auhnächte.

Wotan (Odin) reitet auf Sleipnir Die Volkskunde ist sich immer noch nicht einige woher das "rauh" in den Nächten stammt: Entweder von rauh = pelzig, wie all die düsteren felltragenden Getüme, die diese Nächte bevölkern, oder von "Rauch" mit welchem die Stuben und Ställe geweiht werden, oder schlicht von rau = hart, wie jene Tage mitten im Winter nun mal sind. (Man beachte wie geschickt ich im letzten Beispiel zur neuen Rechtschreibung gewitscht bin! *lach*)

Unter Rauhnächten (alte, sympathische Schreibweise) verstehen sich jene dunklen, zukunftssagenden Nächte, die mancher Orts am Heiligabend, mancher Orts bereits mit der Luziennacht (13. Dezember) beginnen und bis zur Dreikönigsnacht (6. Dezember) gehen. Aus heidnischen Mythologien tummeln sich am Himmel entweder die "Wilde Jagd" oder das "Wilde Heer", angeführt vom einäugigen Totengott Wotan (oder auch Odin genannt)auf seinem achtfüßigen Ross Sleipnir und gefolgt von allerlei Gestalten aus dem Urschleim heidnischer und christenheidnischer Bilderreiche. Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen: ich bin weit davon entfernt, jenen Rauhnächten ein germanisch-nationales Denkmal zu setzen, wie es einige als Neu-Heiden verkleidete Braunhemden momentan tun. Dennoch gehört die Wilde Jagd zu dem weihnachtlichen Bildkreis, ebenso wie Wotans Gattin, die Perchta (oder Huldra, oder Frau Holle genannt), deren Schreckensregime in der Nacht zum 6. Dezember zu ertragen ist.

Rauhnacht Wir nennen die Rauhnächte auch gerne die "Zeit zwischen den Jahren", was von alten Kalendern her rührt, die sich nach dem Mond richteten. Denen zufolge bleiben in jedem Jahr 12 Tage übrig, die weder zum alten noch zum neuen Jahr gehören. Schon die kalendarisch versierten Maya nutzten diese Tage als "Lostage", die besonders wahrsagekräftig waren. Ob Rauhnächte, die Zwölften oder Losnächte: fest steht, jetzt passiert was. Die dunkelste Zeit des Jahres befeuert unsere Fantasien mit allerlei wildem und wirrem Zeugs. Gebote, Verbote (die sich je nach Ort möglicherweise gar krass widersprechen) gilt es zu beachten. Tiere können in manchen Nächten (Heiligabend, Dreikönigsnacht) sprechen und erzählen, wer im künftigen Jahr sterben wird. Mädchen erfahren aus welcher Richtung ihr zukünftiger Gatte kommen wird, das Wetter des kommenden Jahres wird weisgesagt und so weiter. Manche Regionen verbieten es, Hülsenfrüchte während der Rauhnächte zu essen, manche Regionen gebieten eben dies. Mancherorts darf auf keinen Fall die Wäsche gewaschen oder aufgehangen werden, während anderenorts mit der Dämmerung das Schreckensläuten beginnt.

Während dessen muss man zu den winterlich schlafenden Obstbäumen gehen und sagen "Bäumchen wach auf, Frau Holle kommt!" Wer in der Christnacht an einem Brunnen oder einer Quelle vorbeikommt, wird erleben, dass statt des Wassers Wein daraus sprudelt. Doch wehe, man will diesen Wein in Krügen aufsammeln. Dann ist man des Todes! In der heiligen Nacht kann man um zwölf einen Stecken schneiden, der auf den zwölften Schlag geschnitten sein muss, aber niemals mit mehr als drei Schnitten. Mit solchem Stab kann man einen Feind in der Ferne verprügeln, in dem man auf ein paar Hosen eindrischt und dessen Namen ruft.

Wotans Wilde Jagd In den Raunächten herrschten Hämmer- und Schwertfrieden. Die Schmiedefeuer wurden gelöscht, kein Waffenstahl durfte geschmiedet werden. Sag das heute einmal jemand Heckler und Koch! Wer an Weihnachten die Treppe wischt, stirbt binnen eines Jahres. Schneidet ein Mädchen in der heiligen Nacht eine Zwiebel auf, so wird sie am Morgen das Konterfei ihres künftigen Mannes darauf erkennen. Und: wer beim Weihnachtsessen fehlt, der stirbt im nächsten Jahr gewiss!

An Kreuzwegen kann man um Mitternacht den Leibhaftigen treffen, der einem Furchtlosen Gold gibt. Die Himmel öffnen sich über einem und man kann das Paradies schauen, während ein um Mitternacht gesponnener Faden, um den Hals getragen vor Tod und Krankheit schützen soll. Und wer von den Hennen unbemerkt in den Hühnerstall ein- und auskriechen kann, der bleibt ein ganzes Jahr glücklich und gesund.

