Das Kitty Genovese Syndrom




In den 60er Jahren wurde sich das schläfrige kleine Städchen New York durch eine entsetzliche Tat auf einen Schlag bewusst, was man den „düsteren Teil“ einer urbanen Gesellschaft nennen kann.

Die 28jährige Restaurantmanagerin Catherine Genovese wohnte in einem Appartment in Queens aber sie fühlte sich, trotz der gehobenen Mittelklasse Umgebung nur sicher, wenn sie ihren Nachhauseweg in ihrem eigenen Wagen antreten konnte.

Am 13. März 1964 parkte sie ihren Fiat um 3 Uhr 15 nur sechs Meter von ihrer Haustür entfernt. Schleunig (die Stra0e wurde von dunklen Bäumen umsäumt) machte sie sich auf ihren Weg nach Hause, kramte bereits in ihrer Tasche nach dem Schlüssel, als sie eine dunkle Figur bemerkte, die mit einem gezückten Messer hinter ihr her war.

Kitty versuchte, die letzten Meter zu ihrer Haustür zu rennen, blieb allerdings an einer Polizei-Notrufsäule stehen, um eventuell nach Hilfe zu rufen.

„Ich konnte sehr viel schneller als sie rennen und ich sprang auf ihren Rücken und stach ein paar Mal auf sie ein!“

sagte der Mörder später zu den Cops. Kitty schrie laut:
„Oh mein Gott, er hat mich erstochen! Bitte helft mir! Bitte helft mir!“

In vielen Appartmentfenstern gingen daraufhin die Lichter an, Fenster wurden geöffnet. Eine der Zeuginnen sagte später aus: „Sie schrie noch einmal und lag dann wimmernd auf der Straße.“

Robert Mozer lebte im 7. Stock desselben Appartments öffnete sein Fenster und schrie: „Hey, lass das Mädchen in Ruhe!“, woraufhin der Angreifer von Kitty abließ und verschwand.

Die Straße war wieder ruhig. Man konnte nur das Wimmern der jungen Frau hören, die vergeblich versuchte, ihre Haustür zu erreichen.

Innerhalb von fünf Minuten erschien der Angreifer wieder und stach abermals auf Kitty ein und verschwand anschließend in einem weißen Chevy.

Aufgeschreckt durch das erneute Hilfeschreien, öffneten die Nachbarn abermals ihre Fenster und starrten auf die dunkle Straße, um etwas erkennen zu können.
Einer der Mieter, Mr. Koshkin, wollte sofort die Polizei rufen. Seine Frau sagte später zu der Presse: „Ich ließ ihn nicht anrufen. Ich sagte ihm, dass da schon mindestens 30 Leute angerufen haben müssen.“

Zehn Minuten später schleppte sich Kitty, schwer blutend zu ihrer Haustür, immer noch von (wie sich später herausstellte ACHTUNDDREISSIG ZEUGEN beobachtet).

Kitty brach im Vestibül des Hauses zusammen. Und schleppte sich auf allen Vieren zu ihrer Wohnung. Da kehrte der Angreifer ein drittes Mal zurück.
„Ich kam zurück, weil ich anscheinend noch nicht mit dem fertig war, was ich angefangen hatte.“

Der Mann betrat das Haus in aller Ruhe und folgte der Blutspur am Boden. Kitty lag hinter einer Biegung des Korridors.

Der Mann zerschnitt ihre Kleidung und vergewaltigte sie. Danach nahm er 49 Dollar aus ihrer Börse. „Wieso sollte ich das Geld einfach so wegwerfen?“ sagte er später auf der Straße zu einem Zeugen.

Kitty lebte noch immer und stöhnte am Rande der Bewusstlosigkeit auf dem Boden. Daraufhin stach der Angreifer wie im Blutrausch so lange auf sie ein, bis sie gestorben war.

Ihr Todeskampf dauerte 35 Minuten. Catherine Genovese war das dritte Opfer des Mannes.
Es dauerte noch enige weitere Minuten, bis ein Nachbar endlich die Polizei anrief.

Kitty wäre bei einem rechtzeitigen Anruf bei der Polizei oder Feuerwehr noch zu retten gewesen. Aber viele der beteiligten Zeugen gaben später an, nicht in das Geschehen „verwickelt werden“ zu wollen.

Eine öffentliche Vergewaltigung an einem jungen Mädchen ist in Deutschland vor wenigen Wochen geschehen. Die Tat fand in einem offenen Hauseingang statt. Mitten in der Fußgängerzone. Mindestens fünf Männer sahen tatenlos der Vergewaltigung zu.

Pluralisierende Ignoranz!

Einer der führenden Kriminalpsychiater, Dr. Karl Menninger (Gründer der Menninger Klinik in Topeca) sagte dazu:“

„Öffentliche Apathie gegenüber einem Verbrechen ist ebenso ein Ausdruck von Aggressivität.“

Der Mörder, Winston Moseley, sitzt heute immer noch in einem Hochsicherheitsgefängnis im Norden New Yorks. Im Jahre 2004 wird abermals sein Begnadigungsausschuss über seine Entlassung befinden. Aber Verwandte von Kitty Genovese werden Teil des Ausschusses sein und die Begnadigung für immer verhindern.