annenbaum.

Mein eigener Weihnachtsbaum 2006 Oh Tannenbaum. Jedes Jahr sehen wir sie: Autos, so groß wie Leichenwagen mit einer Tanne auf dem Dach. Was für ein wunderschönes Sinnbild für die "state Zeit". Dennoch bleibt für mich: ein Weihnachten ohne Weihnachtsbaum ist wie eine Tanne ohne Nadeln. Und da sind wir schon bei des Pudels Kern: die Nadeln. Sie fallen. Bei einer Fichte schon nach drei Tagen! Die aus Amerika stammende Blaufichte nadeln erst nach zehn Tagen, aber man braucht dicke Handschuhe, um mit ihnen umzugehen. Sie haben einen Pieksfaktor, der schon an Arztspritzen erinnert. Dann schon lieber eine Nobilistanne, die ihre Nadeln zwei Wochen behält und dazu noch samtweiche Nädelchen hat.

Die beliebteste Tanne ist heute die Nordmannstanne, die ihre Nadeln 2 Wochen behält und ebenfalls nicht piekst. Sie wird vor allem in Dänemark angebaut und von dort nach Deutschland gekarrt, wo allein pro Saison ca. 22 Millionen Weihnachtsbäume gekauft werden.

Zur Symbolik braucht man nicht unbedingt viel Hirnschmalz: das immergrüne Gewächs versinnbildlicht in der kahlen, dunklen Zeit das immerwährende, blühende Leben. Im notorisch waldarmen England begnügte man sich vor Zeiten der extrem-Tannenbaumlogistik mit pieksenden Stechpalmenzweigen, die nicht nur immergrün sind, sondern auch noch rote Beerchen tragen. Herz des Weihnachtsbaum war das Elsass, wo schon 1535 kleine Eiben, Buchsbäumchen und andere immergrüne Gewächse verkauft wurden, die man als Weihnachtsschmuck an die Zimmerdecke hing.

Die erste deutschsprachige Erwähnung eines Weihnachtsbaums stammt aus der Hansestadt Reval, wo man nach einer Feier für unverheiratete Kaufleute zwei Tannenbäume auf den Marktplatz getragen wurden, wo man sie umtanzte und anschließend feierlich anzündete. Letztes passiert auch heute noch, aber dann meist unfreiwillig, wenn brennende Echtkerzen und rappeldürre Tannennadeln zueinander finden.

Die christlichen ursprünge des Weihnachtsbaum liegen in den Paradiesspielen: Der "Christbaum" hat seinen Ursprung im mittelalterlichen Krippenspiel in der Kirche. Vor dem eigentlichen Krippenspiel fand das Paradiesspiel statt, in dem gezeigt wurde, wie durch Adam und Eva die Sünde in die Welt kam, von der wir durch Christi Kreuzestod befreit wurden. Zu diesem Spiel gehörte ein immergrüner Baum als "Paradiesbaum" (auch Adamsbaum), der mit Äpfeln geschmückt war. Zu Fuße des Baumes war meistens ein geschmücktes Paradiesgärtlein angelegt, das Adam und Eva zeigte. Schließlich ist der 24. Dezember ja auch der Namenstag von eben denen.
Mit den Jahren wurde der Paradiesbaum immer schmucker: (vergoldete) Nüsse, Festgebäck und Süßigkeiten ersetzten bzw. ergänzten nach und nach die Äpfel, um die "paradiesische" Funktion des Baumes für die Gläubigen deutlich zu machen. In Silberpapier und in Goldpapier eingewickelte Früchte dieses Baumes sind so zu den Vorlagen für Christbaumkugeln und Christbaumschmuck geworden. ...und so sieht es heute aus...

Wer in den wunderbaren Weihnachtsgeschichten von Peter Rosegger (1843-1918) liest, wie es eine arme, österreichische Waldbauernfamilie schafft, ein Christbäumchen mit zwei kleinen Wachsstöcken (auch Kerzen genannt) zu schmücken und darunter als Gabe einen "süßen Wecken" zu legen, der spürt den wahren Zauber der Christnacht. Das heutige Pendant ist der Rekordbaum. Wer hat den höchsten, schönsten, größten? Oh: it's a man's world! Also: der höchste steht wohl auf dem Dortmunder Hansaplatz. Der protzigste und bekannteste ist aber allemal das Monstrum von New York. Alljährlich wird dort Anfang September eine 27 Meter hohe Riesentanne aufgestellt, die mit vierundzwanzigtausend Lichter und einem gigantischen Christallstern von Swarovski geschmückt ist. zwischen diesen beiden Extremen

Ich gebe zu, es ist schon eine Wucht, das alles mitanzusehen. Wie jedes Jahr könnt ihr auf meiner Weihnachts Live Cam Seite die Beleuchtungszeremonie als streaming live video feed beobachten. Für den Rest der Weihnachtszeit könnt ihr euch dann jederzeit einen Videostream des Riesenbaums aufs Desktop holen und so den New Yorker Weihnachtswahn miterleben.





homasnacht.

