Sawney Beane
800 ++ Opfer (manche schätzen die Zahl auf ein Tausend)
Zum ersten Mal traf ich Sawney Beane im Wachsmuseum von Edinburgh. Unter allerlei sagenhaften schwarzen Mönchen und Dämonen, entdeckte ich ein düsteres Diorama, das mich in das südwestliche Galloway des fünfzehnten Jahrhunderts führte. Ich sah nichts Übernatürliches, keine der unzähligen schottischen oder englischen Spukgeschichten, nein, es war schlimmer: es war die Wahrheit.
Zum zweiten Mal tarf ich die Geister des Beane Clans selbst: In den zerklüfteten Felshöhlen von Galloway südwestlich von Edinburgh.
Edinburgh – Geburtsplatz einiger der schlimmsten Dämone des wirklichen Lebens und der Literatur: William Burke und William Hare, die vielleicht Paten standen für R.L. Stevensons „Body Snatcher“, indem sie zahllose Menwchen ermordeten nur um die anatomischen Bedürfnisse der damaligen Medizin zu befriedigen. Oder denken wir an Dr. Jeckyll and Mr Hyde, psychologischer Prototyp vieler bekannter Soziopathen.
Wieder einmal erkannte ich, dass Serienmörder und andere krankhafte Menschenmonster nicht die Ausgeburt eines mobilen, zunehmend entfremdenden Industriezeitalters sind. Aber vielleicht war auch der Held dieser Geschichte nur ein Opfer des ärmlichen, kargen Lebens, wie es in damaligen Zeiten überall in Europa die Menschen ins Elend und somit zu der fürchterlichen Untat des Kannibalismus führte.
Kannibalismus in Europa ist keine Schauermär. Schon die Überlieferung des heiligen Nikolaus aus Myrna, berichtet von einem Wirt, der fahrende Schüler tötet, um sie später seinen Gästen, gebraten und gesotten zu servieren.
Und in Deutschlands der Weimarer Ära gab es allein an bekannten Kannibalen sicher eine Menge: Fritz Haarmann, und Georg Grossmann, sind nur zwei der berüchtigtsten unter den damaligen Schwarmarkt-Fleischverkäufern. Die Dunkelziffer (vor allem auf dem Land und im östlichen Europa) war – und ist- größer, als wir alle es wahrhaben wollen.
Sawney Beane wurde als Spross einer armen Farmerfamilie im späten 14. Jahrhundert wenige Meilen östlich von Edinburgh (East Lothian) geboren, zu Zeiten als Queen Elizabeth herrschte und King James der Regent Schottlands war. Ob er zu der Klasse der „Natural Born Killers“ gehört, ob in seine Kindheit zum Massenmörder machte, oder ob es die schiere Not war, wissen wir nicht.
In alten Schriftstücken hieß es: „Beane was a general reprobate as a youth“, also ein verkommener, verderbter Junge.
Aber es ist denkbar, dass dieser Mann schon sehr früh, sehr düstere Fantasien hatte, denn er brannte mit einer jungen Frau durch, um sich mit ihr in der menschenleeren Klippenküste Galloways zu verstecken.
Das Versteck war ein großer Höhlenkomplex, dessen Haupteingang bei Flut unter Meerwasser lag. Beane und seine Frau hatten hier von vorherein nur eine einzige Überlebenschance: Wanderer und Reisende auszurauben, um von diesem Geld in nahegelegenen Marktflecken Nahrung und andere lebensnotwendige Dinge zu kaufen. Kleidung stahlen sie von ihren Opfer.
Dabei gaben sie sich als Farmersehepaar aus und niemand schöpfte einen Verdacht. Aber die Nachricht durchzogen das Land, dass in Galloway ständig ausgeplünderte Reisende aufgefunden wurden.
Diese Nachrichten erreichten auch Schottland König. Einige „Jagdpartien“ James I.ten indess blieben erfolglos. Niemand fand auch nur die Spur der Ermordeten je wieder.
Die Beanes geruhten derweil, sich in den Höhlen, einsam, kalt und ohne die geringsten Annehmlichkeiten, fortzupflanzen.
