Das Lateinische Kindheitsevangeliums

Kapitel 13:

(1) Es geschah aber nach einer kurzen Zeit, daß eine Anmeldung erfolgen mußte aufgrund eines Ediktes des Kaisers Augustus, daß jeder sich in seiner Heimat melden mußte. Diese Anmeldung wurde durchgeführt unter Quirinius, dem Statthalter Syriens. Es war erforderlich, daß Josef sich mit Maria in Betlehem meldete, weil er von dort stammte und Maria aus dem Stamm Jude und dem Haus und der Heimatstadt Davids (kam).

(2) (...) Und dort gebar sie einen Knaben, den Engel umstanden während und nach seiner Geburt. Sie sprachen: ,,Ehre sei Gott in der Höhe, und auf Erden Friede den Menschen seiner Huld!"

(6) Auch Schafhirten versicherten, sie hätten Engel gesehen, die mitten in der Nacht einen Hymnus sangen, Gott im Himmel lobten und priesen und verkündigten, der Heiland aller sei geboren: der Herr Christus, in dem das Heil Israels wiederhergestellt wird.

(7) Aber auch ein ungeheuer heller Stern leuchtete vom Abend bis zum Morgen über der Höhle, der so groß war, wie man noch keinen gesehen hat seit Erschaffung der Welt. Und Propheten, die in Jerusalem waren, sagten, daß dieser Stern die Geburt Christi anzeige, der nicht nur für Israel die Verheißung verwirklichen werde, sondern für alle Völker.

Kapitel 14:

Am dritten Tag der Geburt des Herrn verließ Maria die Höhle und gingen in einen Stall. Sie legte den Knaben in eine Krippe; Ochs und Esel huldigtem ihm. Da ging in Erfüllung, was der Prophet Jesaja gesagt hatte: ,,Es kennt der Ochse seinen Besitzer und der Esel in der Krippe seinen Herrn." Die Tiere nahmen ihn in ihre Mitte und huldigten ihm ohne Unterlaß. So erfüllte sich der Ausspruch des Propheten Habakuk: ,,In der Mitte zwischen zwei Tieren wirst du bekannt werden." An demselben Platz blieben Josef und Maria mit dem Kind drei Tage lang.

Kapitel 15:

(1) Am sechsten Tag gingen sie nach Betlehem hinein, wo sie am siebten Tag weilten. Am achten Tag aber beschnitt man den Knaben und nannte ihn Jesus, wie er vom Engel genannt worden war, noch vor der Empfängnis im Schoß (seiner Mutter). Nachdem für Maria die Tage der Reinigung nach dem Gesetz des Mose vorbei waren, brachte Josef das Kind in den Tempel des Herren. Als das Kind die Beschneidung empfangen hatte, brachten sie für es zwei Turteltauben und zwei junge Tauben als Opfer dar.

(2) Es befand sich aber im Tempel ein vollkommener und gerechter Gottesmann namens Simeon, einhundertundzwölf Jahre alt. Er hatte vom Herrn den Bescheid erhalten, er werden den Tod nicht kosten, ehe er Christus, den Sohn Gottes im Fleische, gesehen habe. Als er das Kind sah, rief er mit lauter Stimme: ,,Heimgesucht hat Gott sein Volk und erfüllt hat der Herr sein Versprechen." Er eilte hinzu und betete das Kind an. Und danach nahm er es auf in seinen Mantel, betete es wieder an, küßte ihm die Fußsohlen und sprach: ,,Nun, Herr, entläßt du deinen Knecht gemäß deinem Wort in Frieden; denn meine Augen haben dein Heil gesehen, das du vor dem Angesicht aller Völker bereitet hast: ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und Herrlichkeit für dein Volk Israel.

(3) Im Tempel des Herrn befand sich auch die Prophetin Hanna, eine Tochter Penuels aus dem Stamme Ascher. Sie hatte mit ihrem Mann nach ihrer Zeit als Jungfrau sieben Jahre gelebt; sie war Witwe, nun schon vierundachtzig Jahre. Niemals verließ sie den Tempel des Herrn, dem Fasten und dem Gebet hingegeben. Sie trat hinzu, betete das Kind an und sagte, in ihm sei die Erlösung der Welt.

Kapitel 16:

(1) Nach zwei Jahren kamen Magier aus dem Morgenland nach Jerusalem und brachten ansehnliche Geschenke. Sie befragten die Juden eindringlich und sagten: ,,Wo befindet sich der König, der euch geboren worden ist? Wir haben nämlich seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihm zu huldigen." Dieses Gerücht gelangte zum König Herodes. Er geriet dermaßen in Schrecken, daß er (Boten) zu den Schriftkundigen, den Pharisäern und den Lehrern des Volkes schickte, damit er herausbekomme, wo nach der Voraussage der Propheten Christus geboren werden sollte. Sie sagten ihm: ,,In Betlehem in Judäa. So nämlich steht geschrieben: Und du, Betlehem in Juda, bist keineswegs die geringste unter den Fürstenstädten Judas. Denn aus dir wird hervorgehen der Führer, der mein Volk Isarel regieren wird." Da ließ Herodes die Magier kommen und forschte bei ihnen sorgfältig nach dem Termin, zu dem sie den Stern entdeckten. Er schickte sie nach Betlehem und sagte: ,,Geht und fragt sorgfältig nach dem Knaben! Und wenn ihr ihn gefunden habt, macht mir Meldung, damit auch ich hingehe und ihm huldige!"

(2) Als sich die Magier auf dem Weg befanden, erschien ihnen der Stern. Er zog ihnen voraus, als wenn er ihnen als Herold diene, bis sie zu der Stelle kamen, wo sich der Knabe befand. Als sie aber den Stern erblickten, ergriff sie eine große Freude. Sie betraten das Haus und fanden das Jesuskind auf dem Schoß der Mutter sitzend. Dann taten sie ihre Schätze auf, und mit ungeheuer wertvollen Gaben beschenkten sie Maria und Josef. Dem Kind selbst aber brachten sie jeder ein Goldstück dar. Danach überreichte einer Gold, der andere Weihrauch und der dritte Myrrhe. Als sie zu Herodes zurückkehren wollten, wurden sie bei Nacht von einem Engel davor gewarnt, wieder zu Herodes zu gehen. Sie indessen huldigtem dem Kind in aller Freude, und auf einem anderen Weg kehrten sie in ihr Land zurück.

Kapitel 17:

(1) Als Herodes sah, daß die Magier mit ihm ihr Spiel getrieben hatten, entbrannte sein Herz vor Zorn. Er schickte die Häscher auf alle Straßen, um sie zu verhaften und umzubringen. Als er sie überhaupt nicht ausfindig machen konnte, schickte er (Schergen) nach Betlehem und ließ alle Kinder von zwei Jahren und jünger ermorden, entsprechend der Zeit, die er von den Magiern erfragt hatte.

(2) Einen Tag, bevor das geschehen sollte, wurde Josef im Schlaf von einem Engel des Herrn ermahnt, der ihm sagte: "Nimm Maria und das Kind, und zieh auf einer abgelegenen Straße nach Ägypten!" Josef aber machte sich auf den Weg, wie ihm der Engel geboten hatte.f mein Angesicht und betete an. Danach ging ich nach draußen. Josef aber wickelte das Kind in Windeln und legte es in einer Krippe."

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