nbefleckte Empfängnis - Parthenogenese.

Madonna mit acht singenden Engeln Ein seltsames Wort in einem Weihnachts ABC, oder? Es bedeutet "Jungfrauenzeugung", womit wir aber schon wieder mittendrin sind. Angeblich, so die Evangelisten Matthäus und Lukas habe Maria "ohne dass sie einen Mann erkannte" (was biblisch für Geschlechtsverkehr ist) ein Kindelein geboren. Gewiss: nach ihr haben bestimmt etliche Jungfrauen z.B. ihrem vater geschworen: "Wirklich! Ich kann es mir nicht anders erklären...."

Nun ist der Mensch weder Assel noch Blattlaus, bei welchen diese Form der Fortpflanzung recht gut funktioniert. Der Mensch leidet folglich unter jener berühmten "Erbsünde" von der Maria höchstkirchlich ausgenommen wurde. Für seine Zeugung sind zwei Satz Chromosomen von Nöten, was profan bedeutet: eine Eizelle und mehrere Millionen Spermien, von denen eines "das Rennen macht". Die Wissenschaft kennt aber auch eine echte Form der Parthenogenese beim Menschen. Dabei teilen sich die Eizellen der Frau ohne väterliches zutun. Was dabei herauskommt ist allerdings ein recht grässliches Geschöpf, vielmehr ein Tumor, den man "Teratom" nennt. Außer Haaren und Zähnen wächst da nichts weiter.

menschliches Teratom Andererseits hat die Wissenschaft beim berühmten schottischen Schaf Dolly auch eine Art Parthenogenese zu Wege gebracht. Ein Klon der Mutter, von einem Leihmutterschaf ausgetragen und geboren. Das mag Hoffnung bei manchen Frauen wecken, die finden, dass Männer ohnehin langsam obsolet werden. Allerdings wissen wir heute, dass es um die Gesundheit geklonter Lebewesen nicht besonders gut steht. Die meisten sterben früh. Na, immerhin als Genpool sind wir Männer denn doch noch zu gebrauchen.

Eines noch: Wäre Jesus auf parthenogenetischer Weise entstanden hätte er eine Frau sein müssen, was wiederum den Frauen besonders gut gefallen hätte, denn: "When God created man, she was only joking!"


Bild oben links: Sandro Botticelli (1445-1510) "Madonna mit acht singenden Engeln (Berliner Madonna)"





eberraschung.

Das Geschenk der Weisen

Ein meist mehr oder minder erfolgreich vorgespielter Gemütszustand, wenn es um den Tatbestand der Bescherung geht. Was tun wir überrascht, wenn sich im Einwickelpapier wieder einmal nur Tinnef und unnützer Quatsch befindet. Was mussten wir schon Geschenkpapier heimlich in Wut zerknüllen, um den Frust abzubauen, den ein falsches Geschenk in uns aufbaute! Ein Geschenk sollte immer auch ein Opfer sein. Ja - wer opfert denn schon etwas, außer vielleicht ein paar Kröten?

O Henry hat eine schöne Kurzgeschichte geschrieben: "The Gift of the Magi", das Geschenk der Weisen. Ein Liebespaar feiert Weihnachten. Sie leben in bescheidenen Verhältnissen, aber jeder will dem anderen etwas schenken, das von Herzen kommt und, ja, das auch ein Opfer ist. Überraschung!!!!

Sie weiß, dass sein kostbarster Besitz eine Uhr ist, die er von seinem Vater geerbt hat und beschließt ihm, eine Uhrkette zu kaufen, doch ach - das nötige Kleingeld fehlt. Woher nehmen? Er bewundert ihr herrlich wallendes Haar, auf das sie so stolz ist und das sie jeden Morgen mit hundert Bürstenstrichen zum Scheinen bringt, und beschließt diese Schönheit zu unterstreichen, indem er ihr eine Haarspange aus kostbarem Elfenbein schenkt. Doch auch ihm fehlt das Geld.

Aber er ist so von der Idee besessen, ihr jene Spange zu schenken, die sie sich so sehr wünscht, dass er zum Pfandleiher geht, um seine Uhr zu verpfänden.

Sie weiß sich nicht anders zu helfen, als ihre Haare an einen Perückenmacher zu verkaufen, damit sie vom Erlös seine Uhrkette erwerben kann.

Jetzt können wir uns die Überraschung der beiden gut vorstellen, als Weihnachten nahte und sie das rätselhafte Kopftuch, das sie seit ein paar Tagen immer trug, löste und ihm mit großen AUgen seine neue, wunderschöne Uhrkette darreichte.

Wie "überrascht" sind wir, wenn sich zu Weihnachten "alte Freunde" melden, sei es per Telefon, mail oder Postkarte. Freunde, die sich den Rest des Jahres einen Dreck um uns scheren? Wie überrascht sind wir, wenn irgendwelche Verwandte, die man kaum kennt, um die Weihnachtszeit einem nostalgischen Wahn folgend an unsere Türe klopfen, um uns in unserer stillen Einkehr (einmal euphemistisch gesprochen) zu stören.

Ich selbst habe da einen eisernen Grundsatz: Erwarte stets das Schlimmste. Auf diese Weise kannst du nur angenehm überrascht werden!



nd hat ein Blümlein bracht .....

