atum im Dezember

Im Grunde spielt das Datum der Geburt Jesu keine Rolle: Wir feiern Weihnachten am 25 Dezember, wie es im Konzil zu Konstantinopel im Jahre 381 festgelegt wurde. Basta! Dabei gilt als ziemlich sicher, dass Jesus keinesfalls am 25. Dezember geboren wurde und auch nicht im Jahre Null, denn so etwas kennt unsere Zeitrechnung nicht. Laut Lukasevangelium heißt es dass Jesu Geburt in der Zeit, als "Quirinius Statthalter in Syrien war" statt fand (Quirinius wurde aber erst im Jahre 7 unserer Zeit syrischer König). Bei Matthäus heißt es "zur Zeit des Königs Herodes", welcher bereits im Jahre 4 vor unserer Zeit verstarb.

Vielleicht war es aber auch nur ein Schreibfehler, der den vielen Kopierern des Lukasevangeliums unterlaufen war und sie meinten nicht "Quirinius" sondern den römischen Statthalter von Syrien Quintilius Varus, der im Jahre 6-4 v.u.Z herrschte und später im Teutoburger Wald seinen Tritt in den Allerwertesten bekam.

Was ist nun aber mit dem 25. Dezember??? "Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde", heißt es bei Lukas, aber in Palästina müssen die Herden zwischen November und März in den Stall, denn es ist zu kalt zum Überwintern im Freien. Viele Urväter unserer Kirche ließen alle möglichen Geburtstage Jesu berechnen, die meisten davon lagen im Frühjahr rund um die Tag- und Nachtgleiche des 25 März. Dieser galt als erster Schöpfungstage und da Gott am 4. Tage die Sonne erschuf, so sah man im 28. März den Geburtstag Jesu als Licht der Welt.

Was den berühmten "Stern von bethlehem" angeht, sei hier nur kurz erwähnt, dass in den 40er Jahren der österreichische Astronom Konstantin Ferrari d'Occhieppo im British Museum einige alte Keilschrift Tafeln von Marduk Priestern aus Babylon studierte in denen von einem hellen Stern, Saturn, die Rede war, der über Judäa erschien. Nach d'occhieppo handelte es sich um eine Konjunktion (Verschmelzung) der beiden Planeten Jupiter und Saturn zu einem einzigen großen Stern. Dieses geschah in einer Septembernacht des Jahres 7 vor unserer Zeit (was auch die Widersprüchlichkeiten der Evangelien klar rücken dürfte). Nicht nur war diese Planetenkonjunktion besonders hell, nein, die Wandelsterne wurden "rückläufig", d.h. die Erde überholte sie, dass es den Eindruck machte, die Planeten zögen von West nach Ost.

Den babylonischen Marduk Priestern (heute als die Heiligen Drei Könige bekannt) war dies ein besonderes Zeichen, galt doch der Saturn als der Stern der Juden. Also zogen sie gen Jerusalem, dem Himmelsphänomen folgend. Ich hatte einmal die Gelegenheit einen rückläufigen Mars zu sehen. Es war spektakulär. Der helle Stern wanderte recht schnell entgegen aller anderer Sterne am Himmel nach Osten und ich (ein Skeptiker vor dem Herrn) dachte, ich sähe ein UFO. Der "Schimmer", den der Stern von Bethlehem ausstrahlte (und der deswegen oft als Komet abgebildet wurde und wird) war vermutlich das Zodiakallicht, ein Streulicht aus Partikeln in den Planetenelipsen, das an klaren Nächten einen wundersamen Schein ergeben kann.

Aber der 25. Dezember war nicht von ungefähr im Konzil von Konstantinopel zum Geburtstag erkoren. Es war das alte römische Fest des "Sol Invictus", des "unbesiegbaren Sonnengottes", dessen Kultstätten man bis hinauf nach England vorfand. Wie es Sitte ist, verschmolz Kaiser Konstantin das alte mit dem neuen Fest, um seinen Untertanen zu gefallen.

Bild oben rechts: Govaert Flinck (1615-1660) "Aankondiging aan de herders"
Bild links oben: "Geburt Christi", Ikone aus dem 13. Jahrhundert
Bild rechts unten: Giotto di Bondone (1266-1337) Anbetung der Heiligen Drei Könige




üfte.

Oh holde Zeit der Düfte!! Der Advent, eigentlich eine strenge Fastenzeit, ist ein Meer betörender Düfte und Gerüche. Und die meisten zielen direkt auf unser Fresszentrum. Wer kann schon ungerührt an einem Stand vorüber gehen, an dem Zimtwaffeln gebacken werden? Wen lässt der Duft von Lebkuchen, Anisplätzchen, Spekulatius und Glühwein denn schon kalt?