Der ungläubige Thomas

Die Nacht zum 21. Dezember ist die längste des Jahres. Sie ist die Thomasnacht geheißen, dem Jünger Jesu gewidmet, der so sehr an seinem wieder auferstandenen Meister zweifelte, dass er seine Finger in dessen Wunde legen musste. Mit den Worten "Mein Herr und mein Gott!" erkannte er dann aber als erster Mensch die Göttlichkeit Jesu an. Thomas stand Jesu so nahe, dass er auch oft als dessen "Zwillingsbruder" bezeichnet wurde. In Nag Hamadi in Ägypten wurde 1945 unter dem sensationellen Funden zahlreicher alter Handschriften auch ein vollständiges Exemplar des Thomas- Evangeliums entdeckt: eine Sammlung von Jesusworten ohne Erzählungen oder Passionsgeschichte, möglicherweise schon sehr früh (um 70?) entstanden und laut Vorwort von Thomas verfasst.

Warum dem Heiligen eine der gefährlichsten Rauhnächte gewidmet wurden ist unklar. Wiegt sein Zweifel dennoch all das Gute, das er als Apostel später getan hatte auf? Wehe dem, der in dieser Nacht das Haus verlässt. Er könnte dem Heiligen begegnen, der in seinem Streitwagen, gezogen von zwei pechschwarzen Rössern durch den Himmel fegt und dabei seine funkenstiebende Peitsche schwingt.

"Hört ihr Leut und lasst euch sagen
Die Glock hat grade zehn geschlagen
Nehmt euch in Acht vor Feuer und Licht
Und dass Euch vom heiligen Thomas nichts g'schicht!"

rief einst der Nachtwächter in den dunkelsten Stunden des Jahres. Wer einen Funken aus Thomas' Peitsche in die AUgen bekommen sollte, der würde blind oder wahnsinnig! Aber auch allerlei Liebes- und Wetterorakel werden in jener Nacht durchgeführt. Man säht am Thomastag Gerste in ein Töpfchen und kann dann, wenn sie gekeimt ist daraus erfahren, wie fruchtbar die kommenden Jahreszeiten werden. Das Kletzenbrot (aus gedorrten Pflaumen und Birnen) muss in dieser Nacht gebacken werden. Mit mehligen Händen soll dann die Hausfrau durch Sturm und Wind zu den Obstbäumen gehen, um diese zu umarmen, damit sie nächstes Jahr auch reichlich Früchte tragen!

In Thüringen und Böhmen ist die Bezeichnung „Durchspinn-Nacht“ oder „Durchsitz-Nacht“ üblich. Im Schwarzwald wird eher auf den damit einhergehenden Alkoholkonsum angespielt: man nennt den Morgen danach „Kotzmorgen“. In Kärnten glaubte man, in dieser Nacht in die Zukunft sehen zu können. So war ein bei Jungbauern beliebter Brauch das „Zaunstecken zählen“: man nannte eine Zahl und zählte dann rechts von der Zauntür den entsprechenden Zaunstecken ab. Dessen Aussehen sollte aussagen, wie die zukünftige Liebste aussieht: jung und frisch oder alt und morsch. Träume sollen in Erfüllung gehen, wenn man sich in der Thomasnacht verkehrtherum ins Bett legt. Außerdem nannte man denjenigen, der am längsten schlief den "Thomasesel".

Mit Beginn des Thomastages findet in einigen Gemeinden Frieslands ein zwölf Tage langes Glockengeläut (das Schreckenläuten) statt, welches die bösen Geister vertreiben soll. Ja, diese Wintersonnwende hat es in sich. Mit der Thomasnacht beginnen in vielen Regionen die Rauhnächte.

Bild oben rechts: Caravaggio (1573-1610): "La incredulidad de Santo Tomás"



horner Kathrinchen.

Die heilige Katherina von Alexandria

Diese Weihnachtsbäckerei wird traditionsgemäß bereits am 25. November, dem Tag der heiligen Kathrein gebacken. Die Stadt Thorn, heute Torun, liegt in Polen an der Weichsel und war der einst eine reiche Hansestadt wie Lübeck. Die reichen kaufleute konnten sich dort also allerhand Zucker und Gewürze beschaffen. Im 16. Jahrhundert entstanden diese "Gebildbrote" in Form einer Frau mit netter, weißer Schürze und züchtigem, weißem Krägelchen, stellten sie doch immerhin eine Heilige dar.

