eiligabend.

Krippenszene Selbst die hartgesottensten Atheisten kriegen es am Heiligabend mit dem "Gefühl" zu tun. Das Gefühl - es fängt irgendwo tief in unserem Hirn an, sich zu entfalten. In irgendeiner zerebralen Rumpelkammer, wo die Kindheitserinnerungen lagern. Gute und schlechte. Die guten Erinnerungen fangen mit "es war...." an , die schlechten mit "es hätte sein können...". Dann arbeitet sich das "Gefühl" hoch in die obersten Stufen unseres Bewusstseins und: alles wird anders. Unsere Augen sehen anders, unsere Nasen riechen anders und unsere Ohren hören anders.

Gehen wir mal davon aus, dass sie an Heiligabend _nichts_ in unser Trinkwasser tun, so fühlt sich dieser Tag dennoch umschwirrt von Geistern an. Oh! Nicht nur liebevolle, gutmütige Geister, nein: vor allem solche, wie sie Charles Dickens in seinem berühmten "Christmas Carol" beschwor: die Geister vergangener, gegenwärtiger und zukünftiger Weihnachten! Sie bringen uns das unwiederbringliche in unser Denken, das nagende Gefühl, den gegenwärtigen Tag nicht in seiner gänzlichen Fülle zu erfassen (Carpe Diem!) und die düstere Angst, dass wir in der Zukunft zum Heer der Vergessenen, Ungeliebten gehören könnten.

Die Heilige Nacht Im Konzil zu Konstantinopel wurde im Jahre 381 festgeleg, dass Christi Geburt in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember stattgefunden habe (zumindest die Tageszeit beschreibt das Lukasevangelium) und zwar irgendwann zwischen 3 Uhr und 5 Uhr. Bis zum 18. Jahrhundert fand der Weihnachtsgottesdienst am 1. Weihnachtstag je nach lokalen Gegebenheiten zwischen 3 und 5 Uhr morgens statt. Nach Beiwohnen des besonders feierlichen, bis zu 21/2 Stunden dauernden Gottesdienstes, der den absoluten Höhepunkt des Weihnachtsgeschehens darstellte, gab es noch vor Hahnenschrei eine Bescherung.

Später feierte man Christmetten um Mitternacht. Natürlich weicht heute das ganze Gewebe auf und die Mitternachtsmette beginnt um neun oder zehn und Kerzen werden wegen der Branntbestimmungen auch keine mehr in die Kirche mitgebracht.

Zur Bescherung will ich nur wenig sagen. Als Kind LIEBTE ich sie natürlich, wie alle kleinen Hosenscheißer. Heute gibt's an Weihnachten nix geschenkt. Keiner soll mir was schenken. Erst recht nix gekauftes. Weg damit! Weg mit den Kaufhäusern und Geschenkartikelläden! Lasst mich kochen! Bringt mir selbstgebackene Kekse (nur keine "gesunden"), speist an meiner Tafel! Wäre die Welt ein besserer Platz, wenn alle ein paar Wochen vor Heiligabend den Konsum von Tineff und Tand verweigern würden?

Ahhh...ich bin sicher das "Gefühl" wäre dann auch wieder spürbarer!

Bild oben rechts: Carl Bloch (1834-189) "Krippenszene"
Bild links: Correggio (1489-1534) "Die Heilige Nacht"



eilige Drei Könige.

Die Anbetung der Heiligen Drei Könige Um mal vorneweg eines klar zu stellen: Heilig gesprochen wurde keiner der Könige, ob es drei waren ist fraglich, Könige waren es gewiss nicht und ihre Namen -Caspar Melchior und Balthasar- sind auch nicht in der Bibel überliefert. Im Matthäusevangelium wird nur von "mágoi" gesprochen, das waren damals persisch-babylonische Paläoastronomen und so wird denn auch in der Einheitsübersetzung der Bibel von "Sterndeutern" gesprochen, was den Nagel wohl auf den Kopf trifft.

Gold, Weihrauch und Myrrhe haben sie gebracht, was Papst Leo I. umd 450 dazu veranlasst hatte, es seien drei an der Zahl gewesen. Und ihre Namen bekammen sie irgendwann im 5. Jahrhundert in armenischen Kindheitsgeschichten Jesu verpasst. Da war die Rede von Melkon von Persien, König Gaspar aus Indien und König Baltassar von Arabien.

Um 720 schrieb der angelsächsische Geschichtsschreiber Beda Venerabilis von einem Caspar aus Thorsis, Melchior aus Nubien und Balthasar aus Godolien: der erste soll Melchior gewesen sein, ein Greis mit weißem Barte, der zweite Caspar, ein bartloser Jüngling, der dritte Balthasar, mit dunklem Vollbart (Tertius, fuscus, integre barbatus, Balthasar nomine). Dabei bezieht sich das lateinische Wort fuscus („dunkel, schwärzlich“) eindeutig auf den Bart und nicht auf die Hautfarbe, wie noch heute oft behauptet wird. Beda schreibt weiter: „Aber alle deren Kleider sind wie die der Syrer“ (Omnia autem vestimenta eorum Syriaca sunt). Die Zahl drei steht hier vermutlich auch für die drei Alter des Menschen.

