Hexengifte, Flugsalben, der Geifer des Zerberus und die Technik des Räderns




Louis Lewin, der wohl bedeutendste Toxikologe dieses Jahrhundert zitiert in seinem Buch "Die Gifte in der Weltgeschichte" eine Definition von Hexen laut Thomas Erastus, 1572, wonach diese Frauenspersonen seine, die, nachdem sie Gott und der Religion abgeschworen, sich dem teufel ergeben hätten,damit sie von ihm unterrichtet würde, wie sie mit Zauberworten, Kräutern und anderen Dingen, die Elemente in Unordnung bringen,den Menschen, Vieh, Äckern und Früchten Schaden zufügen könnten.

 

Papst Innozenz VIII erließ am 5. Dezember 1484 eine Bulle, durch die er dem Übel der hexerei Einhalt gebieten wollte. Hexerei bedeutete in jener Zeit die Emanzipation der kleinen Leute vor dem Machtmonstrum Kirche: sie genasen ohne des Pfaffen Beistand von ihren Krankheiten und konnten sich trotz schlimmster Armut ohne die Gefahr des Kinderkriegens miteinander vergnügen, denn Empfängnisverhütung und Abtreibungswissen gehörten zum Standardrepertoire einer jeden Hexe.

 

Um auch recht viele dieser ketzerischen Weiber auf den Scheiterhaufen zu kriegen setzte der Pabst seine Hunde ein, oder besser, die "Hunde des Herrn", die Dominikaner. Im Verlauf weniger Jahre wurden allein im Kurfürstentum Trier anno domini 6500 Frauen und Männer auf die Scheiterhaufen geschickt.

 

Kräuterwissen und schamanisitische Prinzipien machten die weisen Frauen zur Gefahr. Um zu heilen suchten sie, ähnlich allen Schamanen in allen Kulturkreisen den kleinen Tod durch den Rausch.

So entwickelten sie in den Jahren 1500/1600 äußerst effektive Hexensalben (Flugsalben), die folgende Aufgaben hatten:

Durch den extremen Rausch, den die Inhaltsstoffe dieser Drogen vermittelten, gingen die Hexen einen Bund mit höheren Mächten ein, die ihnen zu ihrem geheimen Wissen verhalfen. Klar, daß diese "Höhere Mächte" nur aus der Hölle stammen konnten. Tun sie dies heute doch auch (Oder werden psychotrope und haluzinogene Substanzen nicht von einer sich dumm stellenden Wissenschaft und einer machtängstlichen Regierung überall auf der Welt "verteufeln"???).

 

Um den mänadischen Rauschzuständen der Hexen richtig üble Publicity zu geben, ersann man eine besonders grausliche Basis, auf der die Salben gerührt wurden: Leichenfett, vor allem das Fett getöteter und zuvor gequälter Kinder war der Hauptstoff. Und um eins draufzusetzen, liess man sie (siehe Shakespeare) auch noch besonders widerwärtige Zutaten verwenden, wie Spinnen, Kröten und Fledermäuse. Wer sowas trinken konnte, der WAR mit dem Teufel im Bunde, wetten?

 

In erster Linie bestanden die Hexensalben aber aus Kräutern wie die Nachtschattengewächse Bilsenkraut, Mandragora (Alraun), Tollkirsche und Stechapfel. Die Wirkstoffe u.a. Atropin und Skopolamin konnten durchaus einen Zustand des Schwebens vorgaukeln. Letzteres weckt ausserdem noch schier unkontrollierbare sexuelle Lust. Andere Haluzinogene, wie Psilocybinhaltige Pilze, Mohnsaft, Cannabis und das noch wenig erforschte Krötensekret Bufotenin taten ein Übriges.

Die Salben des 16. Jahrhunderts bestanden aus dem hochgiftigen Aconit (dem "Geifer des Zerberus", Sturmhut, Schießkraut), Ruß, Rinderfett (Salbengrundlage) Wolfsmilch (erleichterte das Aufnehmen durch die Haut).

Paracelsus, der streng an die Hexensagen glaubte stellte eine solche Salbe her, die, wenn man sie mit den Worten

"obenauß und nirgent an"

einrieb, einen durch den Schornstein aus dem Hause tragen sollte.

 

Weitere Zutaten etntsprangen wohl der Magie, wie sie entsteht, wenn wir schier unmögliches zu erlangen trachten: Fleisch eines Hingerichteten, Teile eines Henkerstricks usw.

 

Aber nicht nur sich selbst versorgten die Hexen mit diesen Giften. Sie waren auch in der Kräuterheilkunde bewandert und manche wird wohgl für Geld gemordet haben. Das tat sie auf Grund ihres Wissens natürlich mit Gift.

(Man sollte z.B. den Urin und das Blut eines Leprakranken nehmen und darin Weizenkörner einlegen, bis diese es ganz aufgesaugt hätten. Diese sollte man an Hühner verfüttern, deren Fleisch man dem Opfer zu essen gab)

 

Die Strafe Nummer eins für Giftanschläge war das Rädern.

Mittels eines schweren Kutschenrades wurden dem Delinquenten nach und nach alle Knochen gebrochen.

Leichtere Vergehen wurden von "oben nach unten" gerädert, schwere "von unten nach oben" d.h. man begann bei den Füßen, was die Leidensqual erheblich verlängerte.


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