Und wie es den meisten Heiligen so ergangen ist, wurde sie im 10. Jahrhundert aufs scheußlichste umgebracht. Das war zumindest der Plan des kaisers Maxentius von Alexandria, dem sie das Heidenopfer versagte und statt dessen mit kirchlicher Logik unangenehm auffiel. Sie argumentierte so klug im Namen Christi, dass selbst die 50 gescheitesten Philosophen nichts gegen ihre Logik auszurichten vermochten. Naja, dachte man sich: bleiben noch Folter und Rad, Argumente, die wohl keiner widerlegen konnte.

Aber das Rad, auf das sie geflochten wurde zerbrach und seine Splitter töteten die Folterknechte. Daraufhin ließ sie der Kaiser enthaupten und aus ihrem Halse schoss kein Blut, sondern Milch. Engel ergriffen ihren Leib und entführten sie auf den Berg Sinai, wo deshalb das Katharinenkloster entstand.

Katharina ist eine der Vierzehn Nothelfer. Am "Kathrein-Tag" endete früher die Zeit des Viehs auf der freien Weide und begann die Schafschur, Mägde und Knechte bekamen ihren Lohn ausbezahlt. Außerdem "stellt St. Kathrein das Singen und Geigen ein", was bedeutet, dass mit dem 25. November offiziell die stille Zeit beginnt, ohne Lärm, Tumult und wildes Feiern. Na denkste!

Zurück zu dem leckeren Weihnachtsgebäck. Für seine Zubereitung braucht man:

  • 300 gr. Honig
  • 125 gr. Zucker
  • 125 gr. Butter
  • 2 Eier
  • 1 TL Zimt
  • je eine Messerspitze Nelken, Muskat und Kardamom
  • 3 Tropfen Bittermandelaroma
  • 500 gr Mehl
  • 2 TL Backpulver (lassen wir Hirschhornsalz und Pottasche mal beiseite)

Honig, Zucker und Butter aufkochen. Die Eier mit den Gewürzen verquirlen und mit der abgekühlten Honigmasse vermischen. Mehl und Backpulver zugeben und alles feste verkneten. Der Teig wird nun 2 cm dick ausgerollt und mit einer Kathrinchenform ausgestochen. Die Plätzchen werden dann hellbraun gebacken.

Dann bereitet man aus 250 gr Puderzucker und ein bis zwei Eiweißen einen Spritzguss vor, mit dem man die Kathrinchen verziert. Nach erfolgreicher Trocknung werden sie in eine Blechdose gepackt, wo sie bis zum ersten Advent ihr Aroma voll antfalten können. Damit sie auch weich werden, gibt man einen halben Apfel mit in die Blechbüchse.

Bild oben links: Caravaggio (1573-1610): "Hl. Katharina von Alexandrien"




ränen.

Tränen

Eine salzige Flüssigkeit, die dem Menschen beim Weinen aus den AUgen flöießt. Der Mensch ist übrigens der einzige Primat, der des Weinens mächtig ist, was ihm auf der Sympathieskala einige Pluspunkte verschafft. Eine menschliche Träne wiegt ca. 15 Milligramm. Aber das ist ja nicht so wichtig. Was zählt ist, dass die Geburt Jesu zur Weihnachtszeit geführt hat und diese wiederum vielen Menschen extrem bewusst macht wie elend, arm, einsam, krank usw. sie sind, was zur vermehrtem Ausstoß von Tränen führt.

Im Märchen haben Tränen oft wundersame Wirkung (im echten Leben übrigens auch, aber nur manchmal). Bei Rapunzel stürzt der Liebende, verhöhnt durch die böse Zauberin ab, als er an Rapunzels abgeschnittenen Haaren den Turm erklimmen will. Er fällt in ein Dornengestrüpp und erblindet. Rapunzel jedoch findet ihn am Ende und als ihre Tränen seine Augen benetzen, erhält er sein Augenlicht zurück.

Es ist okay, zu weinen, liebe Männer. Auch wenn Frauen im Grunde auf Machos stehen, wollen wir uns diesem Matriarchat nicht unterwerfen. Ein paar Zitate sollen uns bestärken.

"Die Tränen sind des Schmerzes heilig Recht." (Grillparzer)
"Aufgelöst und gestillt wird durch Tränen der Schmerz." (Ovid)

Singen wir für die Kinder "Lasst und froh und munter sein", während wir mit wachsender Lebenserfahrung und Enttäuschungen vielleicht eher wehmütig intonieren: "Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne!" Weint, liebe Freunde, an Weihnachten. Vor Kummer oder Freude, weint, weint, weint und lasst euch nicht erhärten in dieser harten Zeit. So sieht's doch aus!

Du hast den Frieden freventlich vertrieben!
Doch Gottes Gnad' ist grundlos wie sein Lieben,
O kehre heim in dein verödet Haus!
Kehr' heim in deine dunkle wüste Zelle,
Und wasche sie mit deinen Tränen helle
Und lüfte sie mit deinen Seufzern aus! 

Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) "Am Neujahrstage"

Bild oben links: DÜRER, Albrecht (1495-98)Beklagung des toten CHristus br>







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