An Weihnachten merken wir, wie sehr unser Reptiliengehirn doch dominant ist, der Teil direkt hinter der Nase, wo unsere Ur-emotionen untergebracht sind und wo Geruchseindrücke als die schnellsten und intensivsten Sinneswahrnehmungen verarbeitet werden. Nichts stimuliert unsere Gefühle so sehr wie ein besonderer Duft. Ein Hauch von Zimt und Koriander und wir denken im heißesten Hochsommer an Weihnachten. Marketingstrategen können uns mit ihren Aromen steuern wie willenlose Lenkdrachen. In Kaufhäusern, Lederwarengeschäften oder Bäckereien werden wir "beduftet" und sind nicht mehr ganz so Herr unserer Sinne, wie wir es denn gerne wären.

Was wir so weitläufig als "Geschmackssinn" bezeichnen ist eher unser Geruchssinn. Als Wickelkinder nehmen wir die Gerüche unserer Umwelt auf. Unsere Nasen sind um ein vielfaches sensibler als sie es bei Erwachsenen sind. Wir gewöhnen uns an den "Geschmack" bestimmter Süßsspeisen und Nahrungsmittel. Die Industrie prägt uns mit speziellen Duftmarken in ihren Lebensmittelprodukten, denen wir auch nach Jahrzehnten noch treu sind. Oh ja: unsere Nase hat uns im Griff. Sie gebietet über das Reich der Erinnerung und ist die Hüterin verlorener Paradiese


reikönigsnacht.

Von all den zauberkräftigen Rau(c)hnächten rund um Weihnachten (Zwischen dem 21. Dezember bis zum 6. Januar) gibt es vier, die besonders gefürchtet und beachtet wurden: Die Thomasnacht (21. Dezember), die Heilige Nacht, die Silvesternacht und die Dreikönigsnacht.

In der Dreikönigsnacht sieht man im alpenlänischen Raum die sogenannten "Perchten", besonders greislich herausgeputzte Gesellen, umherlaufen. Mit ihren gruseligen Masken, versuchen sie die "Perchta" zu vertreiben, eine germanische Göttin, Weib des Totenchefs Wotan und Herrin über die Lebenden, die Haushalte, Dienstboten. Die Perchta (die auch als "Hel" oder Frau Holle den Weg ins Märchenbuch fand) war eine rechte Erdgötting, deren Aufgabe es war, die Gesetze der Natur zu überwachen. Und niemand stand über den gesetzen, vor allem nicht die Menschen.

Wie es so üblich ist verwurschteln eben diese Menschen uralte Mythologien mit bodenständigem Brauchtum, Bauernweisheit und heiligen, christlichen Geboten. Da braucht es schon einen Volkskundler um sich in diesem folkloristischen Kuddelmuddel zurecht zu finden.

In der Dreikönigsnacht, so heißt es, geht die Perchta um und straft all diejenigen, die gegen ihr Gesetz Wäsche waschen oder die Stube fegen. Sie ist mit einem scharfen Dolch bewaffnet, mit dem sie liebend gerne Bäuche aufschlitzt, um sie mit Kehrricht und dergleichen mehr zu füllen. Daher rührt auch der Brauch, sich am Abend vor dem Dreikönigstag den Bauch vollzuschlagen, damit der Dolch der Perchta an ihm abrutsche!

Hier ein paar Brauchtumsregeln zur Dreikönigsnacht:

"Tropf es vom Dach, so soll man mit dem Viehfutter sparsam sein."

"Die Tier können - wie in der Heiligen Nacht - reden. Das Wasser das in dieser nacht vom Brunnen geschöpft wurde ist besonders heilsam."

"Die Dreikönigsnacht ist die gefährlichste der Rauhnächte. Man gehe daher besser nicht ins Freie."

"Der Dreikönigswind ist der am segensreichsten aller Winde. Man öffne ihm daher um Mitternacht Türen und Fenster, damit er Glück ins Haus bringe."

"Eine Wünschelrute, die am Dreikönigstage geschnitten wurde, ist unfehlbar."

"Um Mitternacht öffnet sich der Himmel und die Heilige Dreifaltigkeit wird sichtbar. Wer das Glück hat, dies zu sehen, dem stehen drei Wünsche offen."

Bild links: Perchten im Alpenraum







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