anillekipferl und Vanille.

Aaaa.... selbst gemachte Vanillekipferl Kein Weihnachten ohne Vanillekipferl! Die süßen Hörnchen machen jeden Plätzchenteller zum Hit. Es sei denn man kauft sie im Supermarkt. Nein: Vanillekipferl sind eine solch große Vertrauenssache, dass ich sie nie und nimmer einem Lebensmittelmarkt oder -discounter überlassen würde. Selbstgebacken müssen sie sein. Ja: und jedes einzelne liebevoll in der Handfläche zur Spindel gerollt und zum Hörnchen gebogen!

Als Cortes im Jahre 1520 das erstemal auf Montezuma, den damaligen König der Azteken stieß überraschten ihn drei Dinge: die gigantische Pracht der Hauptstadt Tenochtitlan, die barbarischen Blutopfer und die duftende, betörende Vanilleschote. Die beiden ersten Punkte hakten die Spanier ab, indem sie plünderten, was ging und sich als noch viel größere Barbaren bewiesen. Die Vanille jedoch nahm man als "Königin der Gewürze" mit nach Europa. Man veredelte damit den Tabak und nutzte sie als Nervenheilmittel und Aphrodisiakum.

Cortes hatte nie Vanillekipferl im Sinn! Seit dem frühen 20. Jahrhundert wird die Vanilleschote in Reunion, auf Tahiti, in Teilen Afrikas und auf Madagaskar kultiviert. Bedauerlicherweise wurde 1874 auch das Vanilin erfunden. Ein Großteil des Vanillins wird aus den bei der Papierherstellung anfallenden Sulfitabfällen gewonnen. Die hierin enthaltene Ligninsulfonsäure wird bei erhöhter Temperatur und erhöhtem Druck mit Oxidantien und Alkalien behandelt, wobei unter anderem Vanillin entsteht, das durch Extraktion, Destillation und Kristallisation gereinigt wird.

Und sowas gehört nicht ins Kipferl!!!!

Hier mein Lieblingsrezept. Am besten man lässt die fertig gebackenen Hörnchen noch etwas auf dem Backblech auskühlen. Sie sind am Anfang sehr empfindlich und zerbrechen leicht. Also: mit Liebe und Behutsamkeit behandeln! Die ausgekratzten Vanilleschoten aus dem Rezept, kann man etwas kleinschneiden und mit Zucker durch den Mixer jagen. So hat man selbstgemachten Vanillezucker.

Helmut Halfmanns echte Vanillekipferl

  • 250 gr Butter, kalt und gewürfelt
  • 80 gr Puderzucker
  • Mark von 4 Vanilleschoten
  • 100 gr geriebene Mandeln
  • 280 gr Mehl
  • 3 P Vanillezucker (den echten, mit den schwarzen Punkten)
  • Kristallzucker

Butter, Puderzucker, Vanille, Mandeln und Mehl zu einem Teig verkneten und mind. 1 Std. kalt stellen.

Kleine Kugeln rollen und diese dann in Form kleiner Schupfnudeln bringen. Zurechtbiegen (eben dass sie wie Kipferl aussehen) und sehr hell backen!

Auf einem tablett den Kristallzucker mit dem Vanillezucker mischen und die noch heißen Kipferl darin wälzen


Natürlich kann man Vanille auch für deftige Gerichte benutzen. Sehr gut passt sie zu Shrimps. Probiert mal folgendes Rezept für Appetithäppchen aus:

Crostini mit Vanille-Shrimps

  • 1 kleines Baguette, in fingerdicke Scheiben geschnitten und leicht getoastet
  • 120 gr gereifter Gruyerekäse in dünne Späne gehobelt
  • 350 gr rohe Garnelen (große) Echte Vanilleschoten
  • 1/2 Glas Weißwein
  • 4 EL Butter
  • Mark 2er Vanilleschoten
  • 1 EL rote Pfefferbeerchen grob zerstoßen
  • 8 Blätter Basilikum, klein gezupft

Zwei Esslöffel Butter in einer Pfanne zerlassen und die Shrimps darin bei mittlerer Hitze anbraten, bis sie schön rosa sind. Schrimps aus der Pfanne nehmen.

Mit Weißwein ablöschen. Vanille und rose Pfeffer zugeben und alles dick einkochen lassen. Am Schluss die restl. Butter (sie sollte möglichst eiskalt sein) unter Schwenken in die Sauce geben. Diese sollte jetzt samtig-sirupig sein. Basilikum zugeben.

Die Brotscheiben mit der Sauce bepinseln. Die Käsespäne darauf Verteilen. Mit den Shrimps belegen und nochmal mit der Sauce einpinseln.





orfreude.

Vorfreude

Der eigentliche Höhepunkt unseres weihnachtlichen Wirkens ist eigentlich die Vorfreude. Oder sollte es sein. Es gibt ja mittlerweile für alles Handbücher und Anleitungen und ich bin mir sicher, dass irgendwo in den Eingeweiden von Amazon Logistik Headquarters ein Bändchen namens "Vorfreude für Dummies" rumliegt. Es IST aber auch schwer den rechten Weg durch das Konsumgestrüpp zu schlagen, der zur weihnachtlichen Vorfreude führt. Da fällt mir ein Zitat von Robert Frost ein: "Im tiefen Wald, zwei Pfade boten sich mir dar, ich wählte den, der weniger betreten war".

Das ist schonmal ein guter Anfang: Pfade gehen, nicht auf AUtobahnen entlangwalzen. Keine Trampelpfade. Man erkennt die rechten Wege an ihrer Stille und Einsamkeit. Nein, ich will hier nicht dem Eremitentum predigen, sondern nur dazu anhalten, die Stille zu suchen (was schon an sich ein recht schwieriger Job ist), um innezuhalten und zu lauschen. Dann hört man - fern von Autorasen, Kaufhausmusik, Weihnachtsmarktgrölereien, Fernsehgetöse und meinetegen auch Zahnarztbohrern - das Nähern von Weihnachten auf leisen Sohlen.

Vorfreude - eine alte sovjetische Weihnachtskarte Dazu muss man wieder Kind werden. Wie geht das? Ich weiß es nicht, denn es ist eine harte Aufgabe. Für mich beginnt die Vorfreude mit Lesen. Das ist jene, anarchistische Beschäftigung, die ihr gerade betreibt, indem ihr diesen Artikel lest! Und Bücher lesen ist noch schöner, als am PC zu sitzen! Die Freude lässt sich hauptsächlich durch Einschränkungen gewinnen. Vanillekipferl (siehe oben) das ganze Jahr über fressen bringt nix. Auch die "weihnachtlichen" Erdbeeren, die im Dezember in den Supermärkten zu finden sind, gehören eiskalt ignoriert. Man schränkt sich ein und gewinnt dadurch das Kostbare.

Man muss Weihnachten ja nicht auf Deibel komm raus als Kirchenfest sehen. Es ist eine Chance der Besinnung, sozusagen kann man da den inneren Sperrmüll wegbringen. Ein leidiges Abfallprodukt allweihnachtlichen Harmoniestrebens ist die Harmoniefalle. Vor lauter bemühter Festlichkeitsstimmung herrschen im Haus entweder nagende Eingeschnapptheit ("Ich hab's ja nur gut gemeint!") oder brüllende Streitereien ("Ihr könnt mich alle mal am Arsch lecken, mit eurem Getue!").

Vielleicht ist die Vorfreude ja zuallererst einmal ein Job für einen allein, den er in seinem Innern vorbereiten muss. Erst wenn's dort einigermaßen klappt, kann man andere hinzu ziehen.

Vorfreude auf Weihnachten

Ein Kind - von einem Schiefertafel-Schwämmchen
Umhüpft - rennt froh durch mein Gemüt.

Bald ist es Weihnacht! - Wenn der Christbaum blüht,
Dann blüht er Flämmchen.
Und Flämmchen heizen. Und die Wärme stimmt
Uns mild. - Es werden Lieder, Düfte fächeln. –
Wer nicht mehr Flämmchen hat, wem nur noch Fünkchen glimmt,
Wird dann doch gütig lächeln.

Wenn wir im Traume eines ewigen Traumes
Alle unfeindlich sind - einmal im Jahr! -
Uns alle Kinder fühlen eines Baumes.

Wie es sein soll, wie’s allen einmal war.

Joachim Ringelnatz (1883-1934)








Weihnachts Hauptseite