette bunte Abbildungen, aber ich finde das ganze zweifelhaft. Der Leser will sich doch ein eigenes Bild machen. Nehmt ihr dem Leser da nicht die Möglichkeit, seine eigene Fantasie zu bemühen? Oder gibt es zwei alternative Ausgaben? (Eine mit und eine ohne Abbildungen)

Ich kenne und schätze die Werke von Halfmann, ich habe OA und Babysitting in meinem Bücherregal und gelesen. Auch bin ich stolzer Besitzer des Bild-und Gedichtbandes ISH’ban inklusive Klang-Kassette zum Buch.

Ich freue mich bereits sehr auf Halfmanns neuen Roman, er hat sich ja lange genug rar gemacht. Doch ich bezweifle, ob ein genialer Autor wie er irgendwelche Bildchen braucht, um seine starke Sprache zu unterstreichen. Soll das ganze eine Art „Wundertüte ab 18“ werden? Oder ist das ein Weg, der künftig beschritten werden soll auf dem Buchmarkt, dass man uns Lesern kein Vorstellungsvermögen mehr zutraut; und dass wir angesichts der übermachtigen Bilder- und Werbeflut nun auch in Büchern damit bombadiert werden sollen?

Ein weiterer Punkt, der mich stutzig macht, ist die allürenhafte Art und Weise, wie auf dieser Bühne (wildweb-tabloid) die verschiedenen Autoren (allen voran „Creole“ und „Mullen“) eine Personality-Show aufführen, sich gegenseitig beschimpfen und das ganze meist unter der Gürtellinie. Es ist unterhaltsam, zugegeben.

Dennoch fragt sich der werte Leser: „Was soll uns das sagen? Was hat das ganze mit dem Roman zu tun?“ Ihr betont immerzu, dass es TRUE CRIME, bzw. eine Art Pulp ist, und erklärt jedem, der es noch nicht wusste, dass TABLOID genau das bedeute.

Ich vermute, ihr spielt eine Form von „Possentheater“ a la pulp fiction. Alles wirkt grotestk, gewalttätig, konstruiert und von Ablauf verhackstückt. Ihr habt es geschafft, meine Neugierde zu füttern, doch ich werde den unangenehmen Eindruck nicht los, dass ihr Katz und Maus mit uns Lesern spielt. Ich habe mich sogar bereits gefragt, ob es das angekündigte Buch ÜBERHAUPT GIBT ?!

Es sind mir noch viele andrere Seltsamkeiten aufgefallen. Dazu gehört unter anderem das folgende: Ich kenne den namen „Creole“ aus früherer ww-Zeit und ging davon aus, es handele sich dabei um HH. Dann taucht dieser „Creole“ irgendwann unter dem Punkt „Autoren“ auf (neben bzw UNTER Halfmann), und sein Konterfei scheint mir auffallend viel Ähnlichkeit mit H.H zu haben. Schreibt in Wahrheit nur dieser EINE Mann? Halfmann ist zugleich Mullen, Creole und vielleicht gar Capitän??? Oder steckt hinter dem ganzen gar ein völlig anderer, ein „Ghostwriter“?

Ich hoffe, einen Beitrag geleistet zu haben, der ein paar der vielen Fragen in den Raum stellt; Fragen, die sich bestimmt schon manch andere gestellt haben.

Es würde mich freuen, wenn ich ein paar Antworten erhalte.

Oder muss ich bis zum Release warten?

MfG

M.Edelbrecht