Was ist ein Psychopath?




„Während er ihr die Zunge abgebissen hat ist weder sein Blutdruck gestiegen, noch sein Puls schneller geworden.“

Diese Worte kommentieren in Thomas Harris‘ „Das Schweigen der Lämmer“ den Geisteszustand des Psychopathen und Kannibalen Hannibal Lecter.

Ein weiteres Buch, das sich Psychopathen vornimmt, ist Joseph Wambaughs „The Blooding“, worin er die erste große Fahndung in Sachen genetischer Fingerabdruck in nervenzerreibender Authentizität schildert.

Was ist aber nun ein Psychopath? Die englische Oxford Psychologist Press hatte 1996 eine Umfrage mit dem Titel „Sind Sie mit einem Psychopathen verheiratet?“ veröffentlicht. Das Ergebnis war Besorgnis erregend: Ein Sechstel aller britischen Manager erfüllten die diagnostischen Kriterien einer „antisozialen Persönlichkeit“ (wie der Psychopath in der heutigen offiziellen Bezeichnung heißt)

Aber was GENAU ist denn nun ein Psychopath? Einer der sabbernd mit rollenden Augen und mit blutverschmiertem Hemd und einer Axt durch die Nachbarschaft rennt?

Mitnichten!

Die Autorin Shirley Lynn Scott meint: Wenn wir einen gefährlichen, psychoptahischen Mann suchen, dann sollen wir auf die Adretten, die Unscheinbaren, die scheinbar Harmlosen achten.

Die Neurochemie eines Psychopathen wird mittlerweile als teilweise erforscht betrachtet. Bestimmte Teile des Gehirns (wie das Stirnhirn) haben „Läsionen“, also Schädigungen. Andere (wie die im limbischen System sitzende Amygdala) sind regelrecht unterentwickelt und „feuern“ nicht so, wie sie sollten.

Im Cafehaus

Nehmen wir an, wir sitzen im Cafehaus und der Mann am Nachbartisch krümmt sich urplötzlich unter den schmerzen einer Herzattacke. Die krümmende Bewegung, das Stöhnen, sein Gesichtsausdruck, nimmt unser Wahrnehmungsapparat wahr und sendet alles blitzschnell an unser „Säugetierhirn“, dem limbischen System. Dort beginnt die Amygdala (bekannt auch als Mandelkern) sofort zu feuern. Wir bekommen Angst, Adrenalin wird ausgestoßen, ebenso Cortisol, der Blutdruck steigt, der Puls schlägt schneller. Unser Gehirn weiß: „Das sieht nach Gefahr aus“, und lässt und 2 Möglichkeiten: Flucht oder Angriff. Bei letzterem würden wir dem Mann vielleicht helfen.

Der Psychopath empfindet nichts. seine Amygdala feuert nicht. Er WEISS zwar, dass dies eine Situation ist, bei der „Bedroffenheit oer Schreck“ heucheln sollte (um nicht aufzufallen), aber er sieht nicht ein, WIESO.

Ein Psychopath wie der Engländer Fred West erklärt der Polizei unter Lachen, wie es sich anhörte, als er den Kopf seiner Tochter durch Drehen von der Wirbelsäule getrennt hatte. Er fühlt nichts dabei. Aber er WEISS, dass die Gesellschaft es vielleicht nicht akzeptiert.

Er zeichnet sich durch Gefühlskälte, Gewalttätigkeit, mangelndes Einfühlungsvermögen, Unaufrichtigkeit, gesteigerte Risikobereitschaft (mangelnde Angst, Furchtlosigkeit) und Gewissenlosigkeit aus.

Krank oder schuldfähig?

Urteilt selbst: Da ist ein psychopathischer Killer, der u. U. noch an einer akuten Schizophrenie leidet und eine ganze Familie mit Messern auslöscht, der nichts dabei empfindet (außer vielleicht sexuelle Erregung, aber bestimmt keine REUE), aber genau WEISS, dass er gegen das Gesetz gehandelt hat. Schuldig, oder schuldunfähig?

Der amerikanische Kindermörder Albert Fish (der unzweifelahft zu den übelsten Exponaten dieser Spezies gehört), plädierte vor Gericht auf „wahnsinnig“. Sein Anwalt fragte die Jury „Ist es NORMAL, dass ein Mann diese toten Kinder aufisst? Ist es normal, dass ein Mann seine eigenen Fäkalien isst?“

Der Psychiater Wertham antwortete draufhin: „Es ist durchaus Gang und Gäbe, dass Menschen ihre eigenen Fäkalien essen. Mindestens ein prominenter Besucher dieses Prozesses ist mir bekannt, der seinen Kot gerne zu einer Schüssel Salat isst.“

Der Anwalt konterte: „Fish ist nicht schuldfähig! Auch ein Eichhörnchen weiß, was es tut, wenn es Vorräte sammelt und würde dennoch vor keinem Gericht schuldfähig gesprochen.“

Der Apell, dass die „animalische Seite“ seines Klienten, ihn zu diesen abscheulichen Greueltaten gebracht hatte, wurde von der Jury verworfen. Selten waren sich Geschworene so schnell einig.

Einer von ihnen sagte zur Presse:

„Natürlich ist Fish ein Verrückter, aber er soll dennoch auf dem Stuhl enden.“

Was dann auch geschah.

Der Psychopath ist unfähig, die Gefühle anderer Menschen nachzuempfinden. Aber er kann sie imitieren!

Manche Forscher denken, dass diese antisoziale Störung Produkt eiuner Verletzung ist, andere sagen wiederum führen sie auf einen Mangel an mütterlicher Bindung zurück.

Andere sagen wieder, dass diese „Verformung des Geistes“ nichts weiter ist, als ein Produkt der Evolution. Anhänger dieser Theorie, nennen das Gewalttätigkeits- und Gefühlslosigkeitsphänomen SYNDROM E, und fürhen darauf die schrecklichsten Massaker der Menscheit zurück, wie der Bürgerkrieg in Ruanda, Auschwitz oder der Genozid am armenischen Volk durch die Türken.