Ja, es gibt gar fürchterliche Schreckgespenste: die heilige Luzia, die am 13. Dezember (obwohl sie doch eine solche Lichtergestalt ist) ihr blutiges Unwesen treibt, der ungläubige Thomas, der in der Nacht zum 21. Dezember mit seinem zweispännigen Wagen durch die Himmel fegt und dabei seine Peitsche schwingt, die mächtig Funken schlägt: wehe man bekommt einen solchen Funken ins Auge! Ausgerechnet in dieser Nacht muss das Kletzenbrot gebacken werden. Und die Hausfrau muss mit bemehlten Händen hinaus in die wütende Nacht, um die Obstbäumchen zu umarmen!

Unheil, Zauber, ja gar Wahnsinn herrschen in den Rauhnächten. Deshalb bleibe man besser zuhause. Für meinen Teil sei noch eine Anregung angemerkt: all so schröcklich sind diese Nächte nun doch nicht. Es lohnt sich ein kleiner Abendspaziergang allemal, um einen Hauch dessen zu spüren, was da so zwischen Himmel und Erde umgeht und umfliegt. Es weckt auf alle Fälle die Fantasie in uns.


Bild oben links: Isländisches Manuskript 18. Jahrhundert: "Odin reitet auf seinem achtfüßigen Ross Sleipnir"
Bild mitte rechts: Alfred Kubin (1877-1959): "Rauhnacht"
Bild unten links: Peter Nicolai Arbo (1831-1892) "Die Wilde Jagd"


auschgold.

Rauschgoldengel

Das Flitter- Knitter oder Luggold ist dünngewalztes Messingblech, das seit der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts als Weihnachtsdekoration benutzt wurde, vor allem zur Vergoldung von Äpfeln Nüssen, Tannenzapfen usw. Der Rauschgoldengel ist in Nürnberg entstanden, als der berühmte Puppenmacher Balthasar Hauser einen solchen in Erinnerung an sein verstorbenes Töchterlein anfertigte. Nach langen Überredungsversuchen seiner Freunde, willigte er schließlich ein, seinen Engel in Serie zu produzieren und auf dem Nürnberger Christkindlmarkt zu verkaufen.



udloph das rotnasige Rentier.

Santa mit nur einem Rentier

Rentiere sind an Kälte angepasste, in den Tundrazonen Europas und Amerikas lebende Hirschart, bei denen beide Geschlechter Geweihe tragen. Ihre Kälteisolation ist derart gut, dass sich auf ihrem Rücken durchaus ein beachtlicher Schneeberg ansammeln kann, ohne weg zu tauen oder die Tiere zu stören. Für die nordeuropäischen Stämme der Tungusen, Tuwiner und Samen bilden die Tiere immer noch die Lebensgrundlage: sie liefern eine besonders fette und nahrhafte Milch, Fleisch und feines Wildleder.

Ihren ersten weihnachtlichen Auftritt hatten die Tiere in einem Gedicht "A visit from St. Nicolas" des Amerikaners Clement Moore ( 1779-1863). Der gab ihnen auch jene Namen, die heute jedes amerikanische Kind auswendig aufsagen kann:

"Now, DASHER! now, DANCER! now, PRANCER and VIXEN!
On, COMET! on CUPID! on, DONDER and BLITZEN!
To the top of the porch! to the top of the wall!
Now dash away! dash away! dash away all!"
Gene Autry

1949 kam noch ein neuntes Rentier an Santa Claus' Schlitten. Es entsprang einem Song von Gene "The singin Cowboy" Autry und Jonny Marks und hieß Rudolph. Seine Geschichte geht folgendermaßen: Rudolph das rotnasige Rentier hatte eine sehr glänzende Nase und wenn du sie je aus der Nähe gesehen hast, würdest du sogar sagen: sie glühte! Alle andere Rentiere lachten ihn aus und gaben ihm Spitznamen, ließen ihn aber nie an ihren gemeinsamen Rentier-Spielen teilhaben. Dann, an einem nebligen Weihnachtsabend sprach Santa: "Rudolph magst du nicht meinen Schlitten mit deiner leuchtenden Nase anführen?" Da liebten ihn plötzlich alle Rentiere und riefen voller Freude: "Rudolph, du wirst in die Geschichte eingehen!"

Was er auch tat. Chuck Berry, der alte Rock'n'Roller widmete ihm den Song "Run, Rudolph, Run!" Worin Rudolph einem kleinen Jungen das Fest rettete, indem er ihm rechtzeitig (was sonst?) eine E-Gitarre schenken konnte.



ovaniemi.

Santapark in Finnlands Rovaniemi

Eines von mehreren Santa Claus Dörfern (oder sollte ich sagen "Themenparks?) in Finnland. Finnische Tourismusämter beharren seit Jahren darauf, dass Santas Heimat strenggenommen nicht der Nordpol ist, sondern irgendwo im arktischen Kreis liegt. So sieht's auch bei Rovaniemmi aus, einem üppigen Santa Park mit Schneegarantie und einem heimeligen Santabüro, wo der bezipfelte Knabe tagaus tagein Kinder und deren Eltern geduldig empfängt. Ab Dezember sind alle Aktivitäten auch mit live cams zu beobachten. Für kleine und große Santa Fans hier seine Anschrift:

Santa Claus
Arctic Circle
96930 Rovaniemi
Finland

Im Web kann man Santas Weihnachtsorf hier besuchen







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