Hekates Töchter




 ---die Macht der Frauen verwandelt sie in den Augen der Männer ins Gegenteil.Aus der fruchtbaren, lebensspendenden Mutter, wird das böse, weise Weib, unbeherrschbar und die Inkarnation aller Männerängste. Es ist ein mystisches gebot der Jahrtausende, daß Männer schlecht über Hexen reden, daß sie böses über sie sagen und daß sie deren Scheiterhaufen aufschichten. Die meisten sehen diese Geschichte als ahnungslose Kinder. Ein Mann DARF nichts Gutes über eine Hexe schreiben, sonst wird er zum Verräter. Schreibt er SCHLECHTES über sie, ist sein Schicksal besiegelt. Das Gestirn der Hexe ist der wandelbare Mond . Ihre Launen (von Luna= Mond kommend) aber auch ihre Macht entspringen dem Element Wasser.

Sie war eine Titanin, die auch im Zeitalter der olympischen Gottheiten unter Zeus ihre Macht behielt, und eine Göttin der Unterwelt: Hekate.

Man schrieb ihr Macht im Himmel, auf dem Lande und auf dem Meer zu, denn sie brachte ihren Anhängern, ob Soldat, Bauer oder Seemann eichtum und Macht.

Sie war eine Erd- und Fruchtbarkeitsgöttin wie Demeter, denn die Erde brachte die Früchte für die Menschen hervor. Aber die Früchte und das Korn wurden aus der Unterwelt von den Toten emporgeschickt, die Lebenden zu speisen.

 

So war Hekate auch Göttin des Totenreiches, wo die Wurzeln der Fruchtbarkeit verborgen waren.

In dieser Gestalt wurde sie von Hunden begleitet, von einem Gespensterheer der Nachtgestalten, sie die Göttin der unheimlichen Kreuzwege, mit dem Schlangenhaupt der Gorgo Medusa ähnlich.

Sie blickte in drei Richtrungen gleichzeitig und wurde die Schutzpatronin der Hexen (denen sie auch den Namen gab) und Zauberinnen. Ihre ersten Priesterinnen waren

 die Urmütter aller Hexen


Circe und Meda. Letztere eine unhaltbare, brudermordende Giftmischerin, von der Eliphas Levi schreibt:

"Medea ist das verderbte Geschöpf, welches das Böse will und ausführt. Sie liebt wirklich und gehorcht nicht aus Furcht, aber ihre Liebe ist noch gefährlicher als der Hass. Sie ist eine schlechte Mutter, eine Mörderin kleiner Kinder. Sie liebt Nacht und Mondschein, um zu ihrer Giftbereitung böse Kräuter zu sammeln. Sie magnetisiert die Luft, bringt Unglück der Erde und vergiftet Wasser und Feuer. Die Schlangen geben ihr ihren Speichel, schreckliche Worte murmelt ihr Mund, Blutspuren zeichnen ihren Weg und aus ihren Händen fallen abgeschlagene Glieder. Ihre Ratschläge bringen Wahnsinn, ihre Liebkosungen Entsetzen."

 

Es gibt keine männliche Hexe. Das Gegenteil wäre der Magier, ein in die Mystik der jeweils herrschenden Religion eingliederbarer weiser Mann, der das System stützt und mit Gott reden kann. So sieht es der Mann: die Hexe als Zerrbild der Mutter, den Magier als Lichtfigur geheimer Weisheit.

 

Hekate nun, mit ihrem Tross der Nacht, mit ihrem Gespensterschwarm und feuersabbernden Hunden, übernimmt die zwiespältige Rolle der Mutter und Giftmischerin. Die mächtige Ur-Gottheit wird zum heimlichtuenden Alptraum. Ihre Priesterinnen und Nachfolgerinnen, die Hexen (was immer sie waren und sind) beherrschen in erster Linie den Dialog mit den Früchten der Erde.

Sie kennen die Kräuter und Pflanzen, die Heilung, Linderung, aber auch Irrsinn und Leid bringen können. Sind Hexen weise Frauen? Sind die Hexenverbrennungen Verbrechen an Heilerinnen, begangen von ängstlichen Patriarchen, um die geschlechtslose Macht ihrer Kirche zu schützen? Wir wissen es. Wir reden hier nicht drüber, denn es erscheint uns zu schlicht und zu dumm!

Der Gott der Hexen ist ähnlich wie deren Gestirn, der Mond, eine Spiuegelung männlicher Macht und trotzdem Geschlechtslos. Es ist der strahlende, Phosphoros, der Lichtträger, der gefallene Engel Luzifer. Ihn zu ehren treffen sie sich an bestimmten Tagen (in der germanischen Walpurgisnacht zum Beispiel) auf seelenlosen Berggipfeln, um das schwarze Sabbatmahl zu begehen.

Da werden aus weisen, kräuterkundigen Frauen läufige, berauschte, fliegende und mondsüchtige Monstren. Woher nun das? Ein Bild der Männergesellschaft? Oder ein Hinweis, auf ihre Verwandschaft mit den griechischen Mänaden, die ihren Gott Dyonisos in unaussprechlichen Bachanalien feierten, kindermordend, hemmungslos und unbeherrschbar?

Es ist natürlich wieder mal die Angst des Mannes vor der weiblichen Sexualität, die solche Kulte und Feiern aufleben lässt. Der Wahrheit kommt dies so nahe wie jedes andere beliebige Märchen auch: bis in den Kern der Dinge.

 

Die Hexen aber sammeln weiter das Bilsenkraut, die Datura, die Tolllkirsche und die zaubrigen Pilse, mischen daraus und aus dem Fleisch grauslich getöteter Neugeborener unausprechliche Salben des Grauens und reiben sie sich in "ihr unbändiges Organ" oider unter die Arme. Dann entfliehen sie der irdischen Macht des Patriarchats und verbünden sich mit anderen Mächten. Ihr Element war nie das Feuer, sondern immer das gewürzte Wasser in dem Kessel darüber.


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