Die Gebeine jener drei Männer ruhen im Dom zu Köln. Auch wieder nach überliefeten Legenden erfolgte:

Die Anbetung der Heiligen Drei Könige 1. die Auffindung der Reliquien durch Flavia Iulia Helena Augusta, der Mutter des Kaisers Konstantin I. auf einer Pilgerfahrt in Palästina bzw. im Osten des Reiches
2. die Schenkung der Reliquien durch einen der Söhne Konstantins I. an den Bischof Eustorgius
3. die Übertragung der Reliquien nach Mailand im 4. Jahrhundert durch eben diesen Bischof.

1158 waren die Reliquien dann angesichts der ersten Belagerung Mailands durch Friedrich Barbarossa von der außerhalb der Stadtmauern gelegenen Eustorgius-Kirche in den Glockenturm der in der Stadt befindlichen Kirche St. Georg geschafft worden.

Am 23. Juli 1164 sind die angeblichen Gebeine der drei heiligen Könige dann nach Köln gelangt, wo sie bis heute im dortigen Dom verehrt werden. Der damalige Erzbischof, Rainald von Dassel, hatte sie nach der Eroberung von Mailand vom Kaiser Barbarossa als Geschenk erhalten. Darin drückte sich auch eine politische Absicht aus. Die Gebeine der sozusagen „ersten christlichen Könige“ sollten dem Reich Barbarossas eine sakrale Rechtfertigung ohne Abhängigkeit vom Papst verleihen.

Bild oben rechts: Pieter Aertsen (1508 - 1575) "Anbetung der Heiligen Drei Könige"
Bild links: Pordenone de Sacchis (1484-1539) "Anbetung der Heiligen Drei Könige"



umbug A Christmas Carol Erstausgabe

"Frohe Weihnachten Onkel!"
"Bah!" sagte Scrooge, "Humbug!"

Diese Zeilen entstammen der wohl berühmtesten Weihnachtsgeschichte: Charles Dickens' "A Christmas Carol" ("Ein Weihnachtslied"), wo einem alten, mies gelaunten Geizkragen namens Scrooge (nach dem auch später Disneys "Uncle Scrooge" benannt wurde) drei Geister in der Christnacht erscheinen, die ihn wieder zu einem anständigen Menschen machen sollten. Die Geschichte erweckte bei ihrem Erscheinen in Engalnd so großes Aufsehen, dass kapitalistische Heuschreckenunternehmer prompt vor Rührung ihren Angestellten an Weihnachten einen freien Tag gaben und jeder versuchte, Weihnachten fortan so fröhlich zu feiern wie der geläuterte Scrooge.

"Humbug" hört man es oft raunen, wenn von Weihnachten die Rede ist. Umfragen sollten alarmieren: viele Junge wissen gar nicht, um was es da geht, vermischen es mit Ostern oder glauben es sei eine Erfindung der Amis. Humbug! Genug, dass wir Deutschen immer blöder und einfältiger werden! In Amerika treibt das Gespenst der "political correctness" seinen Wahn: Der Ausspruch "Merry Christmas" ist geächtet (gemäß der Sprachregulierungsbehörde ala George Orwell), es heißt jetzt "Merry Seasons" , "Fröhliche Jahreszeit". Ganz korrekt müsste man sagen "Merry christmas, kwanzaa, chanukka, ramadan and others..."! Ein Glück haben sich die Macher von South Park dieses Problems bereits angenommen und "Mr Hanky den Weihnachtskot" erfunden.

A Christmas Carol: Scrooge der Miesling Und dabei ist die Weihnachtsgeschichte von Dickens nicht einmal fromm christlich. Es geht nur darum, das Leben, wie wenig es auch zu bieten vermag, zu würdigen, zu ER-leben, den Tag zu nutzen, freundlich zu sein, feste zu feiern, mildtätig zu sein, eben all der Kram der so aus der Mode gekommen ist.

Und am Ende der Geschichte heißt es:

"Scrooge war besser als sein Wort. Er tat nicht nur alles, was er versprochen hatte, sondern noch mehr, und für Tiny Tim, der nicht starb, wurde er ein zweiter Vater. Er wurde ein so guter Freund und ein so guter Mensch, wie nur die liebe alte City oder jedes andere liebe alte Städtchen oder Dorf in der lieben alten Welt je einen Freund und Menschen gesehen hat. Einige Leute lachten, als sie ihn so verändert sahen; aber er ließ sie lachen und kümmerte sich wenig darum, denn er war klug genug, zu wissen, daß nichts Gutes in dieser Welt geschehen kann, worüber nicht von vornherein einige Leute lachen müssen: und da er wußte, daß solche Leute doch blind bleiben würden, so dachte er bei sich, es wäre besser, sie legten ihre Gesichter durch Lachen in Falten, als daß sie es auf weniger anziehende Weise täten. Sein eigenes Herz lachte, und damit war er vollauf zufrieden."







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