imt (1).

Und wer soll den ganzen Zimt bezahlen? Illustration von Norman Rockwell "ZIMT, m., wegwerfender ausdruck für wertloses zeug, unsinn; anscheinend vor 1880 in Berliner literatenkreisen aufgekommen, vgl.: zimmt unsinn richtig. Berliner (31880) 46b; festlichkeit, unsinn (71911) 155b und 71a. die bedeutungsangabe 'festlichkeit' scheint nicht genau, wenigstens dürfte in ihr die vorstellung des übertriebenen, hohlen aufwandes enthalten sein, so dasz sich daran die in den belegen faszbaren bedeutungen 'wertloses zeug', 'geringe leistung', 'unnötige umstände' anschlieszen lieszen;"

So schreiben die Gebrüder Grimm in ihrem "Deutschen Wörterbuch" 1854. Passt doch wie die Faust aufs Auge zur Jahreszeit. Schade, dass der Ausdruck nicht mehr gebräuchlich ist. Sonst könnte man z.B. beim Weihnachtsshopping schreien: "Und wer soll den ganzen Zimt bezahlen???"





imt (2).

fein gerollte Zimtrinde Was wir so tagein tagaus an Zimt verputzen, ist in wiklichkeit gar keiner, sondern Cassia, allebeide Lorbeergewächse. Cassia um einiges billiger und leichter zu ernten als Zimt schmeckt dafür intensiver und wird von Industrie- (und anderen) bäckereien heutzutage wie wild verschwendet. Vergliche man einen Zimtstern von meiner Oma (Gott hab sie selig!) mit einem dieser Zimtbomber die so verlockend aus den Weihnachtsregalen der Discounterketten spitzen, man würde befremdlich aus der Wäsche gucken. "Deine Oma hat ja da gar nix drinne!".

In meiner Lehre als Koch benutzten wir noch "Messerspitzen" anstelle von gehäuften Esslöffeln, aber so geht das ja mit allem: Auch der Gehalt an Salz in unserer Nahrung ist um ein Vielfaches gestiegen. Würden wir z.B. ein Stück Brot essen, wie es in den sechzigern gebacken wurde, empfänden wir es als fade. Auch die Martinshörner sind seitdem doppelt so laut geworden.

Zurück zum Zimt. Cassia, die verlockende, billige Cousine, ist zwar geschmacksintensiver, aber auch gesundheitsschädlicher, was besonders die Kinder angeht. Der Gehalt an Cumarin (dasselbe Zeugs, das auch in Waldmeister drinne ist) bringt so einen Kindermagen ziemlich schnell zum Kotzen. So raten auch Ernährungsexperten nur zu einem Industriezimtstern pro Tag! Oh tempora oh mores!

Echter Zimt sieht gemahlen heller aus als Cassia. Will man ganz sicher gehen, kaufe man Zimtstangen. Allerdings lassen diese sich partout nicht mahlen. AUch nicht in der Kaffeemühle.

Zimt und Cassia: Bild oben links zeigt echten Zimt, oben rechts die Cassiarinde


itrusfrüchte.

Die vielseitige Clementine Sie gehören zur Weihnachtszeit wie der oben erwähnte Zimt. Ich will mich hier nicht in eine Abhandlung ihrer Botanik versteigen. Wichtig ist nur: sie sind ja sooooooo gut und ohne sie könnte ich Weihnachten und den Winter nicht überstehen. Da gibts zum einen die Orange in ihrer Form als Ess- und Saftorange, die Zitrone und die von mir so verehrte Clementine. Letztere stammt aus der Familie der Mandarinen und ist in der Küche eine echte Vielzweckwaffe. Probiert es mal aus: bei Rezepten, in denen Orangensaft verwendet wird, diesen durch Clementinensaft zu ersetzen: der passt in Glühwein, in Kürbissuppe, in Zuckerguss, in Kuchen, Cremes, Torten und Desserts.

Clementinen sind eine Kreuzung aus Mandarine und Pomeranze, einer Bitterorangenart. Clementinen wurden erst 1912 in Algerien von Révérend Père Clément (Vincent Rodier 1829 - 1904), der den Gartenbaubetrieb des Waisenhauses von Misserghin (bei Oran im damalig französischen Algerien) leitete, entdeckt. Sie haben eine tieforange dünne Schale, das Fruchtfleisch ist weitgehend kernlos und süß.


wölftnächte.

Szene aus Was Ihr Wollt (Twelfth Night) So heißt man die Nächte zwischen dem 25. Dezember und dem sechsten Januar. Allerdings beginnen sie regional verschieden: manchmal bereits schon mit der Luziennacht zum 13. Dezember oder der Thomasnacht zum 21. Dezember. Egal wieviele es nun wirklich sind: ihr Ursprung liegt in alten kalendarischen Systemen, die sich nach dem Mond richteten. Auf diese Weise blieben am Ende des Jahres einfach ein paar Tage über (das war schon bei den Maya so), die weder zum alten noch zum neuen Jahr gehörten. ("Zwischen den jahren"). Die "Zwölften" sind identisch mit den Rauhnächten und gelten als besonders zauberkräftige und unheimliche Losnächte

William Shakespeare hat in seinem Stück "Was Ihr Wollt" (im Original "Twelfth Night" diesen Zaubernächten ein Denkmal gesetzt. Sinn: Das Leben ist voller Trauaer. Die besten Jahre deines Lebens sind von kurzer Dauer. Besondere Ereignisse sind meist grausam. Andere Leute sind meist grausam. In einer solchen Welt ist es deine Pflicht, die wenigen Momente des Glücks voll auszukosten.

So ist das mit den meisten guten Komödien!

Bild oben rechts: R Staines Malvolio: Shakespeare Twelfth Night







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