Menschliche Monster

Die nachfolgenden Seiten sind widerwärtig. Dem einen oder anderen wird wohl auch die Lust auf einen saftigen Braten genommen, und insgesamt möchte man sich fragen, ob das denn alles wahr sei und nötig und überhaupt.

Bei meinen Recherchen in der Hölle der Unmenschlichkeiten ist mir eines aufgefallen: Die Obsessionen vieler Psychos, Killer und Creeps sind heute oftmals Themen bei den Mutanten-Talkshows. Geht es um den ultimativen Kick?? Reicht es dann nicht mehr, sich mit Nadeln zu durchstechen und SM zu praktizieren? Auf die Gefahr hin als konservativ und prüde verschrien zu sein: Die Sexualisierung des Alltags, der Drang zum gestählten Übermenschen, der egomanische Körperkult und die Suche nach dem letzten, besten Thrill wird nach und nach die folgende Horrorliste erweitern. Eine Gesellschaft, die es sich zum Ziel gesetzt hat OHNE Tabus leben zu wollen ist in Gefahr. Die Liebe zu toten Dingen ist allgegenwärtig. Nur ein kleiner Schritt vom Autofreak, vom hardwarebesessenen Computerfetischist bis hin zum nekrophilen Psychopathen?

Wir basteln emsig an neuen Kandidaten für die Killerliste. In der Werbung machen wir den einsamen, kranken Grenzspinnern klar, daß sie ohne ein Model an der Seite keine Menschen sind. Was wird das bei den Creeps bewirken? Jeffrey Dahmer mordete aus Einsamkeit. Wir alle werden einsamer und gleichzeitig von einer debilen, geldgeilen, sensations- und blutgierigen Medienoffensive bedroht.

Wir sind ja schon dabei unsere Kinder zu vergasen, mit unseren Autos, wenn wir sie aus Angst vor Sextätern in die Kindergärten karren. Unsere Lust auf frisches Fleisch wird tagtäglich geweckt, in Talkshows, Zeitungen und Trash-Magazinen im TV.

Wer wundert sich denn, daß Kinder hier geschändet und geschlachtet werden?? Die Schreibtischtäter sitzen in den Redaktionen.

In den 70ern gab es weit mehr Kindermorde als heute. Aber damals ließ sich noch nicht soviel Kohle mit Quoten machen. Sog. „Kreative“ in der Werbung zeigen niedliche Kinder mit der Überschrift: „Papa war ihr erster Liebhaber“. Gut gemeint??? Dutroux hats vielleicht nur aufgegeilt.

Wir machen uns schuldig. Wir haben uns eine Hölle geschaffen, deren oberster Gott dr Konsum ist. Wir leben in künstlichen Scheinwelten der Medien. Wir lassen uns vom Internet, und den Spinnern im TV belügen. Wir sind konsumierende Bestien, die nur noch einen Schritt vom finalen Konsum entfernt sind: vom Kanibalismus. Vielleicht haben die „120 Tage von Sodom“ des Marquis de Sade und des P.P. Pasolini bereits begonnen?

Unsere Scheinheiligkeit, unsere verlogene Betroffenheit unsere Gier unsere haltlose Sucht nach Spaß und Perversion, haben uns bereits in weltgeschichtliche Regressionen gestürzt. Totemismus, Fetischismus, Kanibalismus, Tribalismus sind wieder Thema. Ich werde nachfolgende Liste vielleicht erweitern. Richtige, leckere Psychopathen werden dazukommen.

Einsame Spinner in Plattenbauten, hilflose kleine Männer (denn hier GEHT es um Männer!) denen man eine künstliche, geile Scheinwelt vorgaukelt und die dann nur noch der Initialzündung zum „besseren Leben“ bedürfen, um loszumarschieren, in dem coolen Outfit der Popstar Psychos.

Kinder werden zu Mördern und wir wundern uns. Wir alle basteln uns unsere Killer zurecht!

Soviel Moral mußte sein, und sei es nur zur Rechtfertigung der nachfolgenden Widerwärtigkeiten. Ich bin überzeugt, daß wir nach der Wende des „Millennium“ noch viel Spaß haben werden mit Nadeln, Messern, Gewehren. Schließlich sind wir alle neugierig, wie denn ein Mensch so aussieht und riecht, einmal geöffnet…

Aber vielleicht ist das alles ja gar keine Frage von Moral und positiven,sozialen Werten. Vielleicht wurden Serienkiller und andere Menschenmoster als genau solche geboren. Neurophysiologen sehen verschiedene Ansätze: von einem unausgeglichen Haushalt der Hirnchemie bis hin zu Schädigungen des Präfrontal-Cortex, des Stirnlappens, in dem unser Ich-Empfinden und unsere „Moral“ zu finden ist. Viele der Killer (ein außergewöhnlich hoher Prozentsatz) mussten nach einem Unfall mit einem lädierten Stirnhirn klarkommen. Das zieht sich von dem Frauenwürger der 20er Earle Leonard Nelson bis hin zu dem britischen Foltermonster Fred West.

Eine Untersuchung hat überdies ergeben, dass eine Unterfunktion bestimmter Hirnbereiche (wie z.B. der Mandelkern im limbischen System)einen Menschen zum gefühllosen Psychopathen machen kann.

Was ist ein Psychopath?

Wenn wir in einem Cafe sitzen und zusehen müssen, wenn sich am Nachbartisch ein Mensch unter einer z.B. Herzattacke krümmt, feuert dieser Hirnbereich in uns wie wild los. Wir empfinden furcht und wollen entweder flüchten oder helfen.
Nicht so der Psycho(Sozio)path. Er empfindet nichts. Aber er kann Emotionen täuschend echt nachspielen. Und er weiß genau, was Recht und Unrecht ist. Er kann also mental krank sein, aber trotzdem schuldfähig. Ein endloser Streitpunkt der modernen Rechtsprechung. Bis dahin müssen wir uns daran gewöhnen. Soziopathen sind überall: Unsere Nachbarn, unsere Vorgesetzte, Verwandte, Freunde …

Aber kein Grund in eine voll erblühte schizophrene Paranoia auszubrechen. Diese Krankheit des Gehirns (und somit des Geistes) könnte ein weiterer Grund für die Entstehung von Serienkillern sein.

Manche behaupten, dass Serienkiller nicht als solche geboren werden, sondern dass die Umwelt sie zu solchen macht. Andere widersprechen. Wenn ein Kind bereits mit sieben Jahren ausgiebige Tötungsfantasien gegenüber seinen Eltern hat, vermischt mit kannibalistischen Vorstellungen, dann liegt es nicht an der Erziehung, am Computer, am Internetoder am lokalen Schützenverein: es kann in der Tat ein „natural born killer“ sein.

Copyright der Bilder: Bettmann/CORBIS