Siebter Tag


Lied des Tages:
"In dulci jubilo"

Christmas Goat, Julbock LIVE aus Gävle, Schweden





Mittwinter und Jul

Man kann sich vorstellen, dass auf der Nordhalbkugel in der Mittwinterzeit die Spukgestalten Hochkonjunktur hatten. Das war noch bevor Wissenschaft und elektrischer Strom Einzug ins alltägliche Dasein fanden. Damals (und mancherorts auch heute noch) hielt man allerlei Riten ab, um die Sonne wieder ordentlich an den Himmel zu bringen. Man entzündete Feuer, setzte sich schröckliche Masken auf, um die üblen Geister zu vertreiben und beschwor die Erde, wieder grün zu werden. Aus diesen Zeiten stammen noch die heutigen Gebräuche in den Rauhnächten.

Der Julblock wird heimgeholt Natürlich versuchten die Nazis, die nordischen Gebräuche um Mittwinter als den eigentlichen Ursprung des Weihnachtsfestes zu definieren. Genauso, wie sie versuchten zu beweisen, dass die Erde hohl sei und wir in der Innenseite lebten. Das ist blanker Unsinn, der sich aber noch bis heute in den Köpfen auch nicht-nazistischer Leutchen verkapselt hat. Vorgänger des Weihnachtsfestes waren die römischen Saturnalien (Erntefeste, bei denen Kerzen angezündet und Geschenke verteilt wurden) und das ebenfalls römiosche Fest des "Sol Invictus", der unbesiegbaren Sonne, das auf den 25. Dezember fiel.

Als der Apostel Bonifatius im Jahre 754 in Friesland erschlagen wurde, feierte man in der römischen Welt schon seit mindestens 418 Jahren Weihnachten, indem der 25. Dezember als der geburtstag Christi veranschlagt wurde. Das Wort "Jul" iost in seinem Ursprung noch ungeklärt. Es bezeichnet im skandinavischen Sprachraum Weihnachten, aber auch ebenso im Finnischen, wobei beide Sprachen nicht miteinander verwandt sind. Der isländische Dichter Snorri Sturluson (1178-1241) schrieb, dass der Gott Odin (Wotan) drei Opfergelage im Jahr forderte, wovon eines das Jultrinken um die Mittwinterzeit gewesen wäre. Allerdings war Island zu Sturlusons Zeiten schon seit 200 Jahren christianisiert, was dem braunen Gedankengut, Weihnachten sei die Fortsetzung von Jul wieder einigen Treibstoff entzieht.

In früheren Zeiten wurde im Winter der Julblock (siehe Bild) ins Haus geholt, wo er mit Wein gesegnet, die ganzen Feiertage über brennen musste. Seine Asche galt als segensreich.

Der Julbock

In alten Zeiten, als die Germanen das Fest der Wintersonnwende, das Julfest, feierten, wurden in der Mittwinternacht große Sonnenräder aus Holz und Stroh angezündet und über die Hänge in die Täler gerollt.

An ihren heiligen Flammen wurde auch der Julblock entzündet, ein Baumstumpf aus Eiche der im Boden bei der Feuerstelle vergraben wurde und der (auch noch in christlichen Zeiten, dann aber eher aus Apfelbaumholz) das Weihnachtsfest über Wärme spenden sollte. Die Asche des Julblocks war ebenfalls heilig und vor allem wundertätig, half sie gegen Krankheiten und brachte gute Ernte.

Der Julbock nun, ein eigens gemästeter Schafbock galt als Opfer für Wotan persönlich.

Heute noch bringt in Finland der Julbock den Kindern ihre Geschenke.

Bild: der riesige Julbock in Gaevle, Schweden

Wotan in den Rauhnächten (Brauchtümer)

Wotan (Woda, Wut, Wudil, Wuterwald) erscheint als Zukunftskündiger:
In den Rauhnächten (Die Tage vom 21. Dezember bis zum 6. Januar) werden alle Räumlichkeiten unter Gebeten und Sprüchen beräuchert und mit Weihwasser besprengt.

Um Mitternacht geht man hinaus auf einen kreuzweg, um in die Zukunft zu schauen. Ein weißes Ross (in Norddeutschland auch als "Schimmelreiter" bekannt) sieht man voraustraben, aber man darf demselben nicht folgen, sondern gerade vor sich hinschauend muss man aus dem, was man sieht die Zukunft zu ergründen suchen.

Sieht man das weiße Pferd nicht, so erfährt man nichts Zukünftiges; man muss daher hingehen, bis man das Pferd an der Spitze des Zuges (des "wilden Heeres") erblickt.

Oft hört man in diesen Nächten Hörnerruf und Hundegebell, das nenn man die Wild Jegd.

Bei Tage sieht man dann Blutspuren, die von den erlegten und verwundeten Tieren herrühren sollen.

Bild links: Wotan auf dem Thron