Und je größer der Beane-Clan wurde, umso größer wurde ihr Hunger. Beane musste irgendwann einen Heißhunger nach Fleisch verspürt haben, als er die Leiche eines Reisenden mit ihn die Höhlen schleppte und gemeinsam mit der Frau davon aß. (Natürlich berichten die alten Quellen immer darüber, dass sich die Beanes beinahe wölfisch über das ungegarte Fleisch hermachten.
Andererseits – ohne Erziehung, ohne die geringste Berührung mit der Schule der Menschlichkeit, wäre dies zumindest nicht ungewöhnlich.
Manchmal war die (Fleisch)Ausbeute so groß, dass Mutter Beane damit begann, die zerlegten Leichen in Meerwasser einzupökeln.
Nach 25 Jahren Terrorherrschaft über den abgelegenen Landstrich bestand der inzestuöse Beane Clan aus acht Söhnen, sechs Töchtern, 18 Enkeln und 14 Enkelinnen.
Alle, auch die Kleinen beteiligten sich an den Raubzügen. Bis eines Tages einige unheimliche Funde an den Stränden Galloways und im Solway Firth eine Wende einleiteten.
König James I.te von Schottland, ließ vorsorglich jeden auch nur andeutungsweise Verdächtigen hängen. Wie viele Unschuldige dran glauben mussten ist nicht überliefert. Aber die waren zahlreich, die alle möglichen Untaten unter der Folter gestanden.
An vielen Orten tauchten Leichenteile auf. Knochen, Köpfe, Arme und Beine. Natürlich glaubten die Einwohner der Grafschaften zuerst an einen überirdischen Dämon, denn es wurden keine ausgeraubten und getöten Menschen mehr in den Wälder oder auf den Straßen Galloways entdeckt. Sie alle waren wie vom Erdboden verschluckt.
Und Teile von ihnen wurden später an Land geschwemmt.
Es war Jahrmarkt in einem der nahegeliegenen Orte, als eine Ausflugsgesellschaft von 30 Männern und Frauen zum ersten Mal die Beanes in Aktion sahen. Ob es wirklich so abscheulich und dämonisch war, wie berichtet, wissen wir wieder nicht. Aber wir sollten es besser glauben.
Denn die Gesellschaft beobachtete, wie sich einige der Beane Jungen und Mädchen sich an einem Ehepaar zu schaffen machten. Der Mann war noch am Leben und hielt sich einige Beanes mit seinem Vorderlader vom Leibe, derweil seine Frau bereits tot war und von anderen Beanes bereits ausgeweidet wurde. Auch wird berichtet, dass die Jungen Fetzen vom rohen Fleisch der gerade Getöteten verschlangen. Aus ihrer augeschlitzten Kehle tranken die Beane-Frauen das Blut.
(Trotz der zahlenmäßigen Überlegenheit des Clans wurden die Beanes nie übermütig und griffen immer nur höchstens zwei Reiter auf einmal an. Sobald es mehrere waren, ließen sie sie ziehen.)
Die Männer der Gesellschaft begannen die Beanes zu verscheuchen, konnten aber ihre Spur, die irgendwo in den Klippen endete, nicht verfolgen. Die Gesellschaft lauschte mit Entsetzen dem Mann. Und, wie es der Newgate (London) Kalener von 1926 (in einem Nachdruck von Daniel Defoes) berichtet:
„This man, who was the first that had ever fallen in their way and came off alive, told the whole company what had happened, and showed them the horrid spectacle of his wife, whom the murderers had dragged to some distance, but had not time to carry her entirely off. They were all struck with stupefaction and amazement at what he related, took him with them to Glasgow, and told the affair to the provost of that city, who immediately sent to the King concerning it. “
Aber James I.te wurde von dem Vorfall benachrichtigt.
Weiter berichtet der Newgate-Kalnder (eine Sammlung kriminologischer Fallstudien für Anwälte und Kriminologen) aus der alten Überlieferung von Dafoe: (Übersetzung – Helmut Halfmann)
„Nach ungefähr drei oder vier Tagen, brach der König selbst, und mit ihm ungefähr einhundert Männer auf, um zum Platz der Tragödie zu reisen. Sie waren fest entschlossen, die höllische Brut, die sein westliches Königreich so lange bedroht hatte, diesmal in den Felsspalten und Unterhölzern der Gegend aufzuscheuchen.
Der überlebende Mann war ihr Anführer bei der Suche, und sie hatten eine große Zahl Bluthunde [Bloodhounds] dabei, damit auch ja keiner der Gesuchten entkäme.
Aber sie fanden keine Anzeichen menschlicher Behausung. Nichts. Selbst nicht als sie bei den zerklüfteten Klippen standen.
Einige der Hunde jedoch schlugen an und brachen auf der Stelle in lautes Gebell und Geheule aus, denn sie hatten eine Höhlenöffnung entdeckt.
Aber die Jäger konnten sich immer noch nicht vorstellen, dass hier irgend ein menschliches Wesen hausen konnte.
Aber die Hunde hörten nicht auf mit ihrem Geheul und wollten auch nicht mehr aus der Höhle heraus, so dass man Fackeln entzündete und ihnen tiefer in den Fels folgte.
Langsam arbeiteten sich die Männer durch alle Biegungen und Gänge dieser Höhle und erreichten schließlich den Teil, der am meisten von der Welt abgeschnitten war, und der als Behausung jener Monstren diente.
Soviel Männer wie möglich stürmten jetzt nach vorne und sie waren alle so derart entsetzt von dem, das sie vorfanden, dass viele von ihnen zu Boden sanken.
Beine, Arme, Hüften, Hände und Füße von Männern, Frauen und Kindern waren in Reihen zum Dörren aufgehängt, wie getrocknetes Rindfleisch.
Eine große Anzahl von Gliedmaßen war eingesalzen.
Und man fand eine große Anzahl an Uhren und Geld, in Gold oder Silber, und eine reiche Zahl an Kleidern (beides, aus Leinen oder Wolle), Ringen, Schwertern und unzähligen anderen Dingen, die den Ermordeten geraubt wurden.
[…]
Alle 48 Mitglieder der [Beane]-Familie wurden auf der Stelle verhört und gefoltert. Die menschlichen Überreste der Gemordeten wurden beerdigt, und man kehrte mit allen Gefangenen nach Edinburgh zurück. Auf dem ganzen Weg standen Schaulustige in Herden und starrten auf den verderbten Clan.
Am Tag darauf brachte man die Gefangenen nach Leith, wo man sie ohne einen Prozess hinrichtete.
Denn männlichen Beanes wurden die Arme und Beine vom Körper getrennt, worauf diese innerhalb weniger Stunden verblutet waren. Die Ehefrau, Töchter und Enkelinnen zwang man dazu, all dies mitansehen zu müssen. Danach wurden sie bei lebendigem Leibe in drei verschiedenen Feuern verbrannt.
Sie alle starben ohne das geringste Bereuen der Taten. Im Gegenteil: Sie fuhren mit ihrem Fluchen und Beschimpfen fort, bis sie tot waren.
[FROM: The Newgate Calendar. Intr. by Clive Emsley. Ware, Hertfordshire: Wordsworth Classics of World Literature 1997. XVI / 336 S. Kart. £ 2.99.
ISBN 1-85326-774-0. ]
Angeblich wurde die Asche der gesamten Familie, nach dem Verbrennen ins Meer gestreut.
Die Geschichte von Sawney Beane wurde 1734 zum ersten Mal veröffentlich als “ A general history of the lives and adventures of the most famous highwaymen, murderers, street-robbers, & c.“ … by Captain Charles Johnson (Daniel Defoe)“
Besucht dasEdinburgh Dungeon of Horrors (House of Wax)
31. Market Street (next to Waverley Bridge), Edinburgh
Deep in the heart of Scotland, buried beneath the paving stones of Edinburgh, lies the world’s most chillingly famous horror attraction. Step through its imposing portal and you are at once transported to the darker, sinister side of Scotland’s turbulent and troubled past.
Terror and torture, mutilation and mass murder, persecution and pestilence: scenes from the more terrible chapters of centuries of Scottish history envelop you in all their grisly and gruesome detail.
Witch-hunters, grave-robbers, murderers, cannibals, executioners – you will find them all here, along with their wretched victims. And remember, as you wander further into the Dungeon’s grim and bloody depths, all that you see and experience really happened – much of it disconcertingly close by. In these deep shadows and dark caverns, it’s wise to keep your wits about you. Some of the dead have an unnerving habit of coming back to life…