Ja von wegen drei läppische Strophlein und vorbei ists mit dem Weihnachtssingen! Hier nun die vollständige Ausgabe, der "Director's Cut" sozusagen. Texter unbekannt, entstanden im 16. Jahrhundert, Satz von Michael Praetorius (1571–1621) im Jahre 1609. Hier geht's zur midid Datei Bildliche Darstellung des biblischen Stammvaters Jesse, aus dem der Stammbaum Jesu erwächst.

1. Es ist ein Ros entsprungen,
Aus einer Wurzel zart,
Wie uns die Alten sungen,
Von Jesse kam die Art,

    Und hat ein Blümlein bracht
    Mitten im kalten Winter
    Wohl zu der halben Nacht.

2. Das Reislein, das ich meine,
So uns das Blumlein bringt,
Maria ists, die Reine,
Von der Jesaias singt;

    Nach Gottes ewgem Rath
    Hat sie ein Kind geboren
    Und bleibt doch reine Magd.

3. Das schreib uns ohne Mangel
Lucas mit truer Hand,
Wie Gabriel der Engel
Vom Himmel ward gesandt

    Zu einer Jungfrau rein,
    Die Gott sich auserwahlte,
    Sie sollt ihm Mutter sein.

4. Der Engel unverdrossen
Fuhr in der Juden Land
Gen Nazareth; verschlossen
Marien er da fand

    In inrem Kammerlein.
    Er sprach sie an so freundlich:
    'Gegrusst sei, Jungfrau rein,

5. 'Du bist vol aller Gnaden,
der Herr will mit dir sein,
Hoch uber aller Frauen
Will er dich benedein.'

    Die edle Jungfrau zart,
    Von dieses Engels Grussen
    Wie sie erschrocken ward!

6. 'Du sollst dich nicht entsetzen,'
Sprach er, 'o Jungfrau schon!
Mein Wort lass dich ergetzen,
Ich komm aus Himmels Thron,

    Bring frohe Botschaft dir.
    Due hast bei Gott Genade
    Gefunden, glaube mir.'

7. 'Ein Kindlein wirst du tragen
In deinem keuschen Leib,
Davon die Schriften sagen,
Du uberselig Weib!

    Sein Nam ist Jesus Christ:
    Der Herr will ihm verleihen
    Seinnes Vaters David Sitz.'

8. Da sprach die Jungfrau reine
Gar zuchtig mit Verstand:
'Wie soll mir das geschehen,
Die keinen Mann erkannt?'

    Der Engel sprach zu ihr:
    'Diess Wunder wird verschaffen
    Der heilge Geist an dir.

9. 'Es wird dich uberschatten
Des Allerhochsten Kraft
Und unverletzt bewahren
Deine reine Jungfrauschaft,

    Denn dieses Kindlein schon,
    Das von dir wird geboren,
    Ist Gottes ewger Sohn.'

10. Da sprach mit Freud und Wonne
Die edle Jungfrau rein,m
Als sie vernahm, sie solle
Des Herren Mutter sein,

    Gar willig, unverzagt:
    'Ich bin des Herren Dienerin,
    Mir gescheh wie du gesagt.'

11. Aus heilgen Geistes Kraften
Maria bald empfieng
Den ewgen Himmelsfursten:
Schau an das Wunderding!

    Neun Mond er bei ihr war;
    Sie wurde Gottes Mutter,
    Blieb Jungfrau immerdar.

12. Wohn zu denselben Zeiten
Der starke Furst und Held
Augustus, Romscher Kaiser,
Beschrieb die ganze Welt,

    Den Zins von Allem nahm,
    Da Joseph mit Maria
    Auch hin gen Bethlem kam.

13. Herbergen waren theuer,
Sich fand kein Aufenhalt
Als eine alte Scheuer;
Da war die Luft gar Kalt.

    Wohl in derselben Nacht
    Marie gebar den Fursten,
    Der Frieden hat gebracht.

14. Lob, Ehr sei Gott dem Vater,
Dem Sohn und heilgen Geist;
Maria, Gottes Mutter,
Auch deine Hulfe leist

    Under bitt dein Kindelein,
    Das Gott durch seine Gute
    Und gnadig will verzeihn.

15. Wir bitten dich von Herzen,
Du edle Konigin,
Bei deines Sohnes Schmerzen,
Wenn wir einst fahren hin

    Aus diesem Jammerthal;
    Du wollest uns geleiten
    bis in der Engel Saal.

16. So singen wir all' 'Amen!'
Das heisst: 'Nun werd' es wahr,
Dass wir begehrn allsammen:'
O Jesu, hilf uns dar

    In deines Vaters Reich!
    Darin wolln wir dich loben:
    O Gott, uns das verleih!

Bild oben rechts: Bildliche Darstellung des biblischen Stammvaters Jesse, aus dem der Stammbaum Jesu erwächst. Nach der alttestamentlichen Vision des Jesaja (Jes 11,1-10) von dem Reis, das aus der Wurzel Isais aufgehen werde, wächst der Baum aus dem schlafenden "Jesse", dem Vater Davids. Bekrönt wird der Baum von Maria und dem Christuskind.

Die kolorierte Holzschnittinitiale stammt aus dem zweiten Teil der deutschen Zainer-Bibel, Bl. 50b (Vorrede zum Buch Jesaia): Biblia, dt., 2 Teile, Augsburg: [Günther Zainer,] 1477. 2°. (GW 4300. ISTC ib00629000) Vorbesitzer: "F. S. I. 1602", dann Franciscus Christopherus Witsch, dann Hofbibliothek. Blindgeprägter Lederband über Holz. Rollenstempel und Streicheisenlinien.







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