eihnachten.

Krippenszene "Diu gnâde diu anegengete sih an dirre naht: von diu heizet si diu wîhe naht.“ („Die Gnade (Gottes) kam zu uns in dieser Nacht: deshalb heißt diese nunmehr Weihnacht.“) so wird laut Grimms Wörterbuch im Jahre 1170 zum ersten Mal von "Weihnachten" geredet. Und weiter heißt es dort dass der erste Wortteil "weih" von weich = heilig, gotisch weihs, althochdeutsch wîh, mittelhochdeutsch wîch abgeleitet wird. Einige Sprachforscher stellen *wich-a-z als Partizip passiv zur Wurzel wîq (weichen), so dass es sich um ein von der Herde abgesondertes Opfertier handele und verweisen auf das lateinische victima (Opfer).

Luther dachte dabei eher an "wiegen" und sprach von "Wygenachten", "da wir das kindlein wiegen" und Theodor Storm machte daraus ein Verb: "Es weihnachtet sehr". Wie ich an anderen Stellen dieses ABCs bereits geschrieben habe, geht der Brauch im Mittwinter ein Fest zu feiern weit zurück. Die Ägypter feierten in ihrem Isiskult den Geburtstag des Horus, und im vorderasiatischen Mithraskult wurde an diesem Tag die Geburt des indischen Lichtgottes gefeiert. Die Römer feierten ihre Saturnalien zu Ehren des Gottes Saturn und dann ihr Fest des "Sol Invictus", des unbesiegbaren Sonnengottes. In Nordeuropa zelebrierte man das Julfest, eine Mischung aus Mittwinterfest und Fruchtbarkeitsritualen.

Schon Gegenpapst Hippolyt versuchte ums Jahr 217, all diese Kulte damit zu beseitigen, dass er das Fest der Geburt Christi auf den 25. Dezember verlegte. Durchsetzen konnte dies aber erst Papst Liberius im Jahr 354 Von Rom aus hat sich die Tradition schnell ausgebreitet: Bereits 360 wurde das Fest der Geburt Jesu in Nordafrika, um 370 in Oberitalien, ab 375 im Orient, nach 380 in Spanien gefeiert. Zum Dogma wurde der Termin als Geburtstag Christi im Jahr 381 auf dem 1. Konzil von Konstantinopel erklärt. 562 wurde die Einweihung der Hagia Sophia in Konstantinopel - dem heutigen Istanbul - in der Weihnachtsnacht gefeiert. Im 7./8. Jahrhundert setzte sich dieser Festtag auch in Deutschland durch, die Synode von Mainz erklärte 813 diesen Tag offiziell zum "festum nativitas Christi". Mit ihm begann damals das Kalenderjahr; der 1. Januar wurde erst mit Einführung des Gregorianischen Kalenders im 16. Jahrhundert zum Jahresbeginn. Der 25. Dezember blieb der Tag der Feier der Geburt Christi, obwohl seit Einführung des gregorianischen Kalenders die Wintersonnwende am 21. Dezember ist.


Bild oben links: Gérard David (1460 - 1523)


eihnachtslieder.

Walther von der Vogelweide

Ob nun geliebt oder gehasst: Weihnachtslieder gehören nun mal dazu! Das am meisten verkaufte ist wohl Irvin Berlins "White Christmas", aber welches ist denn nun das älteste? Sicherlich jenes, das die Engel bei der Geburt Christi geschmettert haben: "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen seiner Gnade“.

Dann gibt es da noch "Es ist ein Ros' entsprungen" - aus dem Hymnus des Ambrosius, im 4. Jhdt. entstanden, oder "Es kommt ein Schiff geladen" des Mystikers Johannes Tauler (1308 bis 1361).Das älteste schriftlich überlieferte Weihnachtslied (11. Jh.) ist: „Sei uns willkommen, Herre Christ”. Das Lied „Nun komm, der Heiden Heiland”, das heute am besten in einer Fassung von Martin Luther bekannt ist, die 1524 gedruckt wurde, existiert in deutschen Übersetzungen mindestens seit dem 14. Jahrhundert. Es scheint aber viel älter zu sein: Ihm liegt der altkirchliche Hymnus „Veni redemptor gentium” des Bischofs Ambrosius von Mailand (334 - 397) zugrunde.

Weniger bekannt ist das "Palästinalied" des mittelalterlichen Minnesänger Walther von der Vogelweide, das vermutlich im Jahre 1217 entstanden ist und in Anlehnung an die Kreuzzüge die Geschichte Jesu im Heiligen Land schildert. neben vielen Drohungen gegen Juden unde Heiden" werden Speere, Lanzen und Dorne gepriesen, die das Heilige Land dem rechtmäßigen Erbe, der Christenheit, wieder bringen sollten. Trotz dieser christ-o-manischen Säbelrasselei ist das Palästinalied eine wunderbare Dichtung, von der auch die Melodie erhalten geblieben ist. So heißt es:


 Nu alrêrst lébe ich mir werde,
sît mîn sündic ouge siht
daz here lant und ouch die erde,
der man sô vil êren giht.
ez ist geschehen, des ich ie bat:
ích bin komen an die stat,
dâ got menischlîchen trat.



 	Schoeniu lant, rîch unde hêre,
swaz ich der noch hân gesehen,
sô bist dûs ir aller êre.
waz ist wunders hie geschehen!
daz ein magt ein kint gebar,
hêre über áller engel schar,
wáz daz niht ein wunder gar?
Notensatz Palästinalied



  	Nun erst lebe ich würdig,
seit mein sündiges Auge sieht
das reine Land und auch die Erde,
der man so viel der Ehren gibt.
Mir ist passiert, worum ich stets bat
ich bin an die Stätte gekommen,
wo Gott die Menschwerdung antrat.


  	Schöne Länder, reich und herrlich,
was ich von solchen bis heute gesehen,
so bist du ihrer aller Krone.
Was für ein Wunder ist hier geschehen!
Daß eine Magt ein Kind gebar,
erhaben über aller Engel Schar,
war das nicht ein vollkommenes Wunder?


Hier gibt es die midi